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Rettungsleitstelle bleibt in Erding

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Von: Hans Moritz

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Zu klein ist die Integrierte Leitstelle in Erding. Der Standort wird in den kommenden Jahren erweitert – auf Grund des Freistaats beziehungsweise der Polizei. © Hans Moritz

Die Integrierte Leitstelle für alle 112-Notrufe aus den Landkreisen Erding, Ebersberg und Freising bleibt an ihrem Standort im Erdinger „Blaulichtviertel“, wird in den nächsten Jahren aber beträchtlich erweitert. 

Erding - Das beschloss am Freitag der Verband für Rettungswesen und Feuerwehralarmierung (ZRF).

Damit sind zwei Neubaustandorte aus dem Rennen – am Kammermüller Hof zwischen Flughafen und Freising sowie in unmittelbarer Nähe zur Flughafentangente Ost im Norden von Erding. Beide wären nicht nur deutlich teuer gekommen. Es hätte auch das Risiko bestanden, dass ein – privater – Betreiber die europaweite Ausschreibung gewinnt.

Vor der ZRF-Sitzung lag Spannung in der Luft. Im September vergangenen Jahres hatte der Freisinger Landrat Helmut Petz den Kammermüller Hof vorgeschlagen – weil dort das neue Servicezentrum der Freisinger Feuerwehren entsteht, viel Platz und eine gute Anbindung vorhanden ist. Petz war es aber auch, der am Freitag den Vorschlag wieder einkassierte – zu teuer, mit zu vielen Unwägbarkeiten behaftet. „Wir dürfen nicht überflüssig Geld ausgeben“, meinte er.

Zuvor hatte Matthias Huber von der Liegenschaftsverwaltung im Erdinger Landratsamt Berechnungen für alle drei Standorte vorgestellt. Die Kosten für die Erweiterung des Bestands zwischen Polizei und BRK in Erding bezifferte er mit 7,5 Millionen Euro, die Neubauten in Erding und Freising mit 11,6 beziehungsweise 10,9 Millionen Euro.

Erdings Landrat Martin Bayerstorfer erklärte, er könne nicht auf dem Gebiet eines anderen Landkreises bauen. Für den Fall Kammermüller Hof würde das bedeuten: Es müsste der Landkreis Freising sein. „Dann muss aber eine europaweite Ausschreibung erfolgen. Der Zuschlag an einen privaten, externen Betreiber könnte nicht ausgeschlossen werden“, so Bayerstorfer. Der ZRF wäre dann in fremder Hand. Hinzu käme, dass der ZRF in dem Fall den Vertrag mit dem Landkreis Erding als Betreiber der Leitstelle kündigen müsste. In der Folge hätte Erding Anspruch auf die Erstattung aller noch offenen Abschreibungen. Konkret seien das 1,24 Millionen Euro.

Petz und Bayerstorfer wiesen darauf hin, dass der Freistaat am bestehenden Standort den erforderlichen Grund vergleichsweise günstig abtreten werde. Das hatte Innenminister Joachim Herrmann voriges Jahr bei einem Besuch zugesichert.

In Erding wird die Leitstelle nun um 1060 Quadratmeter erweitert. Bayerstorfer erklärte, dass nicht nur der ZRF mehr Platz benötige. „Wir sind auch verpflichtet, eine Möglichkeit zu schaffen, dass bei einem Ausfall der Leitstelle Landshut der Betrieb von Erding aus aufgenommen werden kann – und umgekehrt.“

Anton Frankl, Verbandsrat aus Freising, wäre ein Neubau lieber gewesen. Er fürchtet Flickschusterei, zumal es in Erding Parkplatzprobleme gebe. Hinzu komme: „Wann brauchen wir die nächste Erweiterung und dann vielleicht einen Neubau?“ Bayerstorfer erwiderte: „Die nächsten 15, 20 Jahre sind wir gut aufgestellt.“ Die gleichen Bedenken äußerte Gerhard Betz. Beide sprachen auch das Problem der Bauarbeiten und des Leitstellenbetriebs in dieser Zeit an. ILS-Chef Hubert Maier sagte: „Das bewegt uns auch. Wir setzen auf die Erfahrung der Planer.“

Künftig werde es nicht sechs, sondern neun Abfrageplätze geben. Die Erreichbarkeit dürfe nicht gefährdet sein. Deswegen werde es auch einen neuen Disponentenraum geben, der vor einem Umzug fertig sein müsse. Betz und Frankl stimmten am Schluss dennoch als einzige gegen diese Lösung.

Darüber hinaus beschloss die Versammlung mehrere Maßnahmen, um die Notfallrettung in der Region zu verbessern – und setzt dabei auf ehrenamtliche Kräfte. Die Feuerwehr Dietersheim darf nun auch offiziell eine First-Responder-Gruppe ausrücken lassen, wenn der Rettungsdienst nicht schnell genug vor Ort sein kann. Einsatzbereit sind die Feuerwehr-Sanitäter montags bis freitags von 18 bis 9 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr. Die gleichen Zeitfenster decken die Helfer vor Ort (HvO) ab, die der BRK-Kreisverband Freising in Eching stationiert. Beide Einheiten sind seit Jahresbeginn alarmbereit.

Und in Dorfen erhöht der ZRF die Einsatzstunden des Notarztfahrers. Weil das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) dort immer öfter und länger im Einsatz ist, beantragte der BRK-Bezirksverband Oberbayern eine Erhöhung von 142 auf 165 Wochenstunden. Der Beschluss der Versammlung gilt rückwirkend seit Jahresbeginn. Die Krankenkassen als Kostenträger haben zugestimmt.

ham

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