Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung

Der Brutalo mit den blauen Augen

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Dorfen - Die brutale Attacke eines 22-Jährigen gegen einen Obdachlosen (24) im  Februar am Bahnhof Dorfen ist vor dem Amtsgericht Erding aufgearbeitet worden. Der Angeklagte erhielt eine "allerletzte Chance". 

Das Opfer in Handschellen und ein Angeklagter, der drei junge Frauen vor einem aufdringlichen jungen Mann schützen wollte – die Ausgangslage eines Prozesses gestern vor dem Amtsgericht Erding wegen gefährlicher Körperverletzung war ein wenig verwirrend. Am Ende stand eine Bewährungsstrafe als „allerletzte Chance“, so Richterin Sabine Schmaunz.

Vor ihr saß ein 22-jähriger Veldener, der am Morgen des 13. Februar am Dorfener Bahnhof einen 24 Jahre alten Mann niedergeschlagen und ihn unter anderem am Kopf verletzt haben soll. Das Opfer erschien deswegen gefesselt und zwischen zwei Wachmännern, weil es sich wegen einer anderen Sache in der Psychiatrie befindet.

Die Nacht vor der Tat hatte der damals Obdachlose mit drei jungen Frauen aus Dorfen in München verbracht. Er bestieg mit ihnen den Zug, um weiterzufeiern.

Daran hatten die Frauen aber kein Interesse. Im Gegenteil: Im Zug sprachen sie einen Mann an, der das Trio später nach Hause fuhr. Am Bahnhof baten sie den Veldener um Hilfe. Sie hätten Angst vor einem Übergriff.

Der 22-Jährige stellte sich dem Mann in den Weg und verpasste ihm zwei Schläge ins Gesicht. Auch von Tritten gegen das wehrlos am Boden liegende Opfer war in der Anklage die Rede. Doch es ließ sich nicht endgültig klären, ob durch diese weitere Verletzungen entstanden sind. Die weiteren Blessuren, so meinte eine Rechtsmedizinerin, könnten auch vom Sturz über einen Radlständer herrühren.

Die Polizei konnte den Täter noch vor Ort stellen, nachdem sich das Opfer an die tiefblauen Augen seines Peinigers erinnert hatte. In Tatortnähe fiel einer Beamtin ein solcher Mann auf.

Der 22-Jährige gab sich reumütig. Vor der Richterin blätterte sein Anwalt 800 Euro als Ausgleich auf den Tisch. Das Opfer nahm die Entschuldigung an. Nicht zuletzt wegen neun Vorstrafen und einer offenen Bewährung plädierte die Staatsanwältin für 15 Monate Haft ohne Bewährung. Der Anwalt erkannte bloß eine vorsätzliche Körperverletzung. Schmaunz verhängte neun Monate. Die Bewährung sprach sie „mit zugedrückten Augen“ aus, da es Hinweise gebe, dass der Angeklagte sein Leben endlich in den Griff bekommt – auch beruflich.

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