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Der Herr der Säfte ist seit knapp einem Jahr Alexander Jesina. Er ist Geschäftsführer von Wolfra.

Saftkelterei Wolfra

Zwei Drittel der Obsternte sind zerstört

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Kein leichtes erstes Jahr hatte der neue Wolfra-Geschäftsführer Alexander Jesina. Die Ernte ist ein nach Wetterkapriolen das ganze Jahr über ein Reinfall. Dennoch hat der 56-Jährige der Kelterei bereits seinen Stempel aufgedrückt.

Erding - Alexander Jesina hatte sein Büro an der Justus-von-Liebig-Straße gerade erst bezogen, da sah er das Unheil schon kommen. Eine starke Frostperiode im April zerstörte vielerorts die Apfelblüte. Ein heftiger Sturm im August tat dann sein übriges: Die bayerische Apfelernte ist eine der schlechtesten seit Jahren. „Der Ausfalls beträgt zwei Drittel bis drei Viertel. Es ist eine Katastrophe“, sagte Jesina im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch die Anlieferung von Obstbauern aus dem Erdinger Land habe heuer deutlich nachgelassen.

Einbrüche gab es auch bei der Rhabarber-, Kirsch- und Traubenernte. Das werde auch Auswirkungen auf die Wintergetränke, etwa die Punsch-Sorten, haben.

Dennoch kann sich der Kunde laut Jesina darauf verlassen, die grünen Mehrweg-Kisten mit den Literflaschen im Handel zu finden. „Zum Glück haben wir eine vorausschauende Lagerhaltung und große Tanks“, sagt Jesina. Auch mit einem Preissprung müsse niemand rechnen. „So stabil müssen wir in der Lebensmittelproduktion sein“, meint der Geschäftsführer.

Dennoch werde Wolfra die schlechte Saison spüren. „Grundsätzlich verfolgen wir den Weg weiter, auch eine Saft-Manufaktur mit hochwertigen sortenreinen Apfelsäften zu sein“, versichert Jesina. Aber bei solchen Ausfällen müsse man hier Abstriche machen. Nur vorübergehend, „denn der Trend hält an, dass immer mehr Kunden hochwertige Produkte haben wollen und dafür auch zu zahlen bereit sind“.

In der Zukunft soll Wolfra ein noch regionaleres Unternehmen werden, als es heute schon ist. Jesina setzt den Kurs seines Vorgängers Siegfried Bauers fort, mit Erzeugern aus der Region noch enger zusammenzuarbeiten. 2000 Apfelbauern sind bereits an die Kelterei gebunden. Künftig will Wolfra auch die Rhabarber-Produktion ganz nah ans Unternehmen binden – mit Vertragslandwirten.

Auch in die Technik hat Jesina investiert. Eine von zwei neuen Flaschen-Prüfananlagen ist bereits im Betrieb, die Zweite folgt im Frühjahr. Zudem bekommt Wolfra eine neue Verpackungsanlage. Denn im Frühjahr 2018 verlagert der Mutterkonzern Valensina die Zitrussaft-Marke Hitchcock nach Erding.

Wolfra zählt 67 Mitarbeiter und produziert im Jahr 14 bis 15 Millionen Liter Säfte. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 25 Millionen Euro. Auf einen neuen Kunden ist man bei Wolfra besonders stolz: der Bundestag.

Das ist der neue Geschäftsführer:

Am 1. Dezember 2016 kam Alexander Jesina zu Wolfra. Den ersten Monat wurde er von seinem Vorgänger Siegfried Bauer eingearbeitet. Jesina wurde am 31. Dezember 1960 in München geboren und wuchs hier auf. Schon als junger Mann interessierte er sich für Lebensmittel – er jobbte unter anderem bei Feinkost Käfer.

In Freising studierte Jesina Brauwesen und Getränketechnologie und schloss als Diplom-Ingenieur ab. Seine ersten beruflichen Erfahrungen sammelte Jesina bei einem Maschinenbauunternehmen für Brauereien. Danach ging er für fünf Jahre zur Eichbaum-Brauerei nach Mannheim, ehe ihn der Heilige Berg rief. 13 Jahre lang war der heute 56-Jährige Direktor der Klosterbrauerei Andechs. 2005 machte ihn Wiggerl Hagn zum Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands, ehe Jesina wieder direkt in die Produktion zurückkehrte: erst bei der Brauerei Fürst Wallerstein und danach in die Münchner Großmarkthalle. 2013 machte er sich kurz selbstständig und begleitete eine kleinere oberbayerische Brauerei beim Generationswechsel. „Ich habe ein Faible für hochwertige Lebensmittel“, gesteht Jesina. Deswegen sei er bei Wolfra auch genau richtig.

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