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Reiher-Orden, Urkunde und Blumen überreichten (v. l.): Dieter Jäckel, Stefan Neumaier, Detlef Felixberger und Thorsten Neidlein vom Narrhalla-Präsidium an Kabarettistin Monika Gruber. Sie freute sich sehr über die Auszeichnung. 

Reiher-Orden-Verleihung 

Ein närrischer Hochgenuss

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Erding - Was die Jecken am Rhein können, das kann die Narrhalla Erding schon lang. Das bewies die Faschingsgesellschaft mit ihrer ersten Festsitzung in der Stadthalle. Sie war ein närrischer Hochgenuss. Der Höhepunkt: die Verleihung des Reiher-Ordens an Kabarettistin Monika Gruber.

130 Akteure, 21 Einlagen, fünf Stunden Programm: Die Narrhalla Erding hat in ihrer ersten Festsitzung alles aufgeboten, was sie ausmacht. Herausgekommen ist ein abwechslungsreicher Abend, der das Publikum in der voll besetzten Stadthalle zu Beifallsstürmen hinriss. Besser gesagt zu Raketen, die die Besucher auf das Kommando von Moderator Gerhard Vogt gerne zündeten.

Viele Gäste waren maskiert erschienen. So sah man Rocker, Hippies, Indianer, Mexikaner, Ritter, Haremsdamen, Engel und Teufel, aber auch einen Frosch und Cindy aus Marzahn. Der Hingucker des Abends war Preisträgerin Monika Gruber in ihrem knallroten Gucci-Kleid.

Sie alle ließen sich anstecken von dem Elan, mit dem die Narrhalla ihr Programm präsentierte. Wie’s geht, hatte sie sich vor zwei Wochen beim Patenverein Rote Funken in Köln zeigen lassen. So saß das Präsidium nach feierlichem Einzug auf der Stadthallen-Bühne. Im Hintergrund ein Luftbild Erdings mit dem als Kasperl verkleideten Frauenkircherl.

Höhepunkt war die Verleihung des Reiher-Ordens an Monika Gruber. Ihr zu Ehren hatte die Narrhalla die Tradition nach 25 Jahren wieder aufleben lassen. Vizepräsident Detlef Felixberger würdigte Gruber als „beste Kabarettistin, die wir momentan haben“. Sie schaue dem Volk aufs Maul, rede im Erdinger Dialekt, habe ein Gespür für Sprache und Worte. Dabei könne sie nicht nur austeilen, „sondern den Spiegel auch sich selbst vorhalten“. Zu ihrer Bodenständigkeit gehöre auch, dass sie nicht in Bogenhausen oder Grünwald, sondern in Erding lebe.

Warum das so ist, erklärte Gruber in ihrer launigen Dankesrede: „Weil hier no normale Leid wohnen und man sich griaßt.“ Sie sei gerne Teil einer Gemeinschaft. Das sei wichtig, denn „sonst ist man ein Niemand und ich will kein Niemand sein.“ Auch mit einigen Gerüchten räumte Gruber auf. So habe sie nicht vor, ihr Haus gegenüber dem Seniorenheim zu verkaufen („I hob scho gwusst, wo i hibau.“) So könne sie einmal im Alter aufs dortige Essen zurückgreifen. Einziehen könne sie nicht, „weil i drin nix zum Saufa kriag“.

Weiter sei sie nicht mit dem Gewandhaus Gruber verwandt – „zumindest nicht so nah, dass ich Prozente kriege“. Es stimme allerdings, dass sie Preißn „einfach ned mog. Des is a bisserl so wia mit de Krähen im Stadtpark. Sie ham immer den Schnabel offen und wenn’s d’as amoi da host, kriagst as nimma los.“

Auf welch tänzerisches Potenzial die Narrhalla bauen kann, wurde bei den Auftritten der Young Stars, der Starlights, der Kinder-, Teenie- und Prinzengarde deutlich. Sie alle üben das ganze Jahr über bei der SpVgg Altenerding mit Cheftrainerin Susann Mair und ihren engagierten Helferinnen, um im Fasching ihr Können zu zeigen. Weitere Glanzpunkte setzten Funkenmariechen Annalena Hennig, Emma Kohlmüller, Seraphina Weber und Christoph Frank. Nicht fehlen durfte auch das Männer-Ballett Lieselotten.

Für Lacher sorgten die Reden des Kinderprinzenpaars – Carolina I. vom Gardetanz und Schützenstand und Xaver I. von Angel und Haken – und des Prinzenpaars Carolina I. von Tönung und Krönung und Ferdinand II. von Jagd und Trieb. Auch der Sketch kam sehr gut an.

Mit einem Best-of begeisterten die Altelfer. Angeführt von den Jäckel-Brüdern Dieter und Andi stimmten Steffen Schadt, Josef Pointner jun., Michi Häberlen und Co. ihre größten Faschingshits aus vergangenen Jahren an. Auch ihr neues, auf OB Gotz umgedichtetes Eros-Ramazzotti-Lied „Der Patrone“ („Hab im Stadtrat null Oppositione“) überzeugte. Ebenfalls stark: Tobias Schemmels Liebeserklärung an „Mei Erding – is de scheenste Stodt der Welt“.

Bejubelt wurde auch Narrhalla-Urgestein Karl „Gschmei“ Schmid als Straßenkehrer Karli. Er hatte in einer Mülltonne das Tagebuch des Oberbürgermeisters gefunden. Der hatte darin unter anderem eine Weltmacht mit drei Buchstaben („ICH“) und einen Termin zum Benefiz-Trachtenjoppenwechseln mit CSU-Stadtrat Schreder notiert, „der öfter in der Zeitung ist als ich“.

Auch das als Kasperl verkleidete Frauenkircherl (Gerhard Vogt) hatte was zu sagen. Es wunderte sich etwa über den 13-Punkte-Plan des Altenerdinger Pfarrers, der seine Schäfchen montags überhaupt nicht sehen will. Da hätten die Erdinger mit ihrem Hirten Glück gehabt. Der tanze sogar beim Gala- und CSU-Ball mit seinen Schäfchen. Außerdem erklärte es den Unterschied zwischen Gut- und Schlechtachter und fürchtete um die Breite der neuen Freisinger Brücke: „Fünf Meter Gehweg, drei Meter Radlweg und für Autos und Stadtbus bleiben noch 2,40 Meter.“ Überhaupt: „Die einzige Straße, die in den letzten 20 Jahren wirklich breiter gebaut worden ist, ist der Weg von den Volleyballplätzen zur Wasserwacht-Villa am Baggerweiher, die so genannte Max-Gotz-und-Siegfried-Ippisch-Huldigungsallee.“

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