Am Kronthaler Weiher

Vor Polizistin: Exhibitionist spielt an sich rum

Erding - Ausgerechnet in der Nähe einer Polizeibeamtin ließ ein 51-jähriger Nackedei am Kronthaler Weiher seiner Erregung freien Lauf. Vor dem Amtsgericht wurde er dafür zu 50 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt.

 In der Verhandlung gab der Erdinger nur vage Auskünfte zu seiner exhibitionistischen Handlung. Es war der letzte wirkliche Sommertag des vergangenen Jahres, an dem es den Arbeitslosen wie schon in den Wochen zuvor an den Kronthaler Weiher zog. Sein Badeverhalten war dabei aber eher merkwürdig. Auf ein Handtuch verzichtete er, lag mal hier, mal da, so lange, bis er des Interesses der Ameisen überdrüssig war. Zwischendurch ging er ins Wasser.

So auch am 31. August, als er sich, wie Gott ihn erschuf, an einer vermeintlich stillen Ecke dem kühlen Nass erlaubte, ihn bis in Wadenhöhe zu erfrischen. Einer Polizeibeamtin, die ganz in der Nähe zum Schwimmen ging, fiel zunächst nichts auf, bis der Angeklagte an seinem Glied „manipulierte“, so der Staatsanwalt. „Mit der linken Hand herumgespielt“, nannte das die Zeugin, die sicher war, dass der Angeklagte sie dabei im Blick behalten habe und sogar noch ein paar Schritte weiter ins Wasser gegangen sei. Auch glaube sie, dass sein Glied erigiert war. „Kann sein, dass ich mich da berührte“, so der Angeklagte, „aber onaniert habe ich nicht“. Im Gegenteil: Er habe zur Erfrischung eine ruhige Stelle gesucht, und nur in der Ferne seien ein paar Schwimmer zu sehen gewesen.

Die Beamtin ging zur Wasserwacht, die die Polizei alarmierte. Der Weiher wurde abgesucht, und prompt entdeckte man am Ufer einen Mann, der sich mit heruntergelassener an seinem Stolz zu schaffen machte. Einerseits konnte er bis auf eine durchaus vorhandene Korpulenz nicht weiter identifiziert werden, anderseits könnte es auch durchaus sein, „dass da jemand nur ins Wasser gebieselt hat“, sagte ein als Zeuge geladener Polizist.

Die Wasserwacht fand niemanden mehr vor. Der Angeklagte wurde erst erwischt, als er sich mit dem Radl, vollständig angezogen, auf den Heimweg machen wollte. Seine Einlassungen zum Tatvorwurf waren bescheidener Natur. Er beharrte darauf, dass er wirklich nur habe Baden gehen wollen, außerdem sei er Rechtshänder. Zur Zeugin sagte er: „Sie haben mein Gesicht nicht gesehen, Sie haben nur mein Geschlechtsteil angeschaut.“

Jedenfalls passte alles zu seinem illustren Lebenslauf. Nach einer abgebrochenen Lehre für den Post-Innendienst („Das hat mir keinen Spaß gemacht.“) packte ihn die Abenteuerlust, und er trieb sich 20 Jahre in Europa herum. Eine Frau heiratete er zwei Wochen, nachdem er sie kennengelernt hatte. Kinder hat er nicht, jedenfalls keine geborenen. „Ich habe schon mit mehreren Frauen Abtreibungen gehabt“, sagte er.

Zwar mangelt es ihm an Vorstrafen, aber seine Badegewohnheiten erschienen dem Gericht dennoch befremdlich. Richterin Sabine Schmaunz befand den Erdinger der exhibitionistischen Handlung schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe über 50 Tagessätze zu je 15 Euro. „Ich zahl’s“, so sein Kommentar, „nur würde ich vorschlagen: erst einmal eine Rate und den Rest später“.

von Gert Seidel

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