Warm eingepackt im kalten Turmstüberl: Türmerin Doris Bauer (l.) und Silvia Ziolkowski.
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Warm eingepackt im kalten Turmstüberl: Türmerin Doris Bauer (l.) und Silvia Ziolkowski.

Türmerin Doris Bauer appelliert an die Bürger, die kleinen Geschäfte vor Ort zu unterstützen

Plädoyer für ein buntes Erding

  • vonGerda Gebel
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Silvia Ziolkowski möchte in ihrem Podcast „Erding Heroes eine Stimme geben“. Türmerin Doris Bauer empfing sie im Stadtturm zum Interview.

Erding – Ein spartanisches Leben führten einst die Türmer hoch oben im Erdinger Stadtturm. Dort, im Turmstüberl, empfing Doris Bauer, die sich selbst als „Türmerin z’Arding“ bezeichnet, Silvia Ziolkowski zum Interview. Sie ist Zukunftsentwicklerin und möchte in ihrem Podcast „Erding Heroes eine Stimme geben“.

In dieser Video-Reihe, die seit einigen Monaten läuft, hat Ziolkowski bereits Streetart-Künstler Mr. Woodland, die Song-Poetin Samira Binder, die Macher vom Tonwerk in Dorfen, Geschäftsleute und Gastronomen befragt. Ihre Zuhörer sind eingeladen, sich von den Erdinger Helden inspirieren zu lassen, wenn diese erzählen, wie sie es geschafft haben, ihre Vision zu leben – und die Corona-Pandemie zu überleben.

Aus dem Turmstüberl in 35 Meter Höhe über den Dächern der Herzogstadt ist der letzte Türmer 1928 ausgezogen. Allerdings war die Wohnung bis 1965 bewohnt, wie Bauer berichtete. Es war ein beschwerliches Leben ohne Heizung, fließendem Wasser und Toilette.

Zu ihrem Job als Turmführerin sei sie über eine ganz normale Bewerbung gekommen, erzählt Doris Bauer, die sich als gelernte Sozialversicherungsfachangestellte zur Bilanzbuchhalterin weitergebildet hatte. Jetzt ist sie im Museum Erding angestellt. Begonnen hat sie ihre Karriere als Türmerin während ihrer Elternzeit 2008 mit den monatlichen Führungen auf den Stadtturm. Schon bald kamen neue Ideen hinzu, wie die Mondscheinführungen, die in der Bürgerschaft auf große Resonanz stießen. „Ich wollte Wissen vermitteln, aber unterhaltsam“, sagt Bauer. Es folgten Schauspielführungen in Zusammenarbeit mit der Volksspielgruppe Altenerding, aber auch Themenführungen wie die „Hereinspaziert“-Touren (wir berichteten) oder stimmungsvolle Weihnachtsführungen.

Wichtig sei es, gut vernetzt zu sein mit Gasthäusern, Geschäften und Vereinen, betont Bauer: „Die kleinen Läden machen doch unsere Stadt so bunt.“ Unter den Corona-Beschränkungen und teilweisen Zwangsschließungen leiden alle, wenn auch Click & Collect sowie Click & Meet je nach Höhe des Inzidenzwertes möglich seien. „Sie alle hoffen auf eine baldige Öffnung, sonst wird die Innenstadt nicht mehr so sein wie vorher“, warnt die Turmführerin.

Auch sie selbst hat Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Die Zeit ohne Führungen hat Bauer genutzt, um in den Sozialen Medien präsent zu bleiben. Sie dreht kleine Filme über interessante Themen aus Erding und stellt sie kostenlos ins Netz. Angesprochen wird hier ein jüngeres Publikum. Auch ihre Söhne sind davon begeistert: „Die Mama hat schon Kultstatus bei Instagram.“

Bauer appelliert an die Erdinger, sich bewusst zu machen, wie schön wir es hier haben und wie gut es uns hier geht. „Jeder kann dazu beitragen, dass unsere schöne Stadt erhalten bleibt – indem er die kleinen Einzelhändler unterstützt, die tollen Museen besucht und die vielen Angebote vor Ort nutzt.“

Was sie sich für Erding wünscht? Doris Bauer sehnt das Ende des Lockdowns herbei, damit die Menschen wieder freudiger werden und fröhlich durch die Stadt gehen.

Gerda Gebel

Internet

Die Podcasts von Silvia Ziolkowski („Erding Heroes eine Stimme geben“) findet man über einen Link auf der Internetseite www.silvia-ziolkowski.de.

Infos zur Türmerin und ihre Filme gibt es auf www.erding-tower-tours.de.

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