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So gut wie umsonst war die Arbeit in diesem Bestand nahe Wifling. Alle Eschen hier fallen aus. WBV-Chef Rainer Mehringer spricht von einem Millionenschaden. 

Pilzbefall 

Dramatisches Eschensterben

Die Katastrophe kam auf leisen Sohlen, aber dann mit voller Wucht in den Landkreis Erding: Praktisch alle Eschen sind als Totalschaden abzuschreiben. Schlimmer noch: Die kranken Bäume müssen schnellstens gefällt werden, sie stellen nämlich eine Gefahr dar.

Erding Rainer Mehringer, Vorsitzender und Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Erding (WBV), ist ob des Zustands der Eschen im Erdinger Land tief besorgt. Er spricht bereits von einem „Schaden im Millionenbereich“. Die Esche mache zwar nur einen geringen Anteil am Waldbestand aus, aber sie gelte als Wertholz. „Alles, was fest und elastisch sein muss wie Axt-, Besen-, oder Hammerstiele wird normalerweise aus Esche gemacht“, sagt Mehringer bei einem Ortstermin in Wifling (Gemeinde Wörth) der Heimatzeitung.

Es ist das Eschentriebsterben, eine Krankheit, die vom falschen weißen Stengelbecherchen, einem hochaggressiven Pilz, hervorgerufen wird. Mehringer erklärt: „Das ist ganz klar ein Globalisierungsschaden.“ Eingeschleppt wurde sie nach seinen Informationen durch die japanische Zieresche, die in Baumärkten angeboten werde. „Normalerweise befällt dieser Pilz nur totes Holz, aber hier in Europa eben auch lebendes.“

Die Bäume reagieren zunächst mit deutlich sichtbaren Veränderungen im Kronenbereich, werfen die Blätter früher ab. Der solchermaßen geschwächte Baum werde dann anfällig für eine weitere Pilzkrankheit, die den Wurzelbereich befällt. Folge: Die Bäume kippen, ihrer Wurzel beraubt, einfach um.

Weil sie aber oben schon dürr geworden sind, zerbrechen sie regelrecht, eine riesige Gefahr für Waldarbeiter: „Die treiben unten den Keil rein, die Hammerschläge erschüttern, den Stamm, dann bricht die Krone ab. Wenn die aus 15 Metern runter knallt . . .“, so Mehringer. Die Waldbesitzer haben schon vor dem Betreten der Wälder gewarnt, weil Wind die gleiche Wirkung haben könnte.

Bei Wifling hatten die Waldbesitzer vor vielen Jahren eine größere Eschenpflanzung angelegt, weil ein Fichtenbestand komplett von einem Sturm umgelegt worden war. Die Arbeit von damals war umsonst. „Da sind 90 Prozent befallen, wir sprechen dann von einem Totalschaden“, ärgert sich Mehringer.

In dem betroffenen Wald stehen noch Laubbäume, längst nicht alle sind Eschen. Zudem wurde laut Mehringer bereits nachgepflanzt, vor allem Weißtannen – alle einzeln und von Hand gegen Wildverbiss in kleine Zäunchen gepackt. „Das macht unheimlich viel Arbeit“, so der WBV-Chef.

Die Waldbesitzervereinigung bietet allen Waldbesitzern Rat und Hilfe an bei der Bewältigung des neuen Problems. Die Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft forscht seit 2007 an dieser Baumkrankheit und stellt auf ihrer Internet-Seite auch Ersatzbäume vor.

Mehringer ist mit seiner Not nicht allein: Michael Kammermeier aus dem Nachbarkreis Ebersberg berichtet von fruchtlosen Versuchen, den Pilz durch Auflichten der Bestände und damit etwas weniger Feuchtigkeit einzudämmen. Mehringer bestätigte: „Das bringt alles gar nichts. Der ist derart aggressiv, da kannst du gar nichts machen.“

Ein Unglück kommt selten allein: Mehringer zeigt, dass in die vorgeschädigten Bäume ganz schnell ein weiterer Schädling eindringt: der Eschenbastkäfer, der sich ganz ähnlich verhält wie der Borkenkäfer in Fichtenbeständen. Er gibt den Stämmen dann den Rest.

Von Klaus Kuhn

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