Prozess vor dem Amtsgericht Erding

Heißer Flirt mündet in Vergewaltigung

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Wegen Vergewaltigung ist ein 33 Jahre alter Mann aus dem nördlichen Kreis Erding zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Den Flirt hatte das spätere Opfer angefangen.

Erding - Täter und Opfer kennen sich seit langem. Sie waren nicht nur gut befreundet, ihr Ehemann war zudem ein Spezl des Angeklagten. Allerdings waren sowohl die Beziehung des Täters als auch die Ehe des 29 Jahre alten Opfers kurz vor der Tat in die Brüche gegangen. Sie hat drei kleine Kinder, er eines.

In der für beide anfangs schlaflosen Nacht auf den 17. Februar 2017 chatteten sie über WhatsApp und ein Dating-Portal im Internet. Schließlich verabredeten sie sich bei der 29-Jährigen. Beide waren leicht alkoholisiert, als sie zunächst schäkerten. Sie war es schließlich, die anfing, den Landmaschinenmechaniker zu küssen. Wenig später ging es auf ihr Betreiben ins Schlafzimmer. Auch dort küssten sich beide. Sie zog ihn aus, beide landeten im Bett.

An diesem Punkt war für die 29-Jährige Schluss. Mehrfach erklärte sie, dass sie keinen Sex wolle. Dennoch kam es zum Geschlechtsverkehr, ungeschützt und mindestens 15 Minuten lang. Danach fuhr der Mann nach Hause.

Das Opfer, das heute im Landkreis Freising lebt, erklärte ihren geringen Widerstand damit, „dass ich einfach nur wollte, dass es aufhört“. Der Mann habe sie festgehalten und ihr gesagt, er werde ihr den Mund zuhalten, wenn sie schreie. Der Vergewaltiger hingegen ließ über seinen Anwalt Torstein Grunert ausrichten, sie habe eingewilligt.

Weitere Merkwürdigkeiten prägten den siebenstündigen Prozess gestern vor dem Amtsgericht Erding. Denn die 29-Jährige, die damals in der gleichen Gemeinde wie der Täter lebte, zog sich zurück. Als Freunde zwei Tage nichts von ihr hörten, alarmierten sie die Polizei. Die traf die Frau daheim an, „sichtlich verstört und in einem schlechten Zustand“, wie mehrere Beamte aussagten.

Weder ihnen noch einer Nachbarin sowie einer guten Freundin wollte sie sich offenbaren. Als klar war, dass die junge Mutter Opfer einer Vergewaltigung geworden war, weigerte sie sich, den Namen ihres Peinigers preiszugeben.

Als der Täter bekannt war, verzichtete das Opfer auf eine Anzeige – wieder mit der Begründung: „Ich wollte einfach nur meine Ruhe.“ Es wurde von Amts wegen ermittelt.

Im Lauf der von Richter Björn Schindler geleiteten Verhandlung kam heraus, dass die Frau schon als Kind Opfer sexueller Gewalt geworden war. Damals habe ihr niemand geglaubt. Sie fürchte, auch diesmal werde man ihr nicht vertrauen.

Vor Gericht machte die Frau nicht den Eindruck, den einstigen guten Bekannten belasten zu wollen. Im Gegenteil, sie bezeichnete ihn als netten, guten Menschen, der sich hinreißend um seine Tochter kümmere. Den Flirt und die Küsse begründete sie mit „der Neugier auf einen anderen Mann“ kurz nach ihrer eigenen Trennung.

Die Vergewaltigung hat der Frau, die wegen ihrer familiären Vorgeschichte schon vorher in Behandlung war, schwer zugesetzt. Nach der Tat litt sie unter Wein- und Brechattacken. Eine überwundene Bulimie brach wieder aus. Am Ende musste sie sechs Wochen ins Bezirkskrankenhaus Taufkirchen.

In ihrem Plädoyer erklärte Staatsanwältin Dr. Cordula Spitzer, sie habe keinen Zweifel, dass das Opfer die Wahrheit gesagt habe. Ihre Schilderungen seien detailreich, glaubhaft und stabil gewesen. Spitzer forderte drei Jahre und zehn Monate Haft. Es sei ein gravierender Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung mit schweren Folgen gewesen.

Verteidiger Grunert plädierte auf Freispruch, denn es gebe erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau. Der Sex sei einvernehmlich gewesen.

Das Schöffengericht verurteilte den 33-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Schindler erklärte, man sei bewusst am unteren Ende des Strafrahmens zwischen zwei und 15 Jahren geblieben. Der Mann sei bislang nicht vorbestraft und „kein Krimineller, von dem Gefahr ausgeht“. Man habe auch berücksichtigt, dass die Frau den Flirt begonnen habe. Sie habe aber klar eine Grenze gezogen, die der Täter überschritten habe.

Rubriklistenbild: © dpa

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