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Vor vollem Haus gewann Sara Brandhuber aus Zustorf den 6. St. Prosper-Kabarettpreis. Sie vereinte die meisten Stimmen aus Jury und Publikum auf sich.

6. St. Prosper-Kabarettpreis

Sara Brandhuber: Die doppelte Siegerin

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Sara Brandhuber aus Zustorf ist die Gewinnerin des 6. St. Prosper-Kabarettpreises. Es war schon ihr zweiter Erfolg in nur einer Woche. Wenige Tage zuvor hatte Minister Markus Söder eine Laudatio auf sie gehalten.

Erding– Den März 2017 wird Sara Brandhuber als irren Monat in Erinnerung behalten. Erst bringt die 28-Jährige ihren Sohn Quirin zur Welt, drei Wochen später ist sie zweifach ausgezeichnete Kabarettistin und Liedermacherin. Am Freitagabend nahm sie den Hunter Club im Sturm und gewann den 6. St. Prosper-Kabarettpreis. Nur wenige Tage zuvor hatte sie in der Münchner Residenz den Dialektpreis Bayern entgegengenommen. „Die anderen Preisträger waren lauter Leut’, die scho Wikipedia-Einträge haben – der Willy Michl, Waltraud & Mariechen. Dazwischen i“, erzählt die Zustorferin vollkommen ungläubig.

Ihr Geld verdient die 28-Jährige bisher als Sozialpädagogin in der Psychiatrie in Taufkirchen. Nach längerer Rockband-Erfahrung hatte sie erst 2015 den ersten Solo-Auftritt mit ihren lebensfroh-hinterfotzigen Liedern. „Dann kam die Schwangerschaft“, erzählt sie – und damit auch der Gedanke, ob das mit der Musik als junge Mutter noch was wird.

Doch mitten in der Schwangerschaft klingelte das Telefon: Hier sei das Bayerische Heimatministerium. Sie habe den mit 1000 Euro dotierten Dialektpreis Bayern für den Regierungsbezirk Niederbayern gewonnen. „Ich hab das erst nicht geglaubt und gesagt: Des will i schriftlich“, berichtet die Liedermacherin, die in Kumhausen bei Landshut aufgewachsen ist und seit eineinhalb Jahren mit ihrem Mann Thomas Sandner in Zustorf lebt. Sie habe sich ja auch nirgends um einen Preis beworben.

Später erfuhr Brandhuber, dass eine Mitarbeiterin des Kulturreferats im Bezirk Niederbayern einen Auftritt von ihr gesehen und sie vorgeschlagen hatte. Den doppelten Erfolg sieht die Liedermacherin als Zeichen. „Anscheinend war’s gscheid weiterzumacha.“ Beim St. Prosper holte sie gleich noch einmal 1000 Euro Preisgeld.

In ihren 20 Minuten im Hunter Club bekam Brandhuber schon beim ersten Song mehrfach Szenenapplaus. „Man muss priorisieren“, sang sie, „lieber Hoisweh als Helene Fischer singa, lieber greislig sei als bei der Heidi Klum“. In einem Lied, das sie ihrem Liebsten zur Hochzeit geschrieben und auch vorgetragen hatte, zählte sie typisch männliche Taktlosigkeiten auf. „Do dadiat a da“, war dann der Mitmachrefrain: „Da erdürrt er dir.“ Diese Hochdeutsch-Übersetzung der Zeile über Brandhubers gar nicht so grünen Daumen war für sich genommen schon komisch.

Sara Brandhuber gewinnt 6. St. Prosper-Kabarettpreis: Bilder

Piano, Gitarre und schwuler Wolpertinger

Auf den zweiten Platz wählten das Publikum und die vierköpfige Jury mit Musiker Peter Heger, Andi Brenninger vom Sponsor Fischer’s Stiftungsbräu, Simon Groß von der SZ und dem Autor dieser Zeilen den weitest gereisten Künstler: Markus Kapp aus Karlsruhe. Der studierte Musiker begleitete seine Songs brillant am Piano. Unter anderem nahm er den elitären Kulturkritikerbetrieb aufs Korn und stellte sich vor, wie man Religion und Fußball vereinen könnte. „Die Wege des Herrn Ribéry sind unergründlich“, psalmodierte er. Seine 500 Euro Preisgeld dürfte Kapp in Hotel und Benzin gesteckt haben.

Der dritte Preis und damit 200 Euro gingen an Horst Eberl aus Pleiskirchen im Kreis Altötting. „Er ist schon seit über 20 Jahren in der Szene aktiv und will zum Querdenken anregen“, stellte ihn Moderator Martin Bauer vor. Das Zusammenleben der Geschlechter, insbesondere mit seiner Frau, ist ein ergiebiges Themenfeld für seine mit Gitarre begleiteten Lieder. „Sie ist die Regierung und ich die Opposition“, erklärte Eberl.

Die undankbare Rolle als Einheizerin hatte Josefine Gartner aus Finsing gehabt. Sie trat als gespaltene Persönlichkeit auf. Die naive und hyperaktiv herumtänzelnde Bühnenschwester Hilde quatscht politisch unkorrekt drauf los. Josefine begibt sich dafür in ernsthafte kabarettistische Gewässer. Haarklein leitet Gartner ab, warum die Bayern das Oktoberfest „den Afrikanern zu verdanken haben“. Schließlich seien die ersten Bayern Wirtschaftsflüchtlinge vom Schwarzen Kontinent gewesen.

Ohne Musik, aber dafür mit aufwändigen Requisiten trat Joe Heinrich auf. Er ist der Schöpfer der Söder- und Aigner-Puppen in der BR-Sendung Quer und hatte auch nach Erding eine Handpuppe mitgebracht: einen stockschwulen Wolpertinger, der zügellos und bitterbös Homo-Klischees durchexerzierte. Den Zuhörern blieb teilweise das Lachen im Hals stecken.

Pumblikumsliebling war dagegen Marco Vogl aus Altdorf. Spontan und boarisch charmant plauderte er über die Eigenheiten der Bayern und zollte auch der Tatsache Respekt, dass er hier bei einem echten Kabarettpreis auftrete. In Anspielung auf Erdogans Wahlkampfattacken auf Holland folgerte Vogl: „Da heißt’s jetzt drüberfliegen statt niederlanden.“

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