Sie kamen am helllichten Tag

“Das wird man nicht mehr los“: Ehepaar nach dreistem Einbruch schockiert

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Mindestens drei Einbrüche gehen auf das Konto einer kroatischen Einbrecherbande. Ein 28-Jähriger muss sich seit gestern vor dem Amtsgericht Erding verantworten. 

Erding - Schweren Bandendiebstahl wirft die Staatsanwaltschaft Landshut den drei 24, 28 und 33 Jahre alten Männern vor. Offensichtlich willkürlich gingen sie mit angemieteten Fahrzeugen auf Beutezug. Neben dem Einfamilienhaus in Altham sollen sie auch in Buchloe im Allgäu sowie in Tutzing am Starnberger See zugeschlagen haben. Die Straftaten datieren vom 2., 6. und 7. Juni vergangenen Jahres, stets am Vormittag, als die Bewohner nicht zu Hause waren.

Josef und Hedwig Perzl bekamen am 6. Juni den ungebetenen Besuch. „Ich war mit meinen Spezln beim Radeln, meine Frau war beim Arzt“, berichtet Josef Perzl. Als Erstes kam die Gattin wieder nach Hause. „Die Nachbarn und meine Schwiegermutter hatten es schon bemerkt“, berichtet Hedwig Perzl, „als ich zu Hause ankam, war die Polizei schon da“.

Schmuck und Bargeld im Wert von 4000 Euro erbeutet

Dass in das Haus im Norden Erdings eingebrochen worden war, war laut Perzl sofort erkennbar. „Die sind durch die Terrassentür rein. Drinnen war alles verwüstet.“ Sogar den Hauswirtschaftsraum hätten sie auf den Kopf gestellt und alle Schubladen herausgezogen. Es stellte sich heraus, dass die Täter Schmuck und Bargeld im Wert von knapp 4000 Euro hatten mitgehen lassen.

Die Kripo kam dem Trio auf die Spur, weil an einem Tatort ein Auto gesehen worden war, das der in Erding vor Gericht stehende Mann angemietet hatte. Zudem wurde von ihm DNA vor Ort gesichert. Auch in Buchloe und Tutzing ließen die Täter Schmuck und Bargeld mitgehen – im Gesamtwert von rund 8000 Euro. Zudem richteten sie einen Gebäudeschaden von knapp 6000 Euro an. Unmittelbar nach ihren Taten wurden die Kroaten festgenommen. Seither sitzen sie in den Justizvollzugsanstalten Landshut und München ein.

Hedwig Perzl: „Das wird man nicht mehr los“

Hedwig Perzl erzählt, „dass wir natürlich immer wieder an diesen schlimmen Tag denken. Das wird man nicht wieder los“. Danach hätten sie ihr Haus noch einbruchsicherer gemacht. „Wir haben nun einen abschließbaren Türgriff an der Terrasse. Und wir achten darauf, dass alle Fenster und Türen verschlossen sind, wenn wir das Haus verlassen.“

Vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Björn Schindler musste sich am Mittwoch lediglich der 28-Jährige verantworten. Die Verfahren gegen seine beiden mutmaßlichen Mittäter wurden abgekoppelt. Ihnen soll in München der Prozess gemacht werden.

Doch ein Urteil fiel gestern noch nicht. Stattdessen wurden für den 25. April um 14 Uhr und für den 16. Mai um 9 Uhr zwei weitere Termine anberaumt. Denn der gelernte Physiotherapeut, der vor seiner Inhaftierung in München gelebt hat, gab nach dreistündiger, sehr zäher Verhandlung an, dass ihm unwohl sei und er Herzrasen verspüre.

Daraufhin musste Schindler die Verhandlung aussetzen. Ein Großteil der geladenen Zeugen, 14 Privatpersonen, darunter die Opfer, sowie vier Polizei und Kriminalbeamte, mussten wieder nach Hause geschickt worden. Diese hatten aus Tutzing und dem Allgäu teils sehr weite Anreisen auf sich genommen. Möglicherweise steht ihnen das nun noch einmal bevor.

Verhalten des Angeklagten sorgt für Kopfschütteln

Das Verhalten des Angeklagten und seines Verteidigers sorgte sowohl bei Richter und Schöffen als auch bei der Staatsanwältin für Kopfschütteln. Denn Schindler hatte sich mehrmals intensiv darum bemüht, dem Mann eine Brücke zu bauen, eine sehr breite. Doch nach der angeblichen plötzlichen Erkrankung des großen, kräftigen Mannes ist völlig offen, ob sich der Angeklagte und sein Verteidiger auf den Deal einlassen.

Nach langen Verständigungsgesprächen eröffnete Schindler dem 28-Jährigen die Möglichkeit, auf einen langen Prozess und die Einvernahme der umfangreichen Zeugenliste verzichten zu können. Er bot dem Kroaten zwei Möglichkeiten an: Sollte er ein Geständnis ablegen, kann er mit einer Gesamtfreiheitsstrafe zwischen zwei Jahren und vier Monaten und zwei Jahren und acht Monaten rechnen. Sollte er auch Hinweise auf die Mitbeschuldigten liefern, könnte sich die Strafe auf zwischen zwei Jahren und zwei Jahren und acht Monaten reduzieren.

Der Richter machte ihm auch deutlich, dass er im Falle weiteren Schweigens mit einer bis zu ein Jahr höheren Strafe zu rechnen habe. Den Vorschlag des Anwalts einer Bewährung schlossen Schindler und die Staatsanwältin aus. „Es war Bandendiebstahl. Und das, was ihnen vorgeworfen wird, hat bei den Opfern traumatisierende Erinnerungen hinterlassen“, so Schindler. Doch dann fühlte sich der Angeklagte so krank, dass die Verhandlung abgebrochen werden musste.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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