Studioarbeit: Sven Hollfelder und Forcoder-Bassist Robert Söllner bei Aufnahmen zu „Shaky Ground“.
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Studioarbeit: Sven Hollfelder und Forcoder-Bassist Robert Söllner bei Aufnahmen zu „Shaky Ground“.

Wieder Live-Musik

Regler hoch: Auf dem Sinnflut geht es für Tontechniker Hollfelder und die Band Forcoder wieder voll los

  • VonTimo Aichele
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Der Lockdown war für den Erdinger Tontechniker Sven Hollfelder wie für viele in siner Branche eine harte Zeit. In der Pandemie hat er mit Forcoder gearbeitet. Jetzt ist der Auftritt der Band auf Sinnflut einer seiner ersten Live-Jobs.

Erding – Ein Sinnflut-Festival mit echten Besuchern? Echte Bands auf der Bühne? Nicht virtuell, sondern wirklich live? Bis vor kurzem hätte sich das kaum jemand vorstellen können. Aber tatsächlich: Am Freitag geht es los. Zwar in abgewandelter Form als Sinnflut-Biergarten. Aber sehr viele Menschen freuen sich schon darauf. Vor allem diejenigen, die Jahr für Jahr dort arbeiten. Unter ihnen ist Tontechniker Sven Hollfelder. Er ist auf dem Festival stets mit für den guten Sound zuständig. Am Samstag mischt er die Elektropop-Band Forcoder.

„Das erste Konzert seit März 2020 habe ich vor vier Wochen gemischt“, erzählt der 36-Jährige. Der Gig mit Forcoder am Freitag ab 18.30 Uhr auf Sinnflut werde dann der dritte Live-Job nach dem Lockdown sein.

Bei der Gruppe, die gerade ihre erste EP „Shaky Ground“ herausgebracht hat, ist Hollfelder so etwas wie das fünfte Mitglied. Denn der komplizierte Sound mit vielen elektronischen Einspielungen, feinen Klangnuancen und akustischen Instrumenten erfordert einen Profi an den Reglern, der die Songs ebenso in- und auswendig kennt wie die vier Musiker selbst.

Der Lockdown war für den 36-jährigen Isener eine harte Zeit. „2020 hatte ich den halben Umsatz von 2019“, berichtet der studierte Studio- und Live-Tontechniker. Sogar in seinem Klangwerk-Tonstudio in Erding konnte er nur teilweise arbeiten. „Bandproduktionen fielen ja wegen der Kontaktbeschränkungen fast alle aus.“ Zum Glück habe er ein paar Aufträge für Sprachaufnahmen gehabt – und die Arbeit mit Forcoder. Denn für die Recording-Sessions kamen die vier Musiker aus Freising und München einzeln nach Erding. Aufnahmen im Overdubbing-Verfahren, wie es oft praktiziert wird.

Damit war der Klangwerk-Chef nicht zu vollkommener Untätigkeit verdammt, und er konnte mit der Band einen wichtigen Punkt auf der gemeinsamen To-do-Liste abhaken. „Dieses Projekt hat uns als Gruppe über diese für Musiker extrem frustrierende Corona-Zeit gerettet“, erzählt Schlagzeuger Sandro Cocuzza. Erste begeisterte Rezensionen für „Shaky Ground“ folgten bereits. Der Titel-Track ist auf Youtube, die komplette EP unter anderem bei Spotify zu finden.

Doch für langfristiges Überleben reichten diese Aufträge im Lockdown für den Tontechniker noch nicht. Hollfelders Geschäftsmodell wurde in der Pandemie zum „Shaky Ground“, zum schwankenden Grund. „Ende 2020 bin ich  dann  noch  ins  Streaming-Geschäft eingestiegen. Ich dachte, eigentlich zu spät“, berichtet er. Doch zum Beispiel das live gestreamte Konzert von „Donnerbalkan“ aus dem Dorfener Jakobmayer-Saal war schon eine gute Referenz dieser neuen Sparte.

Lange hätte die Zeit ohne Festivals und ohne reguläre Studioarbeit aber nicht mehr gehen dürfen. „Ich hätte mir noch so ein halbes Jahr gegeben. Dann hätte ich mir ein vollkommen neues Standbein aufbauen müssen.“ Das wäre dann tatsächlich vollkommen neu, denn sein Handwerk hat er von der Pike auf bei der Akademie Deutsche Pop gelernt – die einzige Karte, auf die Hollfelder bisher gesetzt hat.

Und jetzt: „Geht’s gleich wieder so los, dass man drei Sachen am Tag machen könnte“, berichtet der gefragte Soundmann. Daher werde er dieses Jahr auch nur teilweise dem Sinnflut-Stamm-Mischer Kurt Feller zur Seite stehen können.

Außerdem hat Sven Hollfelder zur Zeit auch andere gute Ideen, wie er seine Zeit verbringt. Der 36-Jährige und seine Lebensgefährtin Anastasia Jussel sind gerade Eltern geworden. Die kleine Lea hält sie auf Trab. „Ich bin also bisher a bissl im Vaterschaftsurlaub gewesen.“ Im heißen Musik-Juli 2021 wird er dennoch wieder mehr am Mischpult sitzen. Und hoffen, dass er ab Herbst selbst entscheiden kann, wie viel Zeit er mit Lea verbringt, und nicht wieder ein verdammtes Virus.

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