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Ein Siegerpodest aus Biertragln, auch das ist der Prosper-Wettbewerb (v.l.): Peter Feller (Sinnflut), der Vogelmayer, Olaf Bossi, Angelo Sommerfeld, Sinnflut-Chef Börnie Sparakowksi, Andi Brenninger vom Weißbräu und Moderator Martin Bauer.

Fünfter St. Prosper-Nachwuchs-Kabarett-Preis

Mit schwäbischem Schlaflied bayerische Begeisterung geweckt

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Erding - Ins Herz des Ländles, nach Stuttgart, geht der fünfte St. Prosper-Nachwuchs-Kabarett-Preis. Olaf Bossi setzte sich gegen vier Mitbewerber durch. Dabei kam er gar nicht wie ein Sieger daher.

Der Wettbewerb war zugleich der Startschuss für das Hunter: Drei Gastronomen wollen der früheren Schiaßn neues Leben einhauchen. Eine gelungene Vor-Premiere.

Nein, es war kein guter Tag für Olaf Bossi. Erst musste der Stuttgarter den Doppelabstieg des VfB und der Kickers verkraften, dann musste er Frau und zwei kleine Kinder allein daheim lassen und die lange Fahrt nach Erding auf sich nehmen. Und schließlich waren vor ihm auch noch zwei Top-Kleinkünstler an der Reihe. Nein, beim fünften St. Prosper Nachwuchs-Kabarett-Preis sah es lange nicht gut für den 45-Jährigen aus. Als die Uhr schon stark auf Mitternacht zuging, bekam Bossi dann doch das Drei-Liter-Weißbierglas voller Magnetbuchstaben überreicht - die Trophäe für den begehrten Kleinkunstpreis, den der Kulturveranstalter Sinnflut auslobt und der vom Erdinger Stiftungsbräu mit Preisgeldern ausgestattet wird.

Die fünf Künstler beziehungsweise Gruppen - zwölf hatten sich insgesamt beworben - machten es den Zuschauern im voll besetzten Hunter und der Jury nicht leicht. Sie standen für die enorme Breite lokal gefärbten Kabaretts. Die Qual der Wahl hatten neben den Besuchern die Illustratorin Judith Arndt, der Pianist Peter Heger, Andreas Brenninger vom Erdinger Weißbräu und Hans Moritz vom Erdinger Anzeiger.

St. Prosper-Nachwuchs-Kabarett-Preis: Vier Akteure lagen dicht an dicht

Moderator war diesmal der Erdinger Kabarettist Martin Bauer, der derzeit mit seinem Dresdner Kompagnon Christoph Stelzner auf Tournee ist und selbst schon beim Prosper-Wettbewerb mitgemacht hat. Vier Akteure lagen dicht an dicht. Nur Radio Niederbayern stand rasch als Gruppe fest, die beim Sieg nicht mitreden würde. Und das lag nicht nur an einer technischen Panne, die die drei Künstler nicht zu überbrücken wussten.

Eher als Comedian denn als Kabarettist trat Angelo Sommerfeld auf - in der Rolle des fränkisch-tapsigen Selfmade-Erfolgstrainers. “Sink Big - Kleinvieh ist auch Mist” hieß sein Programm, in das er das Publikum intensiv mit einbezog und in dem er eine ganze Boombranche lächerlich machte, indem er sich sich selbst zum Affen machte - immer laut, immer dröhnend.

Danach hieß es Bühne frei für den Vogelmayer, wiederum ein Niederbayer. Der Hochzeitslader bezeichnete sich selbst als ein Künstler irgendwo zwischen Hans Söllner und Fredl Fesl. Diese Verortung stimmte, schon im ersten Stück bekannte er: “I sog, des, was sich sonst koana traut.” Sein zweiter Anker: “Dahoam” hatte sich der schneidige Bursch mit Dreitagebart, Hut und Vogelfeder schon aufs T-Shirt gedruckt, um mit der Weisheit “Dahoam, des ist koa Ort. Dahoam, des is a Gfui.” Patriotismus-Punkte zu sammeln.

Beim Auftritt von Sieger Bossi musste das Publikum gewaltig umdenken

Kulturell gewaltig umdenken musste das Publikum beim Auftritt von Olaf Bossi. Auf der Bühne stand ein Mann mit bubenhaftem Gesicht, wirren Haaren, schwarzer Hose und Shirt, die ihre besten Tage schon lange hinter sich hatten. Bossi kam nicht als Kraftmeier daher, sondern eher wie ein sensibler Geist; zudem Sohn eines überzeugten 68ers. Erst sang der Stuttgarter von der Zweiklassenmedizin - bitterer, schwarzer Humor. Dann kündigte er ein Schlaflied an. Sieger kommen anders daher. Vor allem der Jury gefiel dieser so authentische Auftritt Bossis, der mit sanfter Stimme ein und die selben Liedzeilen immer wieder wiederholte - mit steigendem Zorn und Entnervtheit, aber so sehr, dass sie ihn knapp an die Spitze setzten. Wer Kinder hat, dem sang Bossi aus der Seele.

Das Finale gehörte den dreieinhalb energischen Mädels vom Grampfhennagschroa, die mit großem Anhang aus Südostbayern angereist waren. Dreieinhalb, weil eine der Künstlerinnen erkennbar schwanger war. Resolut und laut karikierte das Trio schwatzhafte Weiberleut zwischen Tupper-Party und Thermomix-Abend. Zum Schluss wurde noch zickenhaft über eine Freundin abgelästert, die einen Moment später freudig begrüßt wird.

Fünfter St. Prosper-Nachwuchs-Kabarett-Preis: Bilder

Bossi reagierte sichtlich verdutzt, als er von Brenninger zum Sieger ausgerufen wurde. Er erhielt die 1000 Euro Preisgeld. 500 Euro sicherte sich Angelo Sommerfeld, 200 Euro strich der Vogelmayer ein. Jeder erhielt darüber hinaus ein Tragl Prosper-Starkbier. Für den fünften Gewinner der Prosper-Trophäe ist es schon der vierte Kulturpreis. “Ich bin echt überrascht, als Stuttgarter im tiefsten Oberbayern zu gewinnen. Die Konkurrenz war echt groß.” Wie er denn seine bayerischen Mitstreiter fand? “Das meiste habe ich, ehrlich gesagt, nicht verstanden.”

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