Zankapfel Rotkreuzstraße: Das Rechtsabbiegeverbot ignorieren viele Anwohner. foto: schwarzkugler

Rotkreuzstraße: Neuer Ärger ums Abbiegeverbot

Erding - Das Rechtsabbiegeverbot an der Rotkreuzstraße erhitzt seit Jahrzehnten die Gemüter in Erding. Jetzt hat die Polizei wieder kontrolliert und 22 Falschfahrer verwarnt.

Seit Mitte der Achtziger Jahre gilt an der Rotkreuzstraße stadteinwärts ein Linksabbiegegebot. Das heißt, die Anwohner müssen, so die Beschilderung, aus dem Wohngebiet über die Gerberstraße auf die Taufkirchener Straße (B 388) ausfahren. Daran halten sich nur die wenigsten.

Am Mittwochfrüh hat die Polizei an der umstrittenen Stelle kontrolliert. Zwischen 8.10 und 9 Uhr seien 22 Beanstandungen festgestellt worden, so Anton Altmann, Chef der Polizeiinspektion Erding. Nach Aussage dreier betroffener Falschfahrer seien sie mit einem Verwarnungsgeld von 20 Euro belegt worden. Der Bescheid werde ihnen per Post zugeschickt. Altmann geht allerdings davon aus, dass nach der gültigen Bußgeld-Kennziffer nur zehn Euro fällig werden.

Sei’s, wie’s ist: Der Ärger ist groß. Viele Anwohner in Williamsville können nicht nachvollziehen, warum sie - auf dem Weg zu Arbeit, Schule oder Kindergarten - den Umweg über die Gerber- und Taufkirchener Straße machen sollen. Auch polizeiintern gibt es Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Regelung.

Gerade zur morgendlichen Hauptverkehrszeit komme es an den Ampeln an der Taufkirchener Kreuzung und stadteinwärts auf Höhe Dorfener Straße zu erheblichem Verkehrsaufkommen, sagt ein Anlieger, der namentlich nicht genannt werden möchte. Teilweise warte man fünf Minuten, bis man aus der Gerberstraße auf die Taufkirchener Straße einbiegen könne, sagt ein anderer. Die oberhalb des Rechtsabbiegeverbotes lebenden Anwohner fühlen sich von der Stadt benachteiligt. „Warum werden so viele Mühen gemacht, um die untere, aber nicht die obere Hälfte zu schützen?“, fragt ein Anlieger.

Als der Bebauungsplan für das Gebiet an der Taufkirchener Straße 1982 aufgestellt wurde, war Gerd Vogt (CSU) Bürgermeister von Erding. Damals gab es an der unteren Rotkreuzstraße vier Anwohner. Sie hatten wegen der Erschließung Beschwerden gegen das neue Baugebiet vorgebracht. Vogt sagte damals zu, dass der Durchgangsverkehr über die untere Rotkreuzstraße nicht zugelassen werde. Darüber sei auch im Stadtrat beraten worden. Dies könne in den Protokollen nachgelesen werden, sagte Vogt gestern zur Heimatzeitung. Man habe beschlossen, die Erschließung aus Rücksicht auf die Altanwohner lüber die Gerber- und Schäfflerstraße zu führen. So ist es zur jetzt gültigen Lösung gekommen.

„Ich sehe es heute noch als richtig an“, steht Vogt zu dieser Entscheidung: „Es ist verständlich, dass die Neubürger den kürzesten Weg wollen. Aber heute nimmt niemand mehr auf den anderen Rücksicht. Jeder möchte, was aus seiner Sicht das Richtige ist.“

Seit ihrer Gründung 2007 kämpft die Wählergruppe Erding Jetzt darum, die Regelung zu kippen. Vor zwei Jahren hat die Fraktion mit Hans Egger an der Spitze einen Antrag gestellt, das Thema erneut im Stadtrat zu behandeln. Darauf wartet Egger bis heute. Wiederholt ist er vertröstet worden. „Es mag schon sein, dass damals zugesagt wurde, die Altanwohner zu schützen“, sagt Egger. Aber es sei nicht korrekt, 1000 Anlieger dahinter auszusperren. „Das ist einfach eine Zumutung.“ (zie)

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