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Schwerelos in den Tiefen des Ozeans: Antero Joki (M.) beim Apnoetauchen.

Porträt: Apnoetaucher Antero Joki (51) 

Der Mann mit dem ganz langen Atem

„Ich bin über 50, habe Bauch, bin Asthmatiker und habe geraucht“, sagt Antero Joki lachend. Und trotzdem taucht er in Tiefen bis zu 73 Meter – und das ohne Atemgerät. Der 51-jährige gebürtige Finne hat ein ganz besonderes Hobby: Er ist Apnoetaucher.

Erding– Mit nur einem Atemzug in die Tiefen des Ozeans tauchen, frei wie ein Fisch unter Wasser schwimmen – das ist Apnoetauchen. Einer, der das in Perfektion beherrscht, ist der 51-jährige Antero Joki, der hauptberuflich als Rettungsschwimmer in der Therme Erding arbeitet. „Beim Apnoetauchen, auch Freediving oder Freitauchen genannt, geht es einfach gesagt darum, unter Wasser die Luft anzuhalten. Es ist mehr Meditation als Sport“, erklärt Joki, der selbst auch Trainer für Apnoetauchen ist.

Der Sportler muss lernen, sich frei zu machen und sich vollständig auf seinen Körper zu konzentrieren. Nur dann sei es möglich, die Luft ohne Sauerstoffmaske bis zu zehn Minuten anzuhalten oder in Tiefen bis zu 80 Meter zu tauchen. Antero Joki widmet einen Großteil seines Lebens dem Apnoetauchen. Er ist Inhaber des Apnea College Bayern und bildet zudem Trainer für den AIDA Deutschland e.V. aus, einen Verein zur Förderung des Apnoesports.

Aufgewachsen ist der 51-Jährige im finnischen Lahti, kam erst 2014 der Liebe wegen nach Deutschland und wohnt derzeit in München. Schon als kleines Kind unternahm er im Sommer erste Tauchversuche. „Wirklich gut im Schwimmen war ich aber eigentlich nie“, erzählt der Finne lachend. Trotzdem ließ ihn die Begeisterung für das Element Wasser nicht los.

Apnoetaucher Antero Joki an seinem Arbeitsplatz: der 51-Jährige ist Rettungsschwimmer in der Therme Erding.

Joki fasziniert vor allem das Gefühl, im Wasser schweben und sich völlig frei bewegen zu können. Die Tieftauch-Disziplinen mag er am liebsten. Dabei muss der Sportler mit oder ohne Flossen an einem Führungsseil so tief wie möglich nach unten tauchen. In der Disziplin mit Flossen („constant weight“, kurz CWT) liegt Jokis Bestwert bei 100 Metern, ohne Flossen („constant weight no fins“, CNF) bei 73 Metern Tiefe. Und in der Disziplin „static“ – dabei hält der Taucher so lange wie möglich die Luft an – schaffte er es auf 7:23 Minuten.

Der schönste Platz, an dem er bis jetzt getaucht ist, sei Dean’s Blue Hole auf den Bahamas. Dort gibt es Wasserlöcher, die bis zu 200 Meter in die Tiefe gehen – ein Mekka für Apnoetaucher.

Am Anfang hätte Joki nicht gedacht, jemals bei Wettkämpfen zu tauchen. „Apnoetauchen ist ein Hobby, es soll hauptsächlich Spaß machen“, erklärt der Finne. Zu seinem ersten Wettkampf überredeten ihn seine Freunde. Dort wurde Joki sofort von der guten Laune der Teilnehmer angesteckt und freute sich, viele neue Leute kennenzulernen. Damit es bei Wettkämpfen gut läuft, versucht der 51-Jährige, sich keine neuen Bestzeiten in den Kopf zu setzen, denn ohne Erwartungen fielen die Ergebnisse meistens besser aus, erzählt er.

Grundsätzlich könne jeder, der gesund ist, Apnoetauchen betreiben. Allerdings sollte das Training unter professioneller Aufsicht stattfinden. „Wie bei jeder Sportart kann immer etwas passieren“, erklärt Joki. Man müsse lernen, auf seinen Körper zu hören und dessen Grenzen zu beachten. Freilich benötige man neben einer gewissen Entschlossenheit auch die richtige Technik für den Druckausgleich unter Wasser oder die Schwimmbewegungen. „Hat man die einmal verinnerlicht, ist es wie Fahrradfahren. Das verlernt man sein ganzes Leben nicht mehr“, erklärt der Taucher.

Für nächstes Jahr hat sich Joki ein ganz besonderes Ziel gesetzt: Er möchte beweisen, dass das Alter beim Apnoetauchen keine Rolle spielt, und ohne Flossen die 80-Meter-Marke knacken – und das mit dann 52 Jahren. Diese Tiefe ist bis jetzt nur neun anderen Sportlern gelungen. Joki fehlen dazu noch sieben Meter von seinem aktuellen Bestwert.

Um sich diesen langjährigen Traum zu erfüllen, bestreitet der Finne in diesem Jahr nur wenige Wettkämpfe. Für sein Training im Sommer nutzt er den Starnberger See, zusätzlich macht er regelmäßig Krafttraining.

„Es ist my way of life“

Im Winter geht er lieber im Schwimmbecken auf Tauchgang und trainiert für die Disziplinen „dynamic“ (DYN) und „dynamic no fins“ (DNF). Dabei muss unter Wasser, mit oder ohne Flossen, eine möglichst lange Strecke mit nur einem Atemzug zurückgelegt werden.

Seit 16 Jahren widmet sich Joki schon dem Apnoetauchen. Er hat an 14 Weltmeisterschaften teilgenommen und drei finnische Rekorde ertaucht. Für Joki ist alles, was mit Freediving zu tun hat, großer Spaß: „Es ist my way of life“, erklärt er schmunzelnd.  

Weitere Informationen

zu Antero Joki und dem Apnoetauchen gibt’s auf www.ot-freediving.com.

Hannah Wolf

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