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Erzählkunst im Bauerhausmuseum: Die alte Tradition des freien mündlichen Erzählens ließen (v. l.) Karolina Seibold, Herbert Weikmann und Barbara Luchs, jeder auf seine besondere Art, wieder aufleben.

Erzählkunstabend

Schaurig-schöne Geschichten über die Liebe

Erding – Geredet wird heute viel und vielerorts, doch selten kunstvoll. Dabei kann die alte Tradition des freien mündlichen Erzählens durchaus Zuhörer in ihren Bann ziehen. Vor allem dann, wenn sie so professionell und unterhaltsam vorgetragen wird wie beim Erzählkunstabend auf dem Freigelände des Bauernhausmuseums, der diesmal unter dem Motto „Weil i Di mog“ stand.

Es braucht für einen solchen Abend nicht viel: eine kleine Bühne, etwas Musik als Begleitung und vor allem Erzähler, die mit ihren Geschichten begeistern. Das ewig beliebte Thema Liebe war vorgegeben für die drei Akteure, die ganz unterschiedlich ihre spannenden Storys darboten: Karolina Seibold aus Frankfurt, Barbara Luchs aus der Schweiz und Herbert Weikmann. Dieser Erzählkünstler aus Erding hatte sich mit zahlreichen Helfern auch um das angenehme Ambiente gekümmert, hatte den Abend vorbereitet.

Und er gab als Erster eine Geschichte zum Besten, „die etwas Wärme bescheren soll“. Er sprach von der Erschaffung der Frau, von der Schwierigkeit des Schöpfers, „denn alles gute Material war ja schon für den Mann weg“. Die Frauen im Publikum, anfangs skeptisch, wurden erst lockerer, als Weikmann zum versöhnlichen Ergebnis kam, dass letztlich eine Frau auch ohne Mann leben kann, „er aber nicht ohne sie“.

Etwas düsterer, aber sehr lebensnah hörte sich die Erzählung von Karolina Seibold an, im Hauptberuf Aikido-Lehrerin. Genauso kampfeslustig kamen auch ihre Worte, die manchmal wie Pfeile über die Bühne mitten in die Zuhörer schossen. Ja, sie berichtete, fast schaurig-schön, vom Trucker Manolo, der auf seinem langen Weg nach Portugal ein unschuldiges Mädchen im spanischen Bordell trifft. Sie fährt mit ihm weg, ans Meer, wo sie beim Tanz am Strand, eng umschlungen, ihre Häscher erwarten.

Anders die dritte Interpretin, Barbara Luchs. Die kleine Schweizerin, die in ihrer Darstellung mal in Hochdeutsch, mal in schwer verständliches Schwyzerdütsch verfiel, brachte Anni Ott nahe, eine alte Frau. Ihr Mann ist längst tot, eine ihrer Enkelinnen studiert in Rom. Angestiftet von Mario, einem jungen Italiener, folgt sie ihr schließlich in die Heilige Stadt, holt unbewusst ihre Hochzeitsreise nach, die sie mit ihrem Gatten nie erlebt hat.

Es folgten weitere Geschichten, von Kopi, dem Pechvogel, der schließlich Futter für einen Wolf wird. Von Jonathan aus der grauen Stadt, der mit einer grünen Katze zum Meer pilgert, oder von Kathi, der Bedienung beim Wirt, die über Umwege endlich in die liebenden Arme eines Schulfreunds findet.

Stets stand die Liebe im Vordergrund, und sie wurde passend untermalt von den herrlichen Klängen eines begabten Damen-Duos, von den Schwestern Anna-Lena (Saxophon) und Katharina (Querflöte) Gallenberger. Ihnen zur Seite bediente Andreas Steinegger Elektroklavier und Mikro-Anlage, und über diesem ganzen heimeligen Szenario auf dem alten Bauernhof senkte sich bald die Dunkelheit. Die meisten Zuhörer gingen schließlich nach Hause in der Gewissheit, dass es sehr wohl einen Unterschied macht, ob jemand nur redet oder aber gekonnt eine schöne Geschichte erzählt.

Friedbert Holz

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