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Hohes fachliches Niveau: Unter der Leitung von Moderator Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger (M.), debattierten (v. l.) Christian Mirz, Christian Leeb, Max Gotz und Christian Rank.

Podiumsdiskussion

Hochwasserschutz – ein zähes Geschäft

Die Dauer von Verfahren, ihre Komplexität, eine „Zeitbombe“ in den Alpen und schlecht geräumte Gräben – die Podiumsdiskussion zum Hochwaserschutztag hatte es in sicht.

Erding – Der Hochwasserschutz für Erding geht langsam voran. Das beklagte OB Max Gotz bei der Podiumsdiskussion zum Start des ersten bayerischen Hochwasserschutztages am Samstag in der Stadthalle. „Wir brauchen deutlich mehr Planungskraft“, forderte Gotz. Es könne nicht angehen, dass ein Planfeststellungsverfahren für Hochwasserschutzmaßnahmen 20 Jahre dauere. „Das wird nicht mehr verstanden.“

Die Kreisstadt steckt mitten in einem solchen Verfahren. Das dafür geplante Rückhaltebecken auf dem Gebiet der Gemeinde Wörth führt dort zu wütenden Protesten.

Christian Leeb war da weniger forsch. „Akzeptanz erreichen wir nur durch Transparenz“, warnte der Leiter des Wasserwirtschaftsamts München. „Da müssen wir gründlich arbeiten.“ Ein derart komplexes Modell durchzurechnen, wie es für die Planung von Hochwasserschutzmaßnahmen nötig sei, dauere zwei Jahre. Ein weiteres halbes Jahr brauche die europaweite Ausschreibung. Beim Bürger könne der Eindruck entstehen, es passiere nichts. Immerhin: Am 23. April hoffe er, mehrere Planungsvarianten für Erding vorlegen zu können, kündigte Leeb an.

Gotz nahm wiederum die Politik gegen den Vorwurf der Untätigkeit in Schutz. Tue sie etwas, habe sie es oft genug mit „einer Armada von Juristen“ zu tun. Christian Mirz vom Europaverband Hochwasserschutz war das alles zu wenig. Er forderte ein Umdenken hin zu mehr Prävention, was Gotz aber so nicht stehen lassen wollte. Die Stadt und Hilfsorganisationen seien sehr wohl tätig. Für jeden Bedarf gebe es inzwischen maßgeschneiderte Lösungen, um einzelne Objekte wirksam zu schützen, ergänzte Christian Rank als Vertreter eines Herstellers von Hochwasserschutz-Systemen. Tatsächlich zeigte die Ausstellung in der Stadthalle etliche Beispiele.

Aus dem Publikum stach ein Beitrag heraus. Der Metereologe Michael Sachweh aus Erding warnte, dass in den Alpen viel Schnee liege. „Das ist eine tickende Zeitbombe“, sagte er.

Diskutiert wurde auch über die ungenügende Räumung von Gräben und Bachläufen. Das ist aber nötig, damit Hochwasser abfließen kann. „Die Bachläufe gehören mal wieder ausgekehrt“, verlangte Arnold Kronseder aus Erding vom Chef des Wasserwirtschaftsamts. Es müsse einen Kompromiss zwischen Naturschutzbelangen und der Fließkapazität geben, antwortete Leeb. Dort, wo es notwendig sei, werde auch „Sediment entnommen“. Zufrieden war der Hochwasserreferent der Stadt, Burkhard Köppen, damit nicht. Die Kapazität der Sempt-Flutmulde bei Eitting sei einfach viel zu schnell erschöpft, sodass Wasser über die Kreisstraße ED 19 laufe. Kronseder rechnete vor, dass in seinem Bereich seit 20 Jahren ein Ausräumen der Gewässer nicht mehr stattfinde. Das könne nicht ohne Auswirkungen auf die Leistung der Gewässer im Hochwasserschutz bleiben.

Klaus Kuhn

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