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Kooperationspartner (v. l.): Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Gerhard Konrad, Dr. Elmar Gerhardinger (Ärztlicher Kreisverband), Gökhan Katipoglu (KVB), Allgemeinarzt Dr. Rainer Hart, Michael Fischer (Patientenmanagement Klinikum), Vorstände Dirk Last und Sándor Mohácsi, Susanne Schober (ÄKV) und Chefarzt Dr. Lorenz Bott-Flügel.

Gesundheit & Medizin 

Ein Pilot, der nur Gewinner kennt

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Erding – Geht es um Gesundheitspolitik, sollte man mit Wehklagen, Schuldzuweisungen und Gejammer rechnen. Nicht seitens der Patienten, sondern der Mitspieler im millionenschweren Geschäft ums körperliche und seelische Wohl. Ganz andere Töne werden am Klinikum Erding angeschlagen, wo, wie berichtet, ein bayernweites Pilotprojekt angelaufen ist.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) hat zum 1. Juli den Ärztlichen Bereitschaftsdienst vom Ärztlichen Kreisverband (ÄKV) übernommen. Herzstück ist die 2007 als zentrale Anlaufstelle im Klinikum eröffnete Bereitschaftspraxis für alle Anliegen außerhalb der Sprechzeiten. In der gelten jetzt längere Öffnungszeiten.

Die Neuerungen und erste Erfahrungen stellten Vertreter der KVB, des ÄKV und des Klinikums der Presse vor. Es herrschte Einigkeit darüber, dass man es mit einer Win-Win-Situation zu tun habe. Jetzt müssten nur noch die Kranken mitspielen.

Die Bereitschaftspraxis ist montags, dienstags und donnerstags von 18 bis 21 Uhr, mittwochs und freitags bereits ab 16 Uhr besetzt. Hinzu kommen Wochenenden und Feiertage, an denen von 9 bis 21 Uhr ein Arzt erreichbar ist.

Die Dienste teilen sich nicht mehr nur die altersbedingt immer weniger werdenden Hausärzte, die zum Teil auf 90 Sonderdienste im Jahr kamen. Laut Gökhan Katipoglu von der KVB steht in der Pilotregion Erding-Ebersberg ein Pool von 280 Ärzten unterschiedlichster Fachrichtungen zur Verfügung. Neu ist auch, dass Sitzdienste und Hausbesuche getrennt sind. Ärzte, die aufs Land müssen, können auf einen professionellen Fahrer zurückgreifen. Und in der Praxis bekommen die Ärzte Hilfe von KVB-Assistentinnen. „All das trägt zu mehr Sicherheit für alle Beteiligten bei“, freute sich Katipoglu. Außerhalb der KVB-Sprechzeiten stellt das Klinikum die Versorgung sicher.

ÄKV-Kreisvorsitzender Dr. Elmar Gerhardinger erklärte, dass die neue Regelung nach dem Umzug der Praxis ins Klinikum eine Entlastung für die niedergelassenen Ärzte seien. „Es bestand dringend Handlungsbedarf. Aktuell gibt es im Landkreis 60 Allgemeinmediziner. In ein paar Jahren wird es nur noch die Hälfte sein, weil viele Kollegen über 65 Jahre alt sind.“

Von Entlastung sprechen auch Klinikum-Vorstandschef Sándor Mohácsi und Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Gerhard Konrad – und zwar in der Notaufnahme. Die wird bekanntlich immer öfter von Patienten aufgesucht, die keine klassischen Notfälle sind.

Nicht zuletzt die Kranken profitieren nach Auffassung der Experten: Allgemeinarzt Dr. Rainer Hart und seine Kollegin Susanne Schober wiesen wie Chefarzt PD Dr. Lothar Bott-Flügel darauf hin, „dass jeder, der in Praxis oder Notaufnahme kommt, rasch von einer Fachkraft erstuntersucht wird“, so Hart. „Danach wird entschieden, wer ,nur‘ einen Hausarzt braucht, und wer in die Notaufnahme gehört.“ Triage nennt man das.

Klinik- und niedergelassene Ärzte haben festgestellt, dass die längeren Sprechzeiten angenommen werden. Laut Michael Fischer vom Patientenmanagement werden vor allem die Nachmittage genutzt. Schober berichtet, „dass da leider auch viele dabei sind, die nur zu uns kommen, weil sie keinen Hausarzt haben, oder am Wochenende Zeit haben“. Alle Beteiligten waren sich einig, „dass noch viel Aufklärungsbedarf besteht“, so Hart. Nicht jeder hartnäckige Schnupfen müsse spätabends behandelt werden.

Katipoglu sagte, für die KVB sei Erding die ideale Pilotregion: „Weil das Miteinander heute schon so gut funktioniert.“

Die KVB-Hotline lautet 116 117, der Rettungsdienst-Notruf 112. Hans Moritz

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