Zu „Mobilität und Wohnen“ referierte Markus Büchler auf Einladung von Helga Stieglmeier in Erding.foto:adam

Grüne fordern mehr Anreize auf Autoverzicht

Als Radler Freiwild

Erding – Eine Bevölkerungszunahme von 13 bis 14 Prozent in den nächsten 20 Jahren – das prognostiziert das Bayerische Landesamt für Statistik für den Landkreis Erding. Dementsprechend viel Wohnraum muss in Zukunft zur Verfügung gestellt werden. Markus Büchler, Bezirksvorsitzender der Grünen, bezog im Rahmen einer Vortragsveranstaltung in Erding Stellung zu der erwarteten Entwicklung und fordert deutliche Veränderungen.

„Es drängen sehr viele Menschen in den Großraum München, insbesondere nach Erding. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mit diesem Wachstum umgehen, damit eine gute Lebensqualität dabei entsteht“, erklärte Büchler seinen 13 Zuhörern im Gasthaus Mayr Wirt. Der Wohnungsbau sei dramatisch vernachlässigt worden, obwohl aufgrund der aktuellen Flüchtlingsproblematik zahlreiche Wohnungen benötigt würden. „Die Hälfte wird bestimmt hier bleiben, da braucht man dann vor allem sozialgebundene Wohnungen“, betonte der Münchner Kreisrat.

Einen Schritt in die richtige Richtung habe man mit dem Förderprogramm „Wohnungspakt Bayern“ erzielt, wodurch die Regierung den Wohnungsbau wieder ankurbeln möchte. „Ich bin zuversichtlich, dass das jetzt vorangeht, auch wenn es eigentlich zehn Jahre zu spät ist.“ Am wichtigsten sei es, Wohnungen auch für Normalverdiener bezahlbar zu machen, dennoch dürfe die Qualität der Gebäude nicht verloren gehen. „Wir müssen zukunftsfähig bauen, das heißt auch nach den bestmöglichen Energiestandards“, sagte Büchler.

Besonders die Mobilität sei in der heutigen Zeit das A und O. Büchler will deshalb insbesondere nach dem Motto „Stadt der kurzen Wege“ arbeiten. Denn der Trend in der Bevölkerung entwickle sich weg vom Auto, hin zum Fahrrad. „Die Leute wollen nicht mehr wegen jedem Stück Butter kilometerweit fahren. Sie wollen innerorts leben und so viel wie möglich zu Fuß, oder mit dem Rad erreichen können“, erklärte der Grünen-Politiker.

Das Problem: Fußgänger und Radfahrer habe man in der Stadtplanung nahezu vergessen. Die Bevölkerung greife vor allem aufgrund des Sicherheitsgefühls zum Auto. Eine Zuhörerin unterstreicht diese Behauptung: „Es ist schon wirklich abenteuerlich, wenn man hier in Erding ins Gewerbegebiet West radeln möchte, denn sogar, wenn man nur auf dem Parkplatz aus dem Auto steigt, ist man sozusagen Freiwild. Das Gebiet ist nicht auf andere Verkehrsteilnehmer ausgerichtet.“ Genau das müsse man bei Bauvorhaben ändern, wie Büchler betont. Er fordert mehr Radwege innerorts. „Das Radfahren ist ein Megatrend. Aber natürlich benutzt keiner sein Rad, wenn er Angst haben muss, vom nächsten Autofahrer übersehen zu werden.“

Büchler hat ein konkretes Ziel: er wolle das Auto nicht komplett von den Straßen verbannen, jedoch müsse man die Anreize anders setzen. „Man muss einfach die gewisse Mischung finden.“ So befürwortet der Bezirksvorsitzende das so genannte Spacesharing, bei dem sich Kraftfahrzeuge, Fahrräder und Fußgänger ausgewählte Flächen teilen. Büchler ist überzeugt: „Dadurch wird die Situation automatisch sicherer für alle, weil die Autofahrer sofort langsamer fahren, wenn zum Beispiel ein Radfahrer dazwischen ist.“ Es liege den Grünen am Herzen, die Städte endlich wieder als Lebensraum zu begreifen. Nur so könne eine gute Lebensqualität erreicht werden.  

Von Julia Adam

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