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Plastik oder Glas? Diese Frage wird in Zeiten gestiegenen Umweltbewusstseins auch in den Erdinger Getränkemärkten verstärkt diskutiert.

Plastikgebinde zunehmend unbeliebt, die Händler wollen aber noch nicht ganz verzichten

Die Renaissance der Glasflasche

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Der Stuttgarter Getränkehändler Hans-Peter Kastner hat Plastikflaschen komplett aus seinem Markt verbannt. Denn er hat genug von der Plastikflut. Außerdem ärgerte er sich immer wieder über Kunden, die ihre PET-Flaschen von Lidl oder Kaufland bei ihm abgegeben und ihr Pfand zurückgefordert haben.

Erding   Damit ist jetzt Schluss: Kastner verkauft ab August keine Pflastikflaschen mehr. Deshalb darf dann auch niemand mehr Pfand für diese Flaschen einfordern. Das ist gesetzlich so geregelt. Die Folge: weniger Entsorgungsarbeit, weniger Plastik.

Könnten sich Erdinger Getränkemarkthändler ein so rigoroses Vorgehen gegen das Einwegpfand auch vorstellen? Franz Weber, Leiter der Orterer Getränkemärkte in Bergham, sagt: „Das ist schwierig, da müsste man auf viel Umsatz verzichten.“ Denn nach wie vor verkaufe er Red Bull vor allem in Einwegdosen, und einige Kunden bevorzugen Wasser aus Plastik-Sixpacks. Gleichzeitig hat er in den vergangenen Jahren festgestellt: „Es hat sich schon was verändert. Es werden wieder mehr Glasflaschen gekauft.“ Vermutlich wegen der Umwelt und des Geschmacks: „Aus der Glasflasche schmeckt das Wasser einfach besser“, so Weber.

Außerdem sei die Pfandabgabe leichter, weil Kunden nicht jede Plastikflasche einzeln eintüten müssten, sondern den Kasten mit Glasflaschen einfach abgeben könnten. Aber nicht jeder möchte auf Glas umstellen, sagt Weber. „Wer auf den Aufzug angewiesen ist, muss da natürlich ein bisschen mehr schleppen.“ Sein Fazit: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man bald ganz auf Plastikflaschen und Einweg-Pfand-Systeme verzichtet.“ Schließlich gebe es da zum Beispiel die RedBull-Dose, die zum Lifestyle gehöre: „Den Ergydrink wird es wohl nie in einer 0,5 Liter-Glasflasche geben“, vermutet er.

Es werde wohl noch dauern, bis PET-Flaschen ganz aus den Getränkemärkten verschwinden, sagt auch Alexander Eichstädter. Er arbeitet im „Getränke City XXL“ in Erding. Aber seine Hoffnung bleibt: „Dass die Leute irgendwann aufwachen und keine Einwegflaschen mehr kaufen. Ich bin da ein Verfechter davon.“ denn: „Plastik ist schlecht für die Umwelt, es gelangt in de Meere und die Fische sterben dadurch.“

Trotzdem gebe es noch einige Kunden, die ihre kleine Cola in der Einwegflasche kaufen. „Denn die gibt es gar nicht in Glas.“ Dann seien da noch die Sportler: „Sie kaufen ihr Volvic-Wasser oder ihre Isodrinks auch eher in Plastikflaschen, weil sie leichter für die Sporttasche sind.“

Bei Eichstädter geben Kunden auch ihre Pflastikflaschen ab, aber: „Das ist kein großer Arbeitsaufwand. Denn wir haben einen Automaten und müssen nicht jede Flasche einzeln zählen.“ Der Stuttgarter Getränkehändler Kastner hingegen sah die Pfandannahme von Fremdflaschen als großen Arbeitsaufwand: Deshalb veröffentlichte er ein Foto auf Facebook mit über 10 000 Einweg-Plastikflaschen, die Kunden innerhalb von zwei Wochen bei ihm abgegeben hatten.

Seine Entscheidung, nur noch Glasflaschen zu verkaufen, tragen bislang viele seiner Kunden mit. Und hier? Anton Schisler, Leiter des Hausler Getränkemarktes in Erding, ist überzeugt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Plastikflaschen komplett rausnehme, da müsste schon ein großes Umdenken in der Gesellschaft stattfinden.“ Vor allem Schulen und Krankenhäuser würden wegen der Verletzungsgefahr bislang vor allem auf die Flaschen aus PET setzen, genauso ältere Leute, die nicht mehr so schwer schleppen können.

Gleichzeitig sagt er aber auch: „Würde man gezwungen, auf Glas umzustellen, würde es wohl schon gehen.“

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