„Halt, Polizei!“ Dieser Aufruf hatte für zwei Männer gravierende Folgen. Sie mussten sich vor Gericht verantworten – ebenso die Polizisten. Doch Justitia zeigte sich gnädig mit den Streithanseln. Symbolfoto:_ dpa

Vor Gericht 

Polizeikontrolle eskaliert: Blut fließt

Erding/Finsing – Völlig aus dem Ruder gelaufen ist im August vorigen Jahres eine Polizeikontrolle im südlichen Landkreis. Die zwei Männer, die die Aktion angezettelt hatten, standen jetzt vor Gericht – und kamen glimpflich davon.

Die Frage nach dem Warum blieb ungeklärt. Bei einer Verkehrskontrolle Ende August 2015, die zwei 36 und 46 Jahre alte Männer provoziert hatten, floss am Ende sogar Blut.

Die Finsinger waren an besagtem Tag Gäste auf einer Party. Zu der wurde zu vorgerückter Stunde die Polizei gerufen – wegen Ruhestörung. Während die Beamten noch warteten, ob es ruhig bleibt, fuhren die beiden Finsinger in einem älteren Fahrzeug davon. Der Jüngere rief den Beamten noch zu: „Habt ihr nichts Besseres zu tun, als die Leute zu schikanieren.“

Die Streife nahm es gelassen und musste ohnehin zu einem weiteren Einsatz. Dort sahen sie die beiden Angeklagten. Deren Weg führte zu einer Tankstelle, wo sich der 36-jährige Beifahrer eine Dose Whiskey-Cola genehmigte. „Zwecks der Gaudi“, lautete seine Begründung. Danach fuhren sie zum vorangegangenen Einsatzort der Polizei.

Der Alarm war schon erledigt, die Streife harrte aber noch in einer Parkbucht. Als die Finsinger vorbei fuhren, hängte sich die Polizei dran. Ihr Verdacht: Hier könnte Alkohol im Spiel sein. Für diese Sicht sprach, dass die Whiskey-Cola-Dose halbvoll aus dem Auto flog.

Der Wagen wurde mit Hilfe einer zweiten Streife gestoppt. Dann wurde die Stimmung giftig. Der Fahrer verweigerte die Alkoholkontrolle, angestachelt von seinem Spezl, der riet, „da nicht mitzumachen“. Der 46-Jährige wollte nach Hause gehen, drehte sich auf Zuruf aber noch einmal um. Die Polizisten drohten ihm an, die Blutentnahme notfalls auch unter Zwang vorzunehmen. Zudem wehrte er sich gegen die Aufforderung, zur Kontrolle die Hände aufs Wagendach zu legen. Stattdessen unternahm er den zweiten Versuch, davonzukommen. Daraufhin wurde er von den Beamten rüde gestoppt, zu Boden gebracht und mit Handschellen gefesselt. Dabei zog sich der Finsinger Schürfwunden, eine Platzwunde im Gesicht sowie eine Verletzung des Ellenbogens zu. Er wurde 14 Tage krankgeschrieben.

Auch ein Polizist erlitt Schürfwunden und eine Prellung am Ellenbogen, relativierte diese aber vor Gericht als lapidar. Nicht der Angeklagte habe sie ihm zugefügt, sie seien während des Gerangels entstanden.

Die Blutalkoholkontrolle beim 46-Jährigen ergab 0,0 Promille und warf die Frage auf, wieso sich der Fahrer gegen eine simple Atemalkoholkontrolle gewehrt hatte.

Die Beleidigungen seitens des Beifahrers „seien allein noch kein Grund für eine Anzeige gewesen“, erklärte Richter Andreas Wassermann. Das Verfahren gegen den 36-Jährigen – wie der Mitangeklagte ohne Vorstrafen – wurde gegen eine Geldauflage von 600 Euro zugunsten des Bundes gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr eingestellt.

Auch für den Fahrer ging es glimpflich aus. Er wurde für den Bewährungszeitraum von einem Jahr zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen je 40 Euro verwarnt. Für die „Einstellung durch die Hintertür“ müssen als Geldauflage 1200 Euro, ebenfalls an den Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr, gezahlt werden.

Das Verfahren gegen die Polizeibeamten wegen Körperverletzung im Amt wurde bereits eingestellt. Richter Wassermann resümierte jedoch, dass er „insgesamt schon den Eindruck hatte, dass die Beamten alles andere als behutsam mit dem Angeklagten umgegangen sind“.

Gert Seidel

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