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Alle zu Hause: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im ersten Corona-Jahr zurückgegangen. 

Zahl der Straftaten hat im vergangenen Jahr im Kreis Erding deutlich zugenommen

Kriminalität von Lockdown unbeeindruckt

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Obwohl Ausgangssperren galten, die Menschen so viel zu Hause waren, wie noch nie, hat die Kriminalität im ersten Corona-Jahr im Landkreis Erding zugenommen – und zwar mit 7,4 Prozent deutlich.

Erding/Ingolstadt – Das geht aus der Sicherheitsbilanz vor, die Günther Gietl, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord, am Dienstag in Ingolstadt vorgestellt hat.

Im Landkreis wurden im abgelaufenen Jahr 4360 Straftaten begangen, statistisch zwölf pro Tag. Die Aufklärungsquote betrug 70,9 Prozent, etwas besser als im gesamten Präsidialbereich mit 70,2 Prozent.

Die Erdinger Sicherheitslage ist insoweit brisant, als die Zahl der Straftaten im Gesamtbereich des Präsidiums leicht abgenommen hat (minus 0,1 Prozent). Auch in den Nachbarlandkreises Ebersberg (- 0,7 %) und Freising
(- 1,1 %) ist die Kriminalität rückläufig. Höher ist der Anstieg nur in Landsberg (+ 23,3 %) und Starnberg (+ 11,5 %). Im Fünfseenland gibt es aber, anders als in Erding, ein signifikantes Einzelereignis – rund 700 Paketdiebstähle.

Der Flughafen hat sich nicht als Treiber erwiesen. Die dortige Polizei bekam 29 Prozent weniger Fälle auf den Tisch (4992 Delikte/Aufklärungsquote: 93,4 %). Das dürfte dem Lockdown und dem Zusammenbruch des Luftverkehrs seit März 2020 geschuldet sein.

In welchen Bereichen die Kriminalität im Erdinger Land zugenommen hat, konnte das Präsidium noch nicht mitteilen. Insgesamt gilt, dass ein Schwerpunkt der Ermittlungstätigkeit in der Überwachung der Corona-Verbote lag, eine ganz neue Deliktgruppe wie Verstöße gegen die Ausgangssperre, das Verbot, sich in Gruppen zu treffen, und nachts ohne triftigen Grund unterwegs zu sein.

Diese Trends weist die Kriminalstatistik auf: Bei den Rohheits- und Raubdelikten gibt es einen signifikanten Rückgang. Dasselbe gilt für Einbrüche. Nach jahrelangem Anstieg seit der Flüchtlingswelle 2015 sind die von Migranten begangenen Straftaten zurückgegangen, Gleiches trifft auch auf Taten in Asylunterkünften zu.

Auffällig ist die Zunahme bei den Sexualstraftaten. Dabei sind es oft nicht die körperlichen Übergriffe, sondern das Versenden pornografischer Bilder und Videos in Messengerdiensten wie WhatsApp. Das wird mittlerweile als Straftat verfolgt.

Im Wachsen begriffen sind auch so genannte Callcenter-Betrugsphänomen. Darunter fallen falsche Polizeibeamte, die bevorzugt Rentner aufsuchen, um sie um ihr Erspartes zu bringen sowie Fake-Telekom- oder Microsoft-Mitarbeiter, die sensible Computerdaten abgreifen wollen. Die Täter traten im Landkreis Erding verstärkt auf. Gietl berichtet, dass man deswegen auch die Präventionskampagne „Leg auf!“ gestartet habe.

Grundsätzlich, so der Präsident, sei die Kriminalität im Vorjahr zurückgegangen und auf das niedrigste Niveau seit 2011 gesunken. Gleichzeitig erreichte die Aufklärungsquote einen neuen Zehn-Jahres-Höchststand. Im Landkreis Erding kamen auf 100 000 Einwohner 3092 Vergehen (Präsidium: 3563).

Die Unfallzahlen waren 2020 übrigens stark gesunken (wir berichteten).

ham

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