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Begeistert zeigten sich die Veranstalter von „Fee“.

Poetry Slam in der Stadthalle 

Ein Feuerwerk der Sprache

 Erding – Durchweg talentiert waren die acht Poeten, die sich beim Poetry Slam in der Stadthalle miteinander maßen. Am Ende gewann Dominik.

Es sollte ein sprachliches Feuerwerk werden, das die zwei jungen Frauen und ihre sechs männlichen Mitbewerber beim Poetry Slam im fast vollen Kleinen Saal der Stadthalle boten. Die meisten der Schnellsprech-Künstler, die jeweils maximal sechs Minuten für ihren Vortrag hatten, kamen aus dem Großraum München.

„Fee“ begann, dozierte über die Möglichkeit, was sich in der Gesellschaft wohl ändern würde, „wenn Schlau das neue Schön wäre“. Professoren bekämen dann eher einen Platz in der U-Bahn angeboten als Senioren, 14-Jährige würden auf einmal damit prahlen, den Philosophen Kant zum Hobby zu haben. Doch derzeit zähle wohl noch mehr, hübsch zu sein, meinte sie und verwies auf ihre Oberweite.

Jaromir, ein Tscheche, verführte eine Chinesin, die am Bahnhof gefüllte Krapfen verkauft, zu Worten mit vielen „R“, konnte ihr am Ende sogar das Wort Rhabarber abringen. Darryl, ganz ohne Notizen, plädierte dafür, sich selbst im Leben nicht zu vergessen: „Ihr habt zwei Herzkammern – eine für euch, eine für andere.“

Und Bert feuerte Wort-Salven in die Menge – über Schlauchboote im Mittelmeer, Vinyl-Schallplatten und Biokost. Eva sinnierte auf einer Bank, morgens um fünf Uhr, wer wohl die ins Holz geritzten Kalle und Susanne sein mochten. Bis ein alter Mann sie aus ihren Variationsfantasien riss, ihr ein Bild seiner toten Frau zeigte, von Susanne eben.

Alex brach einen Kampf gegen die Unverbindlichkeit vom Zaun, schilderte die Versuche, die Liebe seines Herzens gegen andere zu immunisieren, ihr Alternativen zu entreißen: „Ich bin mit ihr durch einsame Straßen gegangen, damit sie nicht andere Männer sieht.“

Dominik ließ sich über die Tücken des Alltags aus, sprach über Kleingeld suchende Rentner an der Supermarktkasse ebenso wie über Zebras, die nicht wissen, woher ihre Streifen kommen, und sah ein, dass Drohbriefe mit Schreibfehlern keiner ernst nimmt.

Schließlich Zita: Er plädierte für weniger Gleichgültigkeit und fand es bedenklich, dass sich „viele mehr Gedanken machen über ein Geschenk zum Muttertag als über Tote in Aleppo“.

Bert, Dominik und Eva kamen schließlich ins Finale, in dem Dominik mit seinem „Schweigefuchs“ gewann. Er darf nun am 4. März 2017, wenn der Deutsche Poetry-Slam-Champion Jan Philipp Zymny in die Stadthalle kommt, im Vorprogramm auftreten. Alle anderen bekamen vom Veranstalter Trostpreise in Form alkoholischer Getränke, auch Sylvia Frey. Sie hatte mit Bernd May für musikalische Akzente gesorgt und war zu Beginn „schrecklich aufgeregt“.

Friedbert Holz

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