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Sündenböcke? Horst Seehofer und Markus Söder (l.).

Reaktionen aus der Erdinger CSU zur Schlappe bei der Landtagswahl

Wechsel ja, aber nicht jetzt gleich

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Auch die Erdinger CSU treibt die Wahlschlappe vom Sonntag um. Dass sich was ändern muss, sehen alle. Horst Seehofer will allerdings niemand stürzen, zumindest jetzt noch nicht.

Erding - Wie sehr es in der CSU nach der Wahlschlappe gärt, zeigt ein lauter Zwischenruf am Sonntagabend im Landratsamt. Dort hatten sich pünktlich zur Schließung der Wahllokale Vertreter verschiedenster Parteien eingefunden. Als Thomas Kreuzer, Chef der CSU-Landtagsfraktion, nach den ersten Hochrechnungen via Großbildschirm die Schuld gleich mal bei anderen (Merkel, Berlin & Co.) abzuladen versuchte, flog der Satz durch den Raum: „Jetzt halt a mal dei Goschn.“ Abgefeuert hatte ihn Erdings OB Max Gotz, ein überzeugter CSUler. Etwa leiser hinterher: „So geht’s doch nicht, immer alles auf die anderen abwälzen. Der Kreuzer hat’s noch nicht kapiert.“

In der Erdinger CSU fordert niemand direkt den Kopf von Parteivorsitzendem Horst Seehofer, dem das heftige Absacken der einstigen Staatspartei maßgeblich angelastet wird. Der Wunsch nach einem Übergang ist aber überall spürbar.

Auch Bezirksrat Franz Hofstetter bezieht sich auf Kreuzers TV-Auftritt – und ärgert sich. „Einfach so weiter wie bisher? Nein, das geht nicht.“ Er will dem Parteivorstand selbst die Chance lassen, „wann der rechte Zeitpunkt für einen Wechsel da ist“. Zu lange dürfe man aber nicht warten. Dass Seehofer selbst einsieht, dass seine Zeit abgelaufen ist, „glaube ich nicht“, so Hofstetter.

Dabei habe der Wähler eine klare Ansage gemacht: „Die da oben hören uns nicht mehr.“ Hofstetter fordert eine offne Debatte in allen Gremien. Ein Beispiel ist für ihn die Flüchtlingsfrage. „Da brauchen wir keinen neuen Kurs, aber wir müssen endlich für mehr Integration und weniger Arbeitsverbote sorgen.“ Auch in den Bereichen Wohnen, Pflege und ÖPNV sei die CSU zuletzt nicht mehr auf Höhe der Menschen gewesen.

CSU-Kreisvorsitzender und Landrat Martin Bayerstorfer warnt davor, jetzt überstürzt zu handeln. Denn das bringe gar nichts. „Entscheidend ist, dass sich die CSU nun so aufstellt, dass sie gestärkt und stabil in die beiden nächsten großen Wahlen geht.“ Damit meint er die Europawahl 2019 und die Kommunalwahl 2020. Vor der Bildung einer Koalition rät Bayerstorfer, „dass die CSU ihre Positionen genau überprüft und dann Gespräche mit den anderen Parteien führt, um zu sehen, wo die größten Schnittmengen sind“.

Auch er hält nichts von radikalen Themenwechseln, schon gar nicht bei der Migration. Anders als Hofstetter ist er überzeugt, dass die CSU inhaltlich richtig liege. „Die AfD mit ihrem harten Kurs hat im Vergleich zur Bundestagswahl verloren“, gibt er zu bedenken. Weil die Koalitionsgespräche auch die dritte Startbahn betreffen werden, ist Bayerstorfer dafür, dass die CSU hier ihren Kurs korrigiert, „und die Bahn ein für alle mal beerdigt“.

Die soeben im Amt bestätigte Abgeordnete Ulrike Scharf will über die Zukunft Seehofers nicht spekulieren. „Wenn wir – mit wem auch immer – einen Koalitionsvertrag haben, müssen wir den mit der Basis diskutieren. Erst dann stellt sich die Frage nach dem Personal.“ Grundsätzlich müsse die CSU ihren Führungs- und Kommunikationsstil ändern: „Wir brauchen eine moderne Führung mit Teamgeist und nicht, dass alles auf eine Person zugeschnitten ist.“ Damit meint Scharf Markus Söder. Die CSU werde dann erfolgreicher sein, „wenn wir wieder näher an die Lebensrealitäten der Menschen kommen, etwa durch mehr Ökologie“.

Kreuzer wird Gotz’ Ordnungsruf wohl überleben. Heute soll er als Fraktionschef bestätigt werden. Neue Landtagspräsidentin könnte die moderate Ilse Aigner werden.

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