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Publikumswirksame Archäologie: Im vorigen August erkundeten viele Bürger die Ausgrabungen des Königshofs in Altenerding.

Sachstand zum Forschungsprojekt „Erding im ersten Jahrtausend“ 

Erding: „Hotspot der Frühmittelalterforschung“

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Erding als „Hotspot“ der archäologischen Forschung: Prof. Dr. Bernd Päffgen von der LMU München berichtete im Stadtrat vom Projekt „Erding im ersten Jahrtausend“. Mit den Forschungsergebnissen ist die Herzogstadt international in Fachpublikationen vertreten.

Erding Vor gut 50 Jahren wurde Erding zum „Hotspot der Frühmittelalterforschung“: So beschrieb Prof. Dr. Bernd Päffgen im Stadtrat, was nach der Entdeckung des bajuwarischen Reihengräberfelds in Klettham passierte. Der Professor vom Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gab einen Sachstandsbericht zum Forschungsprojekt „Erding im ersten Jahrtausend“, das seit rund fünf Jahren läuft und „durch die Förderung der Stadt Erding erst möglich wird“.

50 000 Euro ist der Stadt die Erforschung ihrer Vergangenheit wert, weitere Unterstützung kommt von der Uni München, vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, von der Archäologischen Staatssammlung und sogar von einer Universität aus Wisconsin in den USA: Professor Leslie Williams werde mit ihren Studenten heuer für weitere Forschungen zum karolingischen Königshof nach Erding zurückkehren, sagte Päffgen.

Hinzu kommt vor Ort die Unterstützung von Museum Erding und Archäologischem Verein Erding. Konkret beschäftigen sich die am Projekt beteiligten Forscher mit sechs verschiedenen Themen. Neben weiteren Forschungen rund ums Reihengräberfeld und den Königshof mit der Peterskirche geht es unter anderem ums Mittelalter.

„Wir wollen das Mittelalter beleuchten, auch im Hinblick auf das Stadtjubiläum 1228. Da können wir Daten zur Verfügung stellen, die es ansonsten so nicht gibt“, sagte Päffgen.

Der Wissenschaftler hatte einige Beispiele aus der aktuellen Forschung dabei, darunter Neues zu den mehr als 10 000 Perlen, die man im Reihengräberfeld gefunden habe. „Die sind alle noch nicht bearbeitet, da sind wir zur Zeit dran.“ Im Rahmen einer Masterarbeit habe kürzlich eine Studentin die Lagebefunde all dieser Perlen untersucht. „Das kann man in Zukunft mit weiteren Gräberfeldern vergleichen. Klettham wird hier immer als Referenz gebraucht.“

Eine weitere Erkenntnis der Forscher ist, dass es so häufig wie in Klettham in keinem anderen Gräberfeld Grabüberschneidungen gebe. „Schon damals war der Raum nicht unbegrenzt, und offensichtlich wollte man auch in der Nähe der Verwandten bestattet werden“, erklärte Päffgen die bis zu fünf Nachbestattungen in einem Grab. „Das sind ganz neue Erkenntnisse, denn das hat in den 80er Jahren nicht interessiert“, sagte er.

Der Professor ging auch auf die künstlich deformierten Schädelknochen ein, von denen insgesamt sechs im Gräberfeld gefunden worden seien (wir berichteten). „Damit ist Klettham wiederum Spitzenreiter in Deutschland“, sagte der Experte, der gemeinsam mit 18 weiteren Autoren über dieses Thema in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America publiziert hat – „die viertwichtigste wissenschaftliche Zeitschrift der Welt“, so Päffgen: „Das ist Spitzenforschung aus Erding.“

Nicht in die weite Welt, aber immerhin nach Berlin schaffen es Funde aus einer spätantiken Grabgruppe, die bei der Erschließung des Gewerbegebiets in Erding-West entdeckt worden seien. Diese Funde seien derart prominent und in der internationalen Archäologenszene bekannt, dass sie in die Berliner Landesausstellung zum European Cultural Heritage Year gehen.

„Bis zum Stadtjubiläum 1228 werden wir einen ganz besonderen Forschungsstand erreicht haben. Das ist wichtig, weil es keine Stadtgründungsurkunde gibt. Von daher kann die Archäologie hier sehr viel erbringen“, sagte Päffgen. Er sei gespannt, welche Beweise bis 2028 noch kommen, „dass die Stadtgründung auch richtig ist“, meinte Max Gotz (CSU) zu diesem Thema.

Über die aktuellen Forschungsergebnisse werde die Öffentlichkeit laufend informiert – in den Erdinger Sommersymposien zum Beispiel. Nächster Termin ist der 21. Juli. Daneben seien einige Publikationen geplant, heuer zum Beispiel zu den Grabzeichnungen. „Ganz am Ende wollen wir eine populäre Übersichtspublikation liefern“, blickte Päffgen voraus und erklärte: „Die anderen sind mehr für die Fachwelt.“

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