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Pflegekrisendienst: Nachfrage zieht an

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Von: Hans Moritz

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Eine Versorgungslücke schließt der im Februar gestartete Pflegekrisendienst im Landkreis.
Eine Versorgungslücke schließt der im Februar gestartete Pflegekrisendienst im Landkreis. © Christoph Schmidt/dpa

Erding - Am Anfang war die Skepsis groß und die Nachfrage gering: Mittlerweile hat der Pflegekrisendienst im Landkreis Erding gut zu tun.

Es gab kritische Stimmen, doch nun gehen der Pflegekrisendienst des Landkreises und 17 von 26 Gemeinden in die erste Verlängerung – und damit ins zweite Jahr. Am 1. Februar 2021 gestartet, gab es in den ersten Monaten für Sibylle Müller vom BRK-Kreisverband Erding noch nicht allzu viel zu tun. Selbst nach vier Monaten, im Juni, gab es gerade einmal 50 Anrufe und 33 Einsätze. Doch nun steigen die Zahlen sprunghaft an.

In einigen Gemeinderäten entbrannten Debatten, ob man auch künftig einen Euro pro Einwohner für den Pflegekrisendienst zahlen solle. Doch Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) mahnte einen langen Atem an, das Angebot müsse erst publik werden.

Die nun in der Jahrespressekonferenz vorgelegten Zahlen scheinen Bayerstorfer zu bestätigen. Denn im September wurde der Krisendienst bereits 90 Mal um Hilfe ersucht, 42 Mal rückte Müller aus. Im Oktober waren es schon 115 Anfragen und 56 Einsätze und im November 132 Anrufe und 65 Einsätze – ein Plus von 100 Prozent.

Der Pflegekrisendienst rückt dann aus, wenn etwa nach einer Krankenhausentlassung die Versorgung daheim nicht sofort geregelt ist, etwa weil ein ambulanter Pflegedienst noch nicht verfügbar ist. Müller kümmert sich nicht nur um die Pflege, sondern auch darum, dass ein Krankenhausrückkehrer ganz grundsätzlich versorgt ist, etwa mit Lebensmitteln und Medikamenten. „Wir wollen damit auch verhindern, dass Menschen rasch wieder ins Krankenhaus zurückkehren müssen, weil es daheim nicht klappt“, wirbt Bayerstorfer.

Kritiker wenden allerdings auch ein, für diese Aufgabe sei doch das Entlassmanagement beziehungsweise der Sozialdienst des Klinikums zuständig. Der Landrat kontert: „Wir haben auch Entlassungen aus anderen Kliniken. Und immer wieder kommt es vor, dass sich der Bedarf erst nach der Heimkehr einstellt.“

Vom Landkreis kommen pro Jahr 40 000 Euro, dieselbe Summe, die er jahrelang an ambulante Pflegedienste ausgeschüttet hat, damit diese im Erdinger Land ein flächendeckendes Angebot schaffen. Beteiligt sind darüber hinaus diese Gemeinden: Berglern, Bockhorn, Buch, Eitting, Forstern, Fraunberg, Hohenpolding, Inning, Kirchberg, Langenpreising, Moosinning, Ottenhofen, St. Wolfgang, Steinkirchen, Taufkirchen und Wörth. Nur Bürger aus diesen Gemeinden können den Krisendienst beanspruchen – für Bayerstorfer ein weiteres Argument, „dass möglichst alle mitmachen“.

In der Pressekonferenz berichtete er, dass Oberding aussteigen werde, weil das örtliche Pflegeheim in die Bresche springen könne. Zum 1. November kam Neuching dazu. Und für 2022 kündigte Bayerstorfer zwei weitere Teilnehmerkommunen an, deren Namen er aber noch nicht nennen wollte.

In der Liste fehlt die Stadt Erding. Der Grund dafür liegt laut dem Landrat an der Gemeindeschwester, die das BRK im Haus der Begegnung in der Kreisstadt stellt und die sich unter anderem auch um solche Fälle kümmert.

„Jedes Einzelschicksal, bei dem wir helfen können, ist es wert, dass wir dieses Projekt fortführen“, bekräftigt Bayerstorfer, der zudem auf den bayernweiten Pilotcharakter des Pflegekrisendienstes verweist. Er geht davon aus, dass die anfangs schwache Nachfrage auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen war, in der deutlich weniger Menschen in den Krankenhäusern versorgt wurden.

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