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Pfarrer Martin Garmaiersteht zu seiner Predigt. 

Probleme in der Kirche wurden heruntergespielt

Politik in der Predigt passt nicht allen

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Erding – Einige Kirchgänger haben die Silvesterandacht in Erding schlagartig verlassen – während der Predigt von Pfarrer Martin Garmaier.

Kirchgänger Manfred Kressierer ist geblieben, aber kritisiert den Stadtpfarrer scharf: „Er hat die Missbrauchsskandale in der Kirche damit verglichen, dass auch in 80 Prozent der Familien Gewalt vorkommt“, sagt der Erdinger. „Und Garmaier hat die Probleme in der Kirche heruntergespielt.“ Daraufhin hätten einige die Kirche verlassen. „Ich hab’s mir auch überlegt“, berichtet Kressierer.

Und er ergänzt: Die Silvesterandacht sei zu einer „politischen Veranstaltung“ verkommen. Garmaier habe etwa angesprochen, dass Ulrike Scharf nicht mehr zur Ministerin gewählt wurde oder Kreuze in den Behörden aufgehängt werden. Das sagt der Pfarrer zu den Vorwürfen:

Herr Pfarrer, einige Gläubige haben während Ihrer Predigt bei der Silvesterandacht die Kirche verlassen. Woran lag das?

Ich habe eine E-Mail bekommen von jemandem, der sich unter anderem darüber geärgert hat, dass ich die AfD kritisiert habe und nicht über die Missbrauchsskandale in der Kirche gesprochen hätte. Ich habe nur geantwortet, dass er bedauerlicherweise zu früh gegangen ist. Auch anderen Kirchgängern war ich wohl zu politisch: Weil ich zum Beispiel gesagt habe, dass die gängigen Volksparteien sehr viele Stimmen verloren haben, die AfD hingegen zugewonnen hat oder Söders Kreuzerlass unter anderem von Kardinal Marx mit Recht kritisiert wurde.

Wie sagen Sie zu dem
Vorwurf, dass Sie die
Missbrauchsskandale
der Kirche heruntergespielt hätten?

Das wollte ich auf keinen Fall, jeder Missbrauchsfall ist einer zu viel, egal wo er passiert. Ich wollte allerdings klarmachen: Circa 80 Prozent der Missbrauchsfälle finden in der Familie und im näheren Bekanntenkreis statt, nicht in der Kirche oder in den Vereinen. Außerdem sind es einzelne Seelsorger und nicht die Kirche. Was sich die Kirche klar zu Schulden kommen hat lassen, ist die Tatsache, dass in diesem Zusammenhang viel zu viel vertuscht worden ist.

Kritik gab es auch dafür, dass Sie bedauert haben, dass Ex-Ministerin Ulrike Scharf aus dem Kabinett geflogen ist. Vielen war das zu parteiergreifend.

Nein, das hätte ich auch gesagt, wenn Frau Scharf bei der SPD oder den Grünen wäre. Dass sie keine Ministerin mehr ist, finden viele Erdinger schade – auch ich selbst, weil ich sie als Person in ihrer fachlichen Kompetenz und ihrem Engagement sehr schätze.

Sie äußern in Ihren Predigten oft Ihre politische Meinung. Warum tun Sie das?

Kirche muss politisch sein, weil sie ein Teil der Gesellschaft ist. Wichtig ist allerdings, dass wir nicht einseitig parteipolitisch werden.

Kirchgänger Manfred Kressierer wird in Zukunft nicht mehr zur Silvesterandacht kommen. Beeinflusst Sie das?

Nein, ich lass’ mir von Leuten nicht drohen. Dazu habe ich auch viel zu viel Anerkennung und Lob für meine Predigt bekommen. Mein Anliegen ist es, eine Botschaft zu vermitteln, die mir aus meinem christlichen Selbstverständnis heraus wichtig ist. Mein Anspruch ist es, nicht eine seichte „Ei ei, wir haben uns alle lieb“-Predigt zu halten, sondern auch mal kritische Worte anzumerken – auch zur AfD. Und: Wer das Evangelium aufmerksam gelesen hat, wird feststellen, dass auch Jesus Christus sehr kritisch sein konnte.

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