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Vor einem seiner abstrakten Kunstwerke (v. l.): Rudolf L. Reiter mit Tochter Victoria und den Enkelkindern Meryem und Ferdi sowie Umweltministerin Ulrike Scharf. 

Ausstellung im Frauenkircherl

Scharf über Reiter: Ein Genie aus der Provinz

Immer wieder ist Rudolf L. Reiter in der Lage, sein Publikum zu überraschen. So auch bei seiner aktuellen Ausstellung im Frauenkircherl. Der bekannte Künstler zeigt noch bis Donnerstag unter dem Titel „Quelle und Schöpfung“ beeindruckende neue Werke, die nach seiner Definition von der romantischen Moderne bis zum abstrakten Expressionismus reichen.

Erding – Dass Reiter gerade das Frauenkircherl als Bühne auserkoren hat, freute besonders Bartholomäus Aiglstorfer, den städtischen Kulturamtsleiter. „Denn dieses Gebäude hat schon viel erlebt, ist heute ein stimmungsvoller Ausstellungsraum.“ Umweltministerin Ulrike Scharf indes schien bei ihrer Laudatio den wahren Grund für Reiters Wahl zu kennen, argumentierte wie eine Kriminalistin: „Der Täter kehrt immer wieder an seinen Tatort zurück.“

Für die prominente Politikerin ist Reiter „eines jener Genies, die meist in der Provinz geboren werden.“ Heutzutage sei es für Künstler schwieriger als früher, Mensch und Umwelt abzubilden, denn vielerlei andere Medien könnten dies auch. Ein Maler könne sich aber auf die Seele des Menschen konzentrieren, Reiter sei darin ein Meister.

Tatsächlich haben Reiters Bilder, wie auch Autor und Freund Wilhelm Dietl in einem kleinen Art-Talk mit dem Künstler eruierte, oft etwas Metaphysisches, „einen philosophischen Kern“. Auf Dietls Einwurf, dass viele Besucher die Werke vielleicht nicht verstehen könnten, konterte Reiter trocken: „In meinen Bildern steckt vor allem Energie. Da gibt es nichts zu verstehen.“ Ja, Energie, ausgedrückt in Farbe, springt aus manchen Bildern den Betrachter unverhohlen an. In vielen seiner meist großformatigen Werken scheint die starke Vielfalt der Töne beinahe zu explodieren. Bei anderen wiederum – für Reiter eher ungewöhnlich – scheinen zarte Striche sich fast schüchtern mit einer weißen Leinwand zu arrangieren. Und so bestätigt sich der optische Eindruck, den Reiter wie folgt sieht: „Anordnung von Farbe soll eine Intensität erreichen, die unmittelbar wirksam und erfahrbar ist.“

Die meisten seiner Bilder im Frauenkircherl sind abstrakt gehalten. Doch einzelne Naturmotive sind auch dabei, wie etwa ein stiller Seerosen-Teich oder eine wilde Meeresbrandung vor einem bleiernen Himmel.

Schließlich zeugt, fast nicht auszumachen in einer Ecke des Raumes, ein Papiersäckchen mit 250 Gramm Erde aus dem Notzingermoos für eine Reiter-Aktion, die etwas anders endete als vom Künstler geplant. „Wir hatten in einem Acker ein Stück Leinwand vergraben, um sie nach dem Winter wieder auszugraben und zu bemalen“, so Reiter. Doch die Natur verhielt sich anders: Nur noch verweste Leinwandreste, vermischt mit gutem Landkreis-Boden, blieben übrig und sind jetzt zu kaufen.

Reiter, der vor einiger Zeit selbst Nahtod-Erfahrungen gesammelt hatte, gab Dietl auf dessen Frage nach Anfang und Ende seine Idee einer Grabstein-Inschrift bekannt: „Bitte denken Sie immer daran, mich zu vergessen.“ Das wird, angesichts demonstrierter Schaffenskraft, nicht einfach fallen. Friedbert Holz

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