Eine Frau sitzt mit einem Laptop an einem Tisch im Homeoffice
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Notfalls erledigen die Elftklässler der FOS Erding zuhause Ersatzaufgaben, wenn ihr Praktikumsbetrieb sie wegen Kurzarbeit oder Lockdown ins Homeoffice schicken muss. (Symbolbild)

FOS Erding: Fachpraktische Ausbildung geht auch in Corona-Zeiten weiter

Praktikum in Pandemie-Zeiten: Notfalls im Homeoffice

In einen Beruf hineinschnuppern, das geht am besten durch ein Praktikum. Wegen der Corona-Pandemie ist das im Moment aber schwierig. An der Fachoberschule (FOS) gehört in der elften Jahrgangsstufe die fachpraktische Ausbildung jedoch dazu. Wie geht das in Zeiten von Lockdown & Co.?

Erding – Zentrale Merkmale an der Fachoberschule (FOS) Erding sind berufliche Orientierung, Profilbildung sowie Verknüpfung von Theorie und Praxis. Oft haben Schüler noch keine Vorstellungen über ihre berufliche Zukunft. Das verpflichtende Praktikum in der elften Jahrgangsstufe soll ihnen deshalb einen Einblick in das gewählte Profil ermöglichen. Die Schüler verbringen die Hälfte des Schuljahres im Praktikum. Unterricht und fachpraktische Ausbildung wechseln sich im 14-tägigen Rhythmus ab.

Lehrer Johannes Floßmann ist Praktikumsbeauftragter der FOS und berichtet, dass viele Schüler gern ins Praktikum gehen: „Einige machen nach der FOS sogar eine Ausbildung oder ein duales Studium in ihrem ehemaligen Praktikumsbetrieb.“ Andere wüssten dann wiederum, dass diese Branche nicht zu ihnen passe. Es helfe ihnen, sich über ihre berufliche Zukunft im Klaren zu werden. Ein wichtiger Bestandteil der Berufsfindung also.

Alle 308 Schüler sind in 161 Praktikumsbetrieben untergebracht

Doch die Lockdowns erschwerten den Schülern die Suche nach einem passenden Betrieb. „Wir versuchen bestmöglichst zu unterstützen und zu vermitteln“, erklärt Floßmann. Mit Erfolg: Derzeit seien alle 308 Schüler in insgesamt 161 Praktikumsbetrieben im Landkreis und darüberhinaus untergebracht. Einige Betriebe hätten mehrere Schüler gleichzeitig aufgenommen. Floßmann zählt auf: „76 Schüler mit dem Profil Technik, die in den schuleigenen Werkstätten arbeiten, 63 in Wirtschaft, 56 in Internationaler Wirtschaft und 113 im Sozialwesen.“

Eigentlich müssen die Schüler in Wirtschaft und Sozialwesen im zweiten Halbjahr die Branche wechseln. Weil derzeit die Suche nach einer neuen Stelle aber sehr schwierig ist, durfte heuer der Betrieb vom ersten Halbjahr auch im zweiten gewählt werden. Die 16-jährige Anna Streng aus Erding etwa hatte das Angebot erhalten, ihr zweites Praktikum ebenfalls bei der Fahrschule Flittner zu absolvieren, wie sie erzählt.

FOS-Praktikumsbeauftragter Johannes Floßmann versucht sein Bestes, um den Schülern auch in der Corona-Zeit ein Praktikum zu ermöglichen.

Der Kontakt zu den Betrieben sei aus schulischer Sicht sehr wichtig, sagt Floßmann. Während der Praktikumszeit werde dieser von der jeweiligen Betreuungslehrkraft gehalten. „Einige Betriebe sind leider abgesprungen, weil es derzeit keine Perspektiven gibt oder die Mitarbeiter in Kurzarbeit oder im Homeoffice sind“, erklärt er. Und auch viele Schüler mussten ins Homeoffice, wie Luca Beslmüller (16) aus Markt Schwaben. Da die Fitnessstudios bereits im November schließen mussten, war er einer der Ersten, die Zuhause blieben. Weil sein Betrieb keine weiteren Aufgaben für ihn hatte, wandte er sich an seine Betreuungslehrkraft. „Als Ersatzaufgaben habe ich zum Beispiel eine Bewerbung und eine Stellenanzeige für ein fiktives Unternehmen erstellt“, erzählt er. Diese wurde dann als Ersatz gewertet und als Teilnote eingetragen, da die fachpraktische Ausbildung mit ins Endjahreszeugnis einfließt.

Ersatzaufgaben können nur Notlösung sein

Auch Paula Haas (16) aus Armstorf, die ihr Praktikum bei der Firma Steico in Feldkirchen machte, wurde nach den Weihnachtsferien ins Homeoffice geschickt. Anfangs habe sie noch Aufgaben bekommen, um diese von Zuhause zu erledigen, etwa Informationsbeschaffung. „Mein Praktikumsbetrieb meinte dann aber ziemlich schnell, dass ich in der Schule nach Aufgaben fragen sollte.“ Diese Ersatzaufgaben können laut Floßmann nur eine Notlösung sein und nie die Erfahrungen im echten Praktikum vor Ort ersetzen: „Nur im Betrieb können unsere Schüler vollwertige praktische Erfahrungen sammeln, die ihnen bei der Berufsorientierung hilfreich sein können.“ Das bestätigt auch Hubert Daimer, Ausbilder und Werkstattleiter des Metallpraktikums der Techniker.

Schüler mit der Ausbildungsrichtung Technik mussten ihr Praktikum sogar kurzzeitig komplett einstellen. „Nach Weihnachten fand zunächst das ,Praktikum auf Distanz‘ statt, bei dem die Ausbilder Informationen und Aufgaben online bereitgestellt haben“, berichtet Floßmann. Seit Mitte Februar wurde das Praktikum mit geteilten Gruppen von maximal acht Schülern wieder in der Schule fortgesetzt. „Ich war froh, dass wir wieder vor Ort an den Werkstücken arbeiten konnten“, bestätigt Moritz Hertel (17) aus Oberdorfen, der im Moment im Bereich Elektrik eingeteilt ist.

Die ersten Praktikumsbestätigungen fürs nächste Schuljahr sind schon da

Floßmann hofft sehr, dass sich die Branchen bald erholen – auch, um wieder Praktika anbieten zu können. „Gerade zur Zeit, wo es keine Ausbildungsmessen gibt, ist die fachpraktische Ausbildung der FOS auch für die Betriebe eine hervorragende Möglichkeit, für ihre Berufsfelder zu werben und geeignete Nachwuchskräfte zu finden“ – eine Win-Win-Situation also.

„Wir haben Verständnis für die Situation vieler Betriebe und Einrichtungen, bitten aber dennoch darum, die fachpraktische Ausbildung auch im kommenden Schuljahr, im Sinne unserer Schüler, wie gewohnt fortsetzen zu können“, sagt Floßmann. Die nächste Bewerbungsphase hat bereits begonnen. Und Floßmann freut sich: „Die ersten Praktikumsbestätigungen habe ich schon erhalten.“

Anna Hobmaier

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