Kreisverband der Volks- und Raiffeisenbanken 

Rekorde in der Zinskrise

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Niedrigzinsen, Schuldenkrise rund ums Mittelmeer und Brexit zum Trotz: Die Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis haben ein Rekordjahr hinter sich. Dennoch schauen die fünf Institute nur verhalten optimistisch in die Zukunft.

Erding – Nach acht Jahren haben die Genossenschaftsbanken im Landkreis einen neuen Kreisvorstand: Erstmals stellten Johann Luber von der VR-Bank Erding und sein Stellvertreter Christian Berther von der Raiffeisenbank Erding die Jahresbilanz vor. Wer glaubte, die Null- beziehungsweise Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank würde den Volks- und Raiffeisenbanken die Bilanz verhageln, der irrt. „Das Gegenteil ist der Fall, und wir sind selbst ein wenig überrascht“, gibt Luber zu.

Doch die fünf Institute hätten noch einmal zulegen können – auf allen Gebieten. Für ihn und Berther die wichtigste Kennziffer ist das Betreute Kundenvolumen, die Summe aller Kredite und Geldanlagen. Sie stieg um 323 Millionen Euro beziehungsweise 6,6 Prozent auf 5,22 Milliarden Euro. „Das ist der höchste Zuwachs, den wir jemals erzielt haben. Damit sind wir die Nummer eins im Landkreis“, so Luber. Beide freuen sich über den „großen Vertrauensbeweis der Kunden. Davon profitieren wir Genossenschaftsbanken in besonderem Maße.“

Zu dem guten Ergebnis hat laut Berther nicht zuletzt die rege Bautätigkeit in der Region beigetragen. „Viele der Kredite wurden für Bauvorhaben in Anspruch genommen.“ Bauhaupt- und Nebengewerbe boomten.

Luber und Berther sind überzeugt, dass Bauen angesichts der zerstörerischen Zinssituation von vielen Kunden als Geldanlage genutzt werde. Luber: „Aus ihr kann man langfristig Mieten erzielen. Zudem darf man gerade in unserer Region davon ausgehen, dass die Geldanlage über die Jahre an Wert gewinnt.“

Berther sieht aber auch die Schattenseite: „Letztlich trägt die Zinspolitik der EZB dazu bei, dass bei uns die Grundstücks- und Immobilienpreise immer weiter steigen. Leider hat das auch Auswirkungen auf Mieten und günstiges Wohnen.“ Ein Ende sei nicht absehbar.

Denn es gibt laut Luber keine Anzeichen, dass die Zinsen demnächst wieder steigen. Auch die Genossenschaftsbanken müssen laut Luber Strafzinsen, ein so genannten Verwahrentgelt, erheben. Momentan seien davon Geschäftskunden ab einer Summe von 500 000 Euro betroffen – mit 0,4 Prozent pro Jahr. Dabei geben die Banken lediglich die Belastung weiter, die sie von der EZB auferlegt bekommen.

Dass die Genossenschaftbanken nach wie vor so gut aufgestellt sind, ist für Luber „der Spiegel einer wirtschaftlich unglaublich starken Region“. Der Vorteil der niedrigen Zinsen sei, dass Kredit finanzierte Investitionen erschwinglich seien.

Dennoch fällt der Blick in die Zukunft verhalten aus. Luber und Berther machen keinen Hehl daraus, dass die EZB-Politik an die Substanz gehe. Hinzu komme die überbordende Regulatorik. „Darauf müssen wir reagieren. Einschnitte etwa beim weiter flächendeckenden Service sind nicht zu vermeiden“, stellt Luber klar – im Laufe dieses Jahres mit einer drastischen Entscheidung: Die VR Bank Isen-Sempt und die VR-Bank Erding fusionieren, wie berichtet, zur VR-Bank Erding – allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen, heißt es. Den neuen Vorstand werden Luber, Josef Kern und Friedrich Ziller bilden. Josef Kressirer und Friedrich Reiser gehen in den Ruhestand.

Rubriklistenbild: © Moritz

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