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Zu Gewaltakten kommt es in Flüchtlingsunterkünften immer häufiger.

Vor Gericht 

Afghane nach Würge-Attacke verurteilt

Erding – Glimpflich ist der Streit in einer Asylunterkunft in Erding ausgegangen, glimpflich kam auch der Angeklagte davon. Er musste sich gestern vor dem Amtsgericht Erding verantworten – und zwar trotz seiner erst 20 Jahre nach dem Erwachsenenstrafrecht. Er wurde zu 1500 Euro Geldstrafe verurteilt.

Dieser Fall zeigt beispielhaft, wie explosiv die Lage in manchen Unterkünften ist, weil Asylbewerber von ihrer Geschichte eingeholt werden oder keine Perspektive sehen. Am 8. Juni 2015 war in dem mit zwei Afghanen belegten Zimmer ein Streit wegen zu lauter Musik entbrannt. Die Situation eskalierte, der 20-Jährige packte seinen gleichaltrigen Landsmann am T-Shirt und drückte ihn gegen die Wand. Dabei zog sich das Opfer einen blutenden Kratzer am Hals zu.

Keine schlimmen Verletzungen, wie auch das Opfer zugab und erklärte, dass es der erste Streit gewesen sei, einer aus nichtigem Anlass noch dazu.

Seine Betreuerin schilderte, dass der 20-Jährige „in einer sehr angespannten persönlichen Situation“ gewesen sei. Die Vorgeschichte: Nach Monaten in einer Container-Unterkunft wurde ihm ein Wechsel in eine richtige Wohnung zugesagt. Kaum war die gefunden, wurden unter der Asylbewerbergruppe auch schon die Zimmer verlost. Doch mit dem Umzug kam doch alles ganz anders: Der Afghane musste weiterhin mit einem Mitbewohner vorlieb nehmen.

Entnervt war er zudem von einem Anruf seiner Eltern aus dem Iran, die ebenfalls nach Deutschland wollten und denen er erklären musste, dass er kein Geld habe. Seine Familie war in den Iran gekommen, als er sieben war. Dort seien sie diskriminiert worden. „Es gab keine Pässe, keinen Schulbesuch und man verlangte, dass sie zwangsweise den Koran lesen“, schilderte die Betreuerin.

Der Weg des jungen Mannes nach Erding glich einer Odyssee: Nachdem ihm vom Regime vorgeworfen worden war, die Flucht einer seiner Schwestern geplant zu haben, flüchtete er 2012 über die Türkei nach Griechenland. Dort musste er zwei Jahre ausharren, ehe ihm die Weiterreise nach Deutschland gelang. Zunächst landete er in München, lebte sich rasch ein, fand Arbeit in einer Restaurantkette, verdiente monatlich 1000 Euro und besuchte die Berufsschule. Heute spricht er längst gutes Deutsch. Schließlich kam er nach Erding.

Lebenserfahrung ist für Täter von Nachteil

Problematisch war im Prozess, dass er erst im April wegen Körperverletzung zu 20 Stunden Sozialdienst verurteilt worden war. Dass er schon als Jugendlicher eigenständig die Flucht bewältigt und sein Leben selbstbestimmt in die Hand genommen hatte, geriet ihm jetzt zum Nachteil: Zwar, so Richter Michael Lefkaditis, war er zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender, „qualifizierte sich mit seinen selbstständigen Entscheidungen und seiner Lebensführung aber für das Erwachsenenstrafrecht.“ Lefkaditis verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen je 30 Euro, blieb damit aber um 40 Tagessätze unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Gert Seidel

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