+
Kampf dem Leerstand: Uwe Ritschel hat Tipps für die Geschäftsleute.

Serie: Digitalisierung im Landkreis

Ritschels Ratschläge gegen leere Läden

Die Innenstädte sollen nicht aussterben, aber seit Jahren kämpfen große Kaufhäuser, wie Karstadt oder Galeria Kaufhof, ums Überleben – auch wegen des Booms im Internethandel. Uwe Ritschel (71) aus Ottenhofen war sein ganzes Arbeitsleben bei Galeria Kaufhof.

Erding – Seit acht Jahren ist er in Rente. Trotzdem beschäftigt er sich weiter damit, was der Einzelhandel besser machen könnte, um gegen den Internet-Boom anzukämpfen. Seine Vorschläge: Die Händler müssten mehr zusammenarbeiten, kostenloses WLAN in der ganzen Stadt und „schöneres“ Licht in größeren Umkleidekabinen bieten.

In den 70er-Jahren waren große Warenhäuser beliebt, „weil es da alles unter einem Dach gab und wir jede Woche andere Aktionen hatten – ein Kaufhaus war da wie ein Zirkus“, sagt Ritschel. Aber dann kamen die Einkaufszentren auf der grünen Wiese: „Da haben die Leute auf einmal ihren Einkauf für eine ganze Woche erledigt.“ Und Jahrzehnte später eine weitere Herausforderung: der Internethandel. Seitdem gehe es bergab für den Einzelhandel in der Innenstadt. Doch es gebe Lösungen, glaubt Ritschel.

Als Rentner hat er Fortbildungen bei der CIMA gemacht, einer Organisation zur Wirtschaftsförderung, und er war jahrelang in der Erdinger Händler-Interessengemeinschaft Ardeo: „Die Händler vor Ort müssten sich mehr zusammentun“, sagt Ritschel. Zum Beispiel könnten sie City-Gutscheine einführen, also Gutscheine, den die Kunden nur in Erdinger Geschäften einlösen können. Außerdem könnten sie eine gemeinsame Internet-Plattform aufbauen. „Da könnten sie auch zeigen, welche Waren sie in ihren Läden haben.“ Oft kauften die Leute nur im Internet, „weil sie da wissen, dass sie dort genau die gewünschte Jacke bekommen“. Manchmal gebe es die aber auch nur wenige Meter von ihnen entfernt in der Innenstadt.

Außerdem fordert Ritschel: „Wir brauchen in der Innenstadt flächendeckendes WLAN“, denn wenn der Verbraucher etwas auf der Shoppingtour googeln will, dann brauche er schnelles Internet.

Ein weiteres Sorgenkind für Ritschel: die Umkleidekabinen in manchen Geschäften. „Die meisten Leute kaufen nur im Internet, damit sie sich nicht in die Umkleidekabine reinzwängen müssen“, sagt er. Aber die seien oft nicht nur viel zu klein, sondern: „Das Licht ist dort manchmal furchtbar.“ Er schlägt rötlicheres Licht vor: „Da sieht man dann so aus, als würde man gerade aus dem Urlaub kommen.“

Außerdem wollten Kunden im Geschäft nicht nach dem Grund gefragt werden, wenn sie etwas umtauschen wollen, sagt Ritschel: „Im Internet ist das ganz einfach, da kann man einfach alles zurückschicken“ – da könnten sich die Geschäfte eine Scheibe abschneiden. Und noch ein Tipp vom Einzelhandels-Experten: „Die Geschäfte vor Ort müssten sich auf Facebook und Instagram präsentieren“, sagt er: „Wenn ich dann zum Beispiel Wolle brauche, dann denke ich gleich wieder an den Facebook-Post vom Nähgeschäft.“

Anna Schwarz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus - Flughafen München in der Krise: Lage schlimmer als nach dem 11. September?
Der Flughafen München steckt wegen des Coronavirus in einer schlimmen Krise. Echte Besserung lässt wohl deutlich länger auf sich warten als nach dem 11. September 2001.
Coronavirus - Flughafen München in der Krise: Lage schlimmer als nach dem 11. September?
Coronavirus im Landkreis: Fliegerhorst-Notfallklinik nächste Woche bereit – Newsticker
Das Coronavirus breitet sich in Erding weiter aus. Mittlerweile gibt es 210 Infizierte im Landkreis. Die Fliegerhorst-Notfallklinik ist nächste Woche bereit.
Coronavirus im Landkreis: Fliegerhorst-Notfallklinik nächste Woche bereit – Newsticker
180 Euro fürs Leserhilfswerk von den Ottenhofener Minis
Selbst gebastelte Papiersterne, Schokofrüchte und gebrannte Mandeln. 180 Euro aus dem Erlös des Weihnachtsmarkts spendeten Ottenhofens Ministranten an Licht in die …
180 Euro fürs Leserhilfswerk von den Ottenhofener Minis
Kommentar: Verheerendes Krisenmanagement
Falscher Zeitpunkt, fehlende oder verweigerte Bürgerinformation und eine Lösung, die nicht realisierbar erscheint. Bei der Kehrtwende in Sachen Hochwasserschutz für …
Kommentar: Verheerendes Krisenmanagement

Kommentare