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Erste konkrete Ergebnisse zum Schutz von Erding gab es beim Runden Tisch zum Hochwasser, zu dem das Wasserwirtschaftsamt eingeladen hatte. Das Bild Leiter Christian Leeb (M.), flankiert von Ulrike Scharf und OB Max Gotz.

Erster Runder Tisch zum Hochwasserschutz in Erding

Pumpen könnten Wörth wirksam schützen

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Vor 2022 wird kein Bagger rollen, um Erding vor Hochwasser zu schützen. Dafür müsste für den Damm bei Niederwörth kein tiefes Fundament gegraben werden. Einige Ortsteile von Wörth müssten aber vor steigendem Grundwasser geschützt werden.

Bergham - Fünf Jahre nach der verheerenden Flut anfang Juni 2013 hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) München zum ersten Runden Tisch zum Hochwasserschutz für Erding geladen. Dessen Leiter Christian Leeb sagte, er wolle alle Planungsstände auf den Tisch legen und darüber diskutieren. Zum Auftakt kamen in den Lindenwirt in Bergham 60 Besucher, darunter die Bürgermeister Max Gotz (Erding), Thomas Gneißl (Wörth) und Peter Deimel (Langenpreising), Erdings Hochwasserreferent Burkhard Köppen sowie Vertreter der Bürgerinitiative Wörth.

Constanze Hecker vom WWA erklärte, beide Varianten seien nach wie vor im Rennen. Die eine sieht einen linearen Schutz von Altenerding und Langengeisling mit bis zu 1,5 Meter hohen Ufermauern vor, die andere ein großes Becken mit einem 1,4 Kilometer langen und im Schnitt 2,5 Meter hohen Damm einschließlich Auslasstor zur Sempt hin vor. Der werde aber nur bei so genannten 100-jährlichen Hochwassern geflutet. Länger als fünf Tage dürfe nicht eingestaut werden, ergänzte Leeb.

Hecker versicherte, man sei nach 2013 nicht untätig gewesen, habe ein Grundwasser- und Hydraulikmodell erstellen lassen und eine Untersuchung des Bodens im Süden Erdings vorgenommen.

Mit einer guten Nachricht konnte Hecker dabei aufwarte: „Der Damm bei Niederwörth braucht kein tiefes Fundament, wir können auf Spundwände verzichten. Es sind nur einige Schottersäulen im Bereich des Auslasses erforderlich.“ Der Wall könnte mit Kies aufgeschüttet und mit dem abgetragenen Oberboden abgedeckt werden. Die Wörther hatten die Sorge, ein tiefes Fundament könnte zu einem Grundwasser-Aufstau führen.

Sie sagte aber auch, dass – kleinere – Alternativstandorte, etwa in Poigenberg (Pastetten) geprüft, dann aber verworfen worden seien. Auch einer reinen Renaturierung des Oberlaufs erteilte Hecker eine Absage. Dies sei allenfalls bei kleinen Hochwasserereignissen ein wirksamer Schutz. „Eine überregionale Wirkung wird aber nicht eintreten.“

Christian Kölling vom Ingenieurbüro Isar Consult aus Geretsried stellte die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen vor und legte dabei den Dammbau zugrunde. 66 Messstellen seien gebohrt worden. „Die gute Nachricht ist, dass im Schadensfall der Grundwasserpegel nördlich des Walls stark absinken wird“, so Kölling. Der Trinkwasserbrunnen der Stadt Erding werde nicht tangiert.

Allerdings hätten die Berechnungen auch einen Grundwasseranstieg im Bereich der Gemeinde Wörth ergeben. Dabei versicherte Kölling, dass man den betroffenen Hausbesitzern jeweils in den westlichen Ortsteilen von Wörth, Niederwörth, Teufstetten, am Pegel Berg sowie an der Wörther Kläranlage helfen könne.

Da der Anstieg nur im Hochwasserfall auftreten werde, „könnten Pumpen installiert werden, die das Grundwasser in Richtung der Kraftwerke ableiten“. Gneißl bekam die Antwort, dass der Damm für seine Gemeinde im Normalfall keine Gefahr darstelle. Kölling versicherte: „Es ist kein Eingriff in den Grundwasserleiter vorgesehen.“

Mehrere Besucher monierten, dass immer nur vom Damm die Rede sei, aber kaum von Variante I, der Mauerbau an der Sempt. Dazu erklärte Thomas Atzenhofer vom WWA, dass es keinen neuen Planungsstand gebe. „Diese Lösung wird aber genauso intensiv geprüft.“

Das hydraulische Gutachten für die Sempt stellte Florian Barnerßoi vom Landshuter Büro SKI vor. Er untersucht den 20 Kilometer langen Abschnitt von Wörth bis zum Isarkanal. Das Hochwasser 2013 habe wichtige Erkenntnisse geliefert. Am Pegel in Berg sei das Wasser nach Westen abgeflossen und habe sich parallel zum Fluss einen eigenen Weg gesucht. In Altenerding sei ein Abfluss entlang der B 388 zu beobachten gewesen. Und in Langengeisling sei das Wasser zu beiden Seiten ausgetreten. Konkrete Ergebnisse konnte er noch nicht vorlegen. Sein Ziel sei, zu ermitteln, wie man die Sempt in ihrem Bett halten könne. „Wir wollen mit Modellen errechnen, wie viel Wasser durch die Stadt geleitet werden kann.“ Der Damm soll bis 45 Kubikmeter pro Sekunde abgeben können.

Auch Barnerßoi erklärte, eine Renaturierung brächte im Falle eines 100-jährlichen Hochwassers so gut wie gar nichts. Naturschutzbeirat Helmut Trinkberger protestierte und sprach sich erneut für kleinräumige Lösungen aus. Er und Wörths Vize-Bürgermeisterin Ulla Dieckmann forderten, dass das WWA die Hochwasserplanungen der umliegenden Gemeinden mit berücksichtigen müsse.

Für den Bauernverband sagte Kreisobmann Jakob Maier: „Wir verlangen einen Ausgleich, wenn unsere Böden für den Hochwasserschutz herangezogen werden. Und wir pochen auf Entschädigung im Schadensfall.“

Leeb kündigte an, der Variantentscheid solle im Herbst erfolgen. Danach könnte es ins Genehmigungsverfahren gehen, was mehrere Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Den nächsten Runden Tisch will er nach den Sommerferien ansetzen.

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