+
Wie geht es mit dem Klinikum weiter? Der Landrat will mehr Transparenz und Debatten - folglich auch mehr Einfluss!

Reaktion auf Erfolg bei Kreisssaal-Wiederbelebung

Landrat will mehr Einfluss aufs Klinikum

  • schließen

Landrat Martin Bayerstorfer fordert mehr öffentliche Debatten übers Klinikum. Die Politik soll wieder mehr Einfluss aufs Krankenhaus bekommen. So könne schneller auf Schieflagen reagiert werden.

Erding - Nicht nur für werdende Eltern war es eine Ausnahmesituation, auch für die Politik: Vier lange Monate musste der Kreißsaal am Klinikum wegen akuten Hebammenmangels stillgelegt werden. Dem Klinikum Erding dürfte eine dreistellige Zahl an Geburten entgangen sein.

Seit genau einer Woche ist die Entbindungsstation wieder in Betrieb – und der Landkreis allein an Investitionskosten um knapp 200 000 Euro ärmer. So viel hat die Erneuerung gekostet. Doch denen weint Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) keine Träne hinterher. „Dieses Geld ist gut investiert. Die Summe werden wir sicherlich niemals der Klinikleitung ankreiden.“

Bayerstorfer will aus dem Vorfall Konsequenzen ziehen. „Das war doch ein Lehrbeispiel“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Kreistag und ich haben Druck gemacht. Wir wollten, dass der Kreißsaal unter allen Umständen wieder in Betrieb geht, Geld war Nebensache.“ Und genau dieser Druck habe auch zur Wiedereröffnung mit einer ausreichenden Anzahl an Hebammen geführt.

„Ich weiß nicht, ob es dem Vorstand alleine auch geglückt wäre“, so der Kreischef. An diesem Punkt wird er grundsätzlich: „Ich wünsche mir in Zukunft mehr öffentliche Debatten um das Klinikum. Das muss alles deutlich transparenter werden. Zeichnen sich Schieflagen ab, müssen wir schneller reagieren können.“

In der Tat: Zurzeit sind der Politik beim Klinikum weitgehend die Hände gebunden. Der Verwaltungsrat, der aus zwölf Kreisräten und dem Landrat besteht, darf nur begrenzt in die laufenden Geschäfte eingreifen: Beschluss über den Wirtschaftsplan, Besetzung des Vorstands sowie Berufung der Chefärzte und der pflegerischen Leitung.

Bayerstorfer betont: „Wie wir zu mehr Transparenz und Debatte kommen, ist für mich sekundär.“ Explizit versicherte er, dass es nicht sein vorrangiges Ziel sei, die Rechtsform nach 2004 erneut zu ändern – von einem Kommunalunternehmen in einen Eigenbetrieb. Bei Letzterem hätte die Politik das Sagen, relevante Entscheidungen würden wieder in einem dann zu gründenden Krankenhausausschuss geführt. Größter Unterschied: Die Kreisgremien tagen in der Regel öffentlich, der Verwaltungsrat generell hinter verschlossenen Türen.

Der Kreißsaal ist nicht das einzige Thema, das Bayerstorfer umtreibt. Ihn ärgert, dass ein Chefarzt erst über Monate weitgehend untätig gewesen sei, und die Nachbesetzung dann ein dreiviertel Jahr gedauert habe. „Da hätten wir gerne früher eingegriffen.“ Das gelte auch, wenn sich abzeichnet, dass das im Wirtschaftsplan beschlossene Defizit nicht einzuhalten ist.

2016 betrug das Minus laut Wirtschaftsplan 1,19 Millionen Euro, tatsächlich waren es dann 3,33 Millionen Euro. Fürs laufende Jahr waren 1,73 Millionen kalkuliert, die November-Hochrechnung liegt bei 2,83 Millionen Euro. Die Steigerung führt Bayerstorfer nicht nur auf die Geburtshilfe und die Nutzung der Notaufnahme durch Patienten, die keine Notfälle sind, zurück, sondern auch auf weitere Einbußen etwa in der Chirurgie. Für 2018 sind 1,81 Millionen Euro Miese kalkuliert.

Bayerstorfer denkt auch in die andere Richtung: „Bei mehr Mitsprache können wir Vorhaben, die wir für richtig halten, durchsetzen. Die höheren Kosten müssen wir dann vertreten, wie heute schon beim Busverkehr.“ Als Angriff auf Vorstandschef Sándor Mohácsi will er seine Gedanken nicht verstanden wissen. Dessen Einfluss würde freilich deutlich geringer.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gehirnerschütterung nach Überschlag
Mit einer Gehirnerschütterung und  Verletzungen an der Halswirbelsäule kam eine Autofahrerin ins Krankenhaus. Sie hatte auf glatter Fahrbahn die Kontrolle über ihren …
Gehirnerschütterung nach Überschlag
Straßen und Wege werden saniert
50 000 Euro sind im Haushalt 2018 der Gemeinde Hohenpolding für Straßensanierungen pauschal vorgesehen. Der Gemeinderat hat jetzt eine Prioritätenliste erstellt.
Straßen und Wege werden saniert
Stopp-Schild missachtet: Unfall
Prellungen am ganzen Körper erlitten hat die Fahrerin eines  Smart bei einem Unfall am Sonntagmittag bei Kirchasch.
Stopp-Schild missachtet: Unfall
Im Flockenwirbel: Drei Unfälle mit zwei Verletzten
Die Schneefälle, die in der Nacht auf Montag eingesetzt haben, hatten erhebliche Auswirkungen auf den Berufsverkehr. Auf der B 15 und auf der A 92 ereigneten sich drei …
Im Flockenwirbel: Drei Unfälle mit zwei Verletzten

Kommentare