An der Gefahrenstelle: Horst Weise wünscht sich einen Fahrradstreifen entlang der Münchener Straße, vom Gewerbegebiet kommend. Er kritisiert, dass es die Radler in Erding immer schwerer haben.
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An der Gefahrenstelle: Horst Weise wü nscht sich einen Fahrradstreifen entlang der Münchener Straße, vom Gewerbegebiet kommend. Er kritisiert, dass es die Radler in Erding immer schwerer haben.

Debatte über Radlersicherheit

Polizei: Meistens sind Radler an Unfällen selbst schuld

  • Anna Schwarz
    vonAnna Schwarz
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Die Zahl der Fahrradunfälle steigt stark an – auch in Erding. Laut Polizei sind die Radler meist selbst schuld. Horst Weise, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, sieht das ganz anders.

Erding – Horst Weise liebt das Radeln, aber für ihn wird es in Erding immer gefährlicher: „2016 wurde ich zweimal vom Radl runtergefahren“, erzählt der 71-Jährige: „Es eskaliert bei uns.“ Auch eine SPD-Anfrage an den Landtag zeigt: Im vergangenen Jahr gab es in Bayern so viele Unfälle mit Radfahrern wie noch nie zuvor. Auch in Erding ist die Zahl der Radunfälle gestiegen. 2013 waren es noch 67, vier Jahre später bereits zehn mehr: 77.

Bayernweit passieren vor allem mehr Unfälle mit Pedelecs und Elektrorädern. Das sei in Erding bisher nicht das Problem: „2017 hatten wir zwei davon“, berichtet der Erdinger Polizeidienststellenleiter Anton Altmann. „Bei 55 der insgesamt 77 Unfälle in Erding waren die Radfahrer schuld“, die meisten Unfälle passierten beim Abbiegen oder seien Vorfahrtsunfälle, sagt er und: „Bei 31 Unfällen waren die Radler sogar allein beteiligt.“ Diese Unfälle passieren zum Beispiel, wenn Radler gegen den Randstein fahren und stürzen – oder vom Radweg einfach auf die Fahrbahn wechseln.

Gefährliches Pflaster für Radler

Weise ist Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Erding gesteht das zunächst ein: „Natürlich gibt es Radler, die dahinheizen und auf einmal auf der Straße auftauchen“, aber: „Als Radler sind wir einfach schutzlos.“ Ein Beispiel: Die Strecke an der Alten Römerstraße Richtung Langengeisling. Sie sei für Radler ein gefährliches Pflaster, dort gebe es zwar einen Fahrradstreifen: „Aber die Autofahrer halten die ein bis 1,50 Meter Abstand vom Lenkrad bis zum Radler nicht ein.“

Eine weitere Gefahrenstelle sei die Münchener Straße, vom Gewerbegebiet kommend Richtung Stadtkern. „Dort hört der Radweg auf einmal auf“, sagt Weise: „Und die Radler müssen entweder auf die Straße wechseln oder fahren verbotenerweise auf dem Gehweg weiter.“ Die Lösung aus seiner Sicht? Ein Fahrradstreifen entlang der Münchener Straße.

Außerdem kritisiert Weise die hohen Kanten von zwei bis drei Zentimetern bei einigen Einmündungen entlang der Münchener Straße. „Ich fordere da eine Nullabsenkung.“ Immer wieder würden dort Senioren stürzen und: „Manche hören dann das Radeln auf und steigen wieder aufs Auto um.“ Manchmal seien aber die älteren Radfahrer selbst das Problem, sagt Polizeidienststellenleiter Altmann. Er nennt Gründe, warum Unfälle grundsätzlich passieren: „Man ist unaufmerksam oder die körperlichen Fähigkeiten nehmen ab.“ Er hat einen Tipp für Senioren auf dem Drahtesel: „Wenn man das Gefühl hat, man kann nicht mehr Radfahren, dann wird es höchste Zeit aufzuhören.“

Doch obwohl die Unfallzahlen mit Radlern in den vergangenen vier Jahren gestiegen sind, sieht Altmann keinen Bedarf, die Radler in der Stadt mehr zu schützen: „Es gibt immer mehr Fahrradverkehr und Autos in Erding, dann ist es doch klar, dass auch mehr Unfälle mit Radlern passieren.“ Weise sieht das anders: „Wir sollten Fahrradpolizisten wie in Berlin und Köln einsetzen, das würde die Situation sehr entschärfen.“ Aber da habe ihm Altmann schon einmal versichert, dass er dafür keine Leute habe.

Außerdem kritisiert Weise, dass Autofahrer oftmals zu sehr im Stress sind: „Die stehen dann im Stau und schauen, dass sie es später wieder reinholen und vergessen dann zum Beispiel den Schulterblick.“ Das hat Weise schon selbst erlebt: Im August 2016 hat ihn eine Autofahrerin beim Linksabbiegen am Jugendhaus an der Dorfener Straße übersehen. Er landete danach im Krankenhaus.

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