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Rund 250 Besucher kamen am Sonntag in den Innenhof von St. Vinzenz, um das Open-Air-Konzert zu erleben.

Konzert des Kammerorchesters

Rekordbesuch bei Klassik unter freiem Himmel

Klettham – Rund 250 Klassik-Liebhaber waren der Einladung des Erdinger Kammerorchesters zu einem Open-Air-Konzert gefolgt. Dabei brillierten zwei junge Solistinnen.

Das Erdinger Kammerorchester ist für seinen Mut, mal wieder ein Open-Air-Konzert zu machen, am Sonntag reich belohnt worden: Bei Konzertbeginn waren rund 250 Besucher im Innenhof von St. Vinzenz. Man hatte den Pfarrsaal ausgeräumt, um die letzten Stuhlreserven zu mobilisieren. Musiker opferten ihre Programme, um Gäste zusätzlich versorgen zu können. Die Akustik in diesem Innenhof ist ausgezeichnet.

Die Musikfreunde erlebten vor allem zwei brillante Solistinnen: Pauline Mayrhofer aus Obergeislbach (Lengdorf) an der Oboe, die schon beim Frühjahrskonzert eine kleine Kostprobe ihres Könnens gegeben hatte, konnte beim Konzert für Oboe und Streicher in F-Dur von Johann Sebastian Bach so richtig zeigen, was sie kann. Und das ist viel. Das Publikum reagierte mit stürmischem Applaus, wohl ahnend, dass mit der erst 14 Jahre jungen Lea Heilmaier aus Altenerding an der Klarinette noch eine mehrfach ausgezeichnete Spitzenmusikerin auf ihren Auftritt wartete. Das Konzert für Klarinette und Streicher in B-Dur von Johann Stamitz wurde mit ihr zu einem wahren Hochgenuss. Aber die junge Musikerin hatte wohl derart viel Freude an einem so großen Publikum, dass sie noch einen drauf legte und die Zugabe gewissermaßen vorzog: „Der einsame Ziegenbock“ op. 89 von Gottfried von Einem (1918-1996) wurde 1991 in Wien uraufgeführt, für das Erdinger Publikum war das Stück wohl neu.

Das ganze Konzert stand unter dem Motto „Nachtmusik“, und es überwogen die Dur-Töne, auch wenn vielleicht den Fußballfans eher nach Moll zumute gewesen sein dürfte nach dem Halbfinale. „Das ist unser Endspiel“ witzelte Orchesterleiter Helmut Veihelmann. Die Musikanten vergeigten nichts. Der Verzicht auf eine Halbzeitpause – bei der Planung hatte man wohl noch mit Deutschland im Finale kalkuliert – rächte sich aber. Die Kirchturmuhr schlug acht. Veihelmann zählte die Glockenschläge für alle deutlich sichtbar mit, hob nach dem achten den imaginären Taktstock, das Orchester begann die Suite für Streichorchester von Peter Warlock, doch dann legte die Kirchenglocke los. Eine Weile spielte das Orchester noch wacker gegen das Geläut an, musste sich dann aber doch der akustischen sakralen Übermacht vom Kirchturm her beugen. Nachdem wieder Ruhe herrschte, fingen sie von vorne an. So etwas nimmt man in Erding mit Humor. Das tat vor allem einer Gruppe unter den Gästen gut: Es waren wieder viele Kinder und Jugendliche gekommen, und sie erlebten, dass klassische Musik eben nicht verstaubt und furchtbar ernst ist. Dass so viele junge Menschen sich für diese Musik begeistern können, ist das Verdienst von Veihelmann und „seinem“ Orchester, für das es eben doch nicht so ganz das „Endspiel“ war: Am Sonntag, 16. Oktober darf man es wieder im Pfarrsaal von St. Vinzenz hören.

Klaus Kuhn

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