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Kraftprotz und Schelm: Peter Soika (78) aus Erding war ein richtiges Original.

Nachruf Peter Soika 

Peter Soika: Stoaheber, Scharfschütze, Schiaßn-Chef

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Erding - Fußballer, Kampfsportler, Unternehmer – Peter Soika strotzte vor Kraft. Was er anpackte, tat er mit Leidenschaft. Jetzt hat sein Herz aufgehört zu schlagen.

Bevor Peter Soika in den Sanka stieg, fragte er noch, ob er seine Arbeitsschuhe ausziehen soll. Auch mit seinen 78 Jahren hatte er auf seinem Schrottplatz gewerkelt, als er eine Gallenkolik erlitt. Seinen Humor hatte er auch in diesem Moment nicht verloren. Peter Soika wurde ins Klinikum Erding gebracht, wo er in der folgenden Nacht starb. Nach einer weiteren Kolik wollte das ohnehin geschwächte Herz nicht mehr.

Jenes Herz, das bei Peter Soika immer schneller und fester zu schlagen schien, als bei allen anderen. „Er war immer mit voller Leidenschaft bei der Sache“, sagt seine Frau Helga, die mit ihm 56 Jahre verheiratet war. Das galt nicht nur für den Schrottplatz im Westen Erdings, den der gelernte Kfz-Mechaniker und spätere Lagermeister 1976 errichtet und bis zuletzt am Abend selbst zugesperrt hat.

Das galt natürlich für seine Kinder Heike, Caro und Uwe, mit dem er den Schrottplatz geführt hat. „Er hat uns jeden Wunsch erfüllt. Wir wurden sehr verwöhnt“, sagt heute seine Tochter Caro Busch. „Und auch seine Enkel Sebastian, Valentin und Sabrina hat er über alles geliebt.“

Herzblut hatte Peter Soika offensichtlich reichlich. Die Stiftungsbrauerei hätte es sich wohl auch nicht träumen lassen, als sie 1967 dem damals 28-Jährigen die Wirtschaft nahe des Volksfestplatzes, die alte Schießstätte, zur Pacht überließ. Innerhalb weniger Jahre machte er daraus den wichtigsten Treffpunkt für die gesamte Region, aber auch für Spitzenpolitiker und Fernsehstars. Aber dazu später mehr.

Erst einmal machte sich Soika einen Namen als Sportler. Am 19. Mai 1939 in Oppeln (Oberschlesien) geboren, kam er im Januar 1945 mit seinen Eltern nach Eitting, wo er sich dem FCE anschloss und schnell zu den besten Stürmern im Landkreis zählte. „Er war für seinen Schuss gefürchtet“, erzählt seine Frau. Einmal habe er den Torwart des FC Langengeisling so hart getroffen, dass dieser ohnmächtig liegen geblieben sei. „Der Ball war hart und schwer“, habe Soika das damals erklärt. Die Freundschaft zu den Geislingern habe aber darunter nicht gelitten. „Die wollten ihn immer wieder zum FCL holen, aber der Peter ist ein Eittinger geblieben und war dort auch Spielertrainer“, sagt Helga Soika. Später wechselte ihr Mann dann zu Rot-Weiß Klettham. Wohnhaft war er ohnehin seit 1952 in Erding.

Auch die Sportart wechselte Peter Soika kurzzeitig. Gemeinsam mit seinem Bruder Horst zog es ihn nach Franken, wo er für den SC Münchberg in den Ring stieg. Während aber sein erst im Dezember 2016 verstorbener Bruder zu einem der besten Boxer Bayerns avancierte, zog er sich wieder das Fußballdress über. Seine unbändige Kraft ließ er bei einer anderen – heute ziemlich vergessenen – Sportart aus: Stoaheben. 280 Kilo wog zum Beispiel das Trumm vor dem Münchner Löwenbräukeller, das er so hoch heben konnte wie kein anderer. Fast kein anderer: „Einer war immer noch ein bisschen besser, weil er größer war – was für diesen Sport ein großer Vorteil ist“, erklärt seine Tochter.

Und sie erzählt von dem 305-Kilo-Stein, den ihr Vater vor die Diskothek Schiaßn platzierte und mit dem er seinen persönlichen Parkplatz frei hielt. „Alle jungen Männer versuchten sich daran, aber außer Papa konnte niemand den Stein heben“, sagt Caro Busch.

Und damit wären wir wieder bei jenem Haus angelangt, das Peter und Helga Soika 1967 als Wirtschaft übernahmen und 1972 zur ersten Diskothek Erdings ausbauten. „800 Gäste fanden hier Platz“, erzählt Caro Busch und schwärmt von den Disco-Nachmittagen. „Hier hat sich die Jugend aus Erding und weit darüber hinaus getroffen.“ Und nicht nur die: Franz-Josef Strauß war hier zu Gast. Thomas Gottschalk legte Platten auf. „Mittwochs war Bundeswehrtag. Da kamen die Soldaten, die in Erding auf Lehrgang waren“, erzählt Helga Soika. „Die Stadthalle gab es damals noch nicht, wir hatten den größten Saal der Stadt“, sagt sie.

„Auch alle Veranstaltungen zum Planfeststellungsverfahren für den Flughafen fanden bei uns statt.“ Und Boxkämpfe. Und Stoahebewettbewerbe. Und Tanzkurse. Und Live-Band-Auftritte. „Peter hat sich immer was einfallen lassen“, sagt seine Frau, die gemeinsam mit ihren Kindern den Laden schmiss. „In Urlaub sind wir nie gefahren“, meint Caro Busch, „aber das haben wir auch nicht vermisst.“

Die Schiaßn zog alle an – auch Rabauken und Ganoven. Aber die hatte ihr Mann immer im Griff, erzählt Helga Soika. „Wenn zwei Burschen gerauft haben, hat er sie am Krawattl gepackt und vor die Tür gesetzt.“ Einmal versuchten zwei Ganoven einzubrechen. „Als Peter sie erwischte, ist der eine sofort abgehauen“, erzählt sie. Dem anderen habe er so eine Abreibung verpasst, „dass der sich unterm Tisch verkrochen und um die Polizei gebettelt hat“. Natürlich ginge das heute nicht mehr, sagt sie, „aber das war halt eine andere Zeit“.

1987 gab Peter Soika die Schiaßn, die inzwischen „Flash“ hieß, auf. Er konzentrierte sich auf die Arbeit am Schrottplatz, und er half dem TSV Erding, dem er seit 1957 als Mitglied angehörte, und führte die Box-Abteilung. Dass er da auch eigenes Geld reinsteckte, war für seine Frau geradezu logisch. „Mit Schulden konnte er nichts anfangen. Die Boxer sollten anständig arbeiten können.“ So blühte die Boxabteilung des TSV in den 1980er Jahre nochmals auf. Weil da einer vorne stand, der auch das Ehrenamt mit vollem Herzblut ausgeführt hat. Am vergangenen Dienstag hat dieses Herz aufgehört zu schlagen.

Der Trauergottesdienst für Peter Soika findet am Mittwoch, 19. Juli, um 14 Uhr in der Gottesackerkirche St. Paul in Erding statt. Anschließend ist Urnenbeisetzung im Friedhof St. Paul.

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