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Richter schickt Thermen-Furie ins Gefängnis

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Von: Hans Moritz

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Auf dem Parkplatz vor der Therme begann der Polizeieinsatz, den einer der Beamten als schlimmsten seiner Karriere bezeichnete.
Auf dem Parkplatz vor der Therme begann der Polizeieinsatz, den einer der Beamten als schlimmsten seiner Karriere bezeichnete. © Hans Moritz

Unter Drogen- und Alkoholeinfluss hat eine Frau (33) in und vor der Therme Erding randaliert. Dafür bekam sie jetzt vor Gericht die Quittung: Die muss zehn Monate in Haft.

Erding – Den Einsatz am Nachmittag des 21. November 2019 werden vier Beamte der Erdinger Polizei nicht so schnell vergessen. Sie wurden wegen einer randalierenden Frau in die Therme gerufen. Die beiden Streifenbesatzungen trafen dort auf eine Furie. Stundenlang brüllte sie herum, stieß wüste Beleidigungen aus, biss zwei Beamten in die Hände, tobte im Streifenwagen und führte sich bei der Blutentnahme im Klinikum so auf, dass der Arzt „maximale Renitenz“ in seinem Bericht notierte.

Von Amtsrichter Andreas Wassermann bekam die Münchnerin nun die Quittung: Weil es bereits die fünfte Verurteilung ist, muss die 33-Jährige für zehn Monate ins Gefängnis – ohne Bewährung. Genau das hatte Staatsanwältin Sandra Belling gefordert. Auch die dreieinhalbstündige Verhandlung – zum ersten Termin war die Angeklagte unentschuldigt nicht erschienen, woraufhin das Gericht eine Vorführung durch die Polizei angeordnet hatte – verlief alles andere als spannungsfrei. Nachdem Pflichtverteidiger Christian Finke in Bezug auf Bellings Argumentation das Wort „dumm“ fallen gelassen hatte, rief ihn Wassermann zur Ordnung. Weil es Differenzen gab, was der Anwalt mit „dumm“ gemeint hatte, wollte dieser den Vorsitzenden für befangen erklären lassen. Die Staatsanwältin winkte genervt ab, und nach einer Verhandlungspause beruhigten sich alle wieder.

Die Münchnerin hatte an dem November-Tag alleine die Therme besucht. Nach ein paar Saunagängen gingen die Darstellungen auseinander. Die 33-Jährige erklärte, sie habe sich von einem unbekannten Gast belästigt gefühlt. Es kam zum Streit, sie wurde laut – und vom Personal vor die Tür gesetzt. Auf dem Bon der Therme standen vier Halbe Bier. Der Alkotest ergab allerdings einen Wert von 2,4 Promille. Die Frau räumte ein, schon am Abend vorher „bis zum Sonnenaufgang“ getrunken zu haben, Bier und Jägermeister.

Die Blutprobe wies aber auch den Konsum von Marihuana und Kokain nach. Beides gönnt sich die arbeitslose Mutter zweier fünf und zehn Jahre alter Kinder bis heute.

Dieser Mix ließ sie offensichtlich austicken. Die Schichtleiterin der Therme berichtete im Zeugenstand: „Die Frau saß erst weinend vor der Kasse, weil sie kein Geld dabei hatte. An sich ist das nicht schlimm. Denn dann schicken wir eine Rechnung.“ Weil sich die 33-Jährige allerdings auch nicht ausweisen konnte, teilte ihr die Angestellte mit, die Polizei zu rufen. „Das hat sie zunächst auch akzeptiert“, erinnerte sich die Zeugin. „Anfangs hat sie mir eher leid getan.“ Doch dann sei sie wie im Wahn nach draußen gelaufen und habe sich auf dem Parkplatz hinter einem Auto versteckt.

Verteidiger Finke versuchte, die Schuld auf die Polizeibeamten abzuladen. „Der Einsatz war nicht gerechtfertigt, ebenso wenig die Blutentnahme.“ Sie hätten überreagiert.

Die Schutzmänner lieferten eine andere Version. Die 33-Jährige sei kaum ansprechbar gewesen, habe nur gebrüllt und beleidigt. Auf dem Weg in den Streifenwagen und im Klinikum habe sie „Widerstand geleistet, wie ich es in meiner Karriere noch nicht erlebt habe“, sagte einer der Beamten aus. „Wir mussten sie wegtragen, dabei hat sie zwei von uns gebissen“, berichtete ein Kollege. Nicht einmal in der Zelle habe sie sich zunächst beruhigen wollen.

Die Verhandlung ergab, dass die 33-Jährige zum damaligen Zeitpunkt alkoholabhängig war und immer wieder zu Drogen und verschreibungspflichtigen Medikamenten griff. Sie begründete das mit ihrer schwierigen persönlichen Lage. An den Nachmittag habe sie nur bruchstückhafte Erinnerungen. Immerhin: Bei einem Opfer ihrer Beißattacke entschuldigte sie sich.

Staatsanwältin Belling forderte zehn Monate Haft ohne Bewährung. „Ein Jahr vor der Tat sind Sie wegen einer ähnlichen Tat zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden“, zitierte sie aus dem Bundeszentralregister. Dort sind vier Verurteilungen seit 2017 wegen Drogenmissbrauchs, Beleidigung, Bedrohung und tätlichen Übergriffs auf Polizisten gelistet.

Verteidiger Finke meinte, eine Geldstrafe von 2400 Euro sei ausreichend. Sollte das Gericht eine Haftstrafe verhängen, dann nur zu Bewährung. Schließlich habe auch der Gutachter eine verminderte Einsicht- und Steuerungsfähigkeit wegen der Alkoholisierung erkannt. Die Bewährungszeit sei mit einer Therapie zu verbinden.

Richter Wassermann folgte dem Antrag Bellings. Die Angeklagte zeige keinerlei Einsicht in ihr Konsumverhalten. Eine Bewährung werde nicht dazu führen, „dass Sie sich ihrem Problem stellen“. Er sehe bei ihr keine günstige Sozialprognose.

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