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Für die Bürgerversicherung (v. l.): VdK-Geschäftsführer Thomas Bajcar, Jessica Sossau-Thiede von der Schuldnerberatung der Caritas, Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer und David Schmitt vom DGB Bayern.

SPD

Die Reserven sind aufgezehrt

Erding – Die Rente muss dringend überarbeitet werden. Zu diesem Ergebnis kam ein Fachgespräch, zu dem der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer Experten und interessierte Bürger eingeladen hatte.

Auf dem Podium saßen neben Schurer VdK-Geschäftsführer Thomas Bajcar, Jessica Sossau-Thiede von der Schuldnerberatung der Caritas Erding und David Schmitt vom DGB Bayern.

Bei der üblichen Beratung, so Sossau-Thiede, seit 1993 auf diesem Gebiet tätig, seien Rentner relativ selten. Festzustellen sei aber, dass Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, nicht auskommen. „Die Leute haben einfach nichts mehr, ein kaputter Kühlschrank schmeißt sie völlig aus der Bahn“.

Probleme sah Schmitt auch darin, dass die psychischen Belastungen zuletzt enorm gestiegen seien. „Die Leute schaffen es ja nicht einmal bis 65“, beklagte er. In der gegenwärtigen Wirtschaftslage könne man die Rente stabilisieren und langfristig eine Erhöhung einplanen. Dazu müsste parallel ein Umbau der Erwerbstätigkeitsrente erfolgen. „Das heißt, etwa Beamte zum Beitrag heranzuziehen“, forderte Schmitt.

Das zukünftige Rentenmodell entwarf Schurer. Bislang habe es nur eine kleine Reform gegeben – die Mütterrente und der Ausstieg mit 63. Es bedürfe jedoch einer grundlegenden Änderung. Die Riester-Rente, so Schurer, habe nichts gebracht, denn „die Leute brauchen das Geld zum Leben“. Er denkt an eine Bürgerversicherung wie in der Schweiz, in die sich auch Selbstständige und Beamte einbringen. Der Rentenbeitrag würde schrittweise auf 22 Prozent erhöht. Hinzu komme eine Betriebsrente, die man flexibel erhöhen könne, um ein zweites Renten-Konto zu schaffen. Bei kleineren und mittelständischen Betrieben sowie Selbstständigen, die schon ausreichend belastet sind, müssten Zuschüsse durch den Steuerzahler beglichen werden.

Die Bürgerversicherung, stellte Schurer klar, bedeute jedoch nicht, „dass jeder das Gleiche an Rente bekommt“. Auch müsste man einen Bestandsschutz für die derzeitigen Beamtenverhältnisse einführen. „Die Mindestrente muss jedoch bei 900 Euro liegen und den Lebensstandard sichern.“

Sossau-Thiede fehlte in der Diskussion, dass es kaum noch unbefristete Arbeitsverträge gebe. „Wie kann da das Rentenmodell funktionieren?“

SPD-Stadträtin Jutta Harrer sieht ein Problem in der Demografie. „Jede Generation ist kleiner als die vorangegangene“, erklärte sie, „Arbeitnehmer müssen immer mehr Rentner versorgen“.

Die Alterspyramide bereitet Thomas Bajcar geringere Sorgen. „Weniger Leute produzieren immer mehr. Die wirtschaftliche Leistung ist da.“ Es gehe nur darum, den Kuchen gerechter zu verteilen. Derzeit, so Schmitt und Schurer, „sind viele Ältere nur noch im Job, weil sie es sich nicht leisten können, in Rente zu gehen“.

Gert Seidel

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