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Zukunftsvision: Die S-Bahnen rauschen durch Erding – freilich durch einen Tunnel zwischen Stadtpark im Süden und Kehr im Norden. Stadt und Staat haben sich auf die Kostenaufteilung verständigt – eine historische Entscheidung.

S-Bahn-Ringschluss

Erding zahlt für Tunnel 40 Millionen Euro

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Für den Bau des S-Bahn-Ringschlusses hat der Stadtrat eine wichtige Weiche gestellt: Erding beteiligt sich mit bis zu 40 Millionen Euro an dem Tunnel unter der Stadt. Am 7. August wird die Finanzierungsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern unterschrieben.

Erding - Der S-Bahn-Ringschlusses ist ein Beispiel dafür, dass Kommunen sehr wohl erfolgreich Einfluss auf die Planung des Freistaats nehmen können. Wenn die Schienenverbindung zwischen Erding und dem Flughafen eines Tages tatsächlich gebaut werden sollte, dann so, wie es sich die Kreisstadt vorstellt.

Mit Beharrlichkeit hat das Gremium unter der Verhandlungsführung von OB Max Gotz (CSU) nicht nur die Trasse bestimmt – die S-Bahnen fahren auf dem bestehenden Gleis in den neuen Bahnhof im Fliegerhorst ein und verlassen die Stadt unterirdisch –, sondern auch die Länge des Tunnels. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass der Übergang Haager Straße erhalten bleibt und die Züge erst im Bereich des heutigen Bahnhofs abtauchen.

Erding ist es nicht zuletzt nach einer Demo im September 2015 gelungen, Bahn und Freistaat einen Tunnel abzutrotzen, der 200 Meter länger ist und bis in den Stadtpark reicht. Erding wird folglich nicht mehr durchschnitten.

Jetzt ist dieses Vorhaben auch mit Zahlen hinterlegt. Die Kosten für den insgesamt rund 600 Meter langen Tunnel beziffert der Staat mit rund 100 Millionen Euro. Gotz hat seinen Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung darüber abstimmen lassen, dass Erding 30 bis 40 Millionen Euro übernimmt.

„Es ist ein großer Meilenstein, dass uns das gelungen ist“, berichtet Gotz, der froh ist, „dass wir hier in Erding an einem Strang ziehen“. Dieses „starke Signal“ sei in München angekommen. Zugleich lobt er Innenminister Joachim Herrmann (CSU), „der einmal mehr sehr kommunalfreundlich entschieden hat“.

Zum Procedere erklärt der OB, „dass wir den Betrag in die nächsten vier Haushalte einstellen werden“. Er erinnert daran, „dass die Politik wegen des Ringschlusses und der Nordumfahrung in den vergangenen Jahren die Rücklagen kontinuierlich aufgefüllt hat“.

Und Gotz stellt klar, dass Erding keine Unwägbarkeiten eingehe: „Wir haben eine Klausel im Vertrag, dass der Betrag festgezurrt ist. Sollte es in den kommenden Jahren zu bauzeitbedingten Preissteigerungen kommen, müssen wir diese nicht mittragen.“

Weiter betont er, dass Erding seine Schatzkammer nicht plündern müsse. „Auch in Zukunft können wir unsere Pflichtaufgaben und zahlreichen freiwilligen Leistungen erfüllen.“ Es gebe zudem keinerlei Anzeichen, dass die Gewerbesteuereinnahmen dank einer boomenden Wirtschaft einbrechen. Man nehme den Millionenbetrag ohnehin vom Angesparten.

Für den Abschnitt zwischen dem Flughafen – dort wartet einen Tunnel bereits auf den Anschluss – und der nördlichen Erdinger Stadtgrenze soll der Planfeststellungsbeschluss noch heuer ergehen. Im Stadtgebiet, das gibt Gotz zu, „haben die Umplanungen viel Zeit und Geld gekostet“. Aus Gesprächen mit dem Staat und der Bahn berichtet der OB, „dass die Unterlagen fürs Genehmigungsverfahren im Frühjahr 2018 dem Eisenbahnbundesamt übergeben werden sollen. 2020 oder 2021 könnte dann ein Beschluss vorliegen. Klagen dagegen sind laut Gotz nicht auszuschließen.

Es wird also noch einige Zeit dauern, bis mit dem Bau begonnen wird. Fraglich ist, ob der Ringschluss in die Projektliste fällt, die Minister Herrmann erst nach Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke anpacken will. Nicht vor 2026 sollen hier die ersten Züge rollen.

Gotz spricht von einem großen Erfolg und einem historischen Durchbruch. Dennoch könne man jetzt nicht die Hände in den Schoß legen. Erstens muss das bestehende Erdinger Bahnhofsareal überplant werden. Die Endhaltestelle wird aufgelöst. Die Bahn – auch das hat Erding erreicht – investiert Teile der Erlöse der Umwandlung in einen neuen Stadtteil in den Ringschluss. Zweite große Baustelle: Dem neuen Fliegerhorstbahnhof, den eines Tages auch die Regionalzüge via Walpertskirchener Spange ansteuern sollen, muss der Weg bereitet werden. „Als nächstes stehen unter anderem Verhandlungen mit dem Bund über Grundstücke und Ausgleichsflächen an.“

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