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Symbolbild: Das Leben auf der Straße ist kein leichtes. In Erding gibt es insgesamt 120 Obdachlose. 

Problemfälle 

Erding braucht neue Obdachlosenunterkunft: 120 Menschen sind in vier Einrichtungen

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120 Obdachlose gibt es in Erding. So viele Menschen aus 15 Nationen, die meisten davon Deutsche, sind aktuell in den vier städtischen Unterkünften untergebracht.

Erding– Dass diese auf Dauer nicht ausreichen, wurde jetzt im Stadtrat deutlich. Auch, dass einige der Bewohner schwierig sind, zeigte der Bericht von Eric Stauch vom Liegenschaftsamt in teils drastischen Bildern. Das gefiel nicht allen Stadträten.

An der Sportfeldstraße (36 Einfachstwohnungen), Am Keller (11 Zimmer), an der Taufkirchener Straße (5 Zimmer/Gemeinschafts-WC) und an der Wartenberger Straße (4 Zimmer/nur Männer) betreibt die Stadt Erding Einrichtungen für Wohnungs- und Obdachlose. Dies sei eine Pflichtaufgabe, betonte Gotz, „die uns gewaltig fordert“. Dabei gehe es um Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen, „die wir nicht zu beurteilen haben“, in Extremsituationen geraten seien. Unterstützung bei der sozialen Betreuung verspricht sich Gotz (CSU) von einem Treffen, zu dem er Sozialverbände wie die Caritas und die Nachbarschaftshilfe nächste Woche eingeladen hat.

Vor dieser Zusammenkunft stand am Dienstag im Stadtrat ein bebilderter Überblick. Dabei rückte Stauch die großen Probleme der Stadtverwaltung mit manchen Bewohnern in den Mittelpunkt. Dazu gehörten illegale Müllentsorgung in Vorgarten, Hofeinfahrt oder auf Terrasse, schlechte Zahlungsmoral, Zweckentfremdung und Dauernutzung, aber auch aggressive und psychisch auffällige Bewohner. Letztere hatte Stauch in seinem Bericht mit einem Foto aus dem Kostümverleih bebildert, das Hannibal Lector mit Mundmaske zeigte, wie im Film „Das Schweigen der Lämmer“.

Petra Bauernfeind (Freie Wähler) und Helga Stieglmeier (Grüne) waren von dieser Darstellung ebenso schockiert wie Barbara Gaab und Brigitte Fischer von der Caritas, die unter den Zuschauern saßen. Das Herausstellen psychisch kranker Menschen in dieser Form sei schon „harter Tobak“, sagte Bauernfeind, auch Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe. „Dass die Menschen anders sind, ist klar. Aber diese Menschen müssen betreut werden“, betonte Bauernfeind: „Wenn man sich kümmert, kann man auch was bewegen.“

Dass die Stadtverwaltung dies nicht leisten kann, machte Gotz deutlich. Bislang gebe es noch keine Zusammenarbeit, räumte Stauch ein. Der OB wollte „nicht alle Bewohner über einen Kamm scheren“, aber die Problemfälle – laut Stauch sind es 15 Prozent – aufzeigen, „um darzustellen, vor welch dramatischer Situation wir stehen“. Burkhard Köppen (CSU) sah in der drastischen Darstellung – Stauch zeigte auch Bilder von einem zerstörten und verstopften Waschbecken, einer kotverschmierten Toilette und einem mit Schränken und Herd zugestellten Treppenhaus – vielmehr einen Hilferuf der Verwaltung, deren juristischer Spielraum sehr begrenzt sei – auch, was die Kontrolle der Bedürftigkeit oder die Überprüfung der Einkommensverhältnisse der Bewohner betrifft.

Amtsleiter Reinhard Böhm stellte klar, dass die Kommune zuständig sei, in der die Obdachlosigkeit auftrete. Deshalb versuche die Stadt, auswärtige Obdachlose, die eine Bleibe suchten, abzuwehren, so Stauch. Gotz plädierte auch dafür, die Unterkünfte nicht besser auszustatten, „sonst bleiben die Leute noch länger“. Eine Bewohnerin etwa lebt laut Stauch schon seit 2008 in einer Einfachstwohnung an der Sportfeldstraße. Obwohl sie über eigenes Einkommen verfüge, seien bislang 19 000 Euro an Mietrückständen aufgelaufen. „Da scheint wenig Eigeninitiative da zu sein, sich selbst was zu suchen“, meinte Köppen.

Bei allen Problemen steht für Gotz fest: „Die Aufgabe der Verwaltung endet bei der Unterbringung, aber die gesellschaftliche Verantwortung geht weiter. Wir werden nicht umhin kommen, 30 bis 40 weitere Plätze zu schaffen.“ Dass dies angesichts des vorhersehbaren Widerstandes im Umfeld solcher Unterkünfte kein leichtes Unterfangen wird, war allen Stadträten klar. Das Treffen mit den Sozialverbänden soll helfen, Lösungsansätze zu finden.

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