Erziehungsberatungsstelle

Scheidung und schreiende Babys

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Erding – In 681 Fällen hat die Erziehungsberatungsstelle des Landkreises 2015 geholfen.

Es gibt viele Probleme, die eine Belastung für Familien darstellen – von Lernschwierigkeiten über Streit und Scheidung bis hin zu Krisen im Zusammenhang mit Gewalt oder sexuellem Missbrauch. Im gesamten Spektrum dieser Fällen können Bürger die Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Landkreises aufsuchen. „Unser Angebot ist kostenlos“, erklärte die neue Leiterin Sabine Wolf am Montag im Jugendhilfeausschuss. Die Psychologin stellte den Jahresbericht der Einrichtung vor.

Wolf war 2015 auf die langjährige Leiterin Elisabeth Diemer gefolgt, die in Ruhestand gegangen ist. Der Hinweis auf die Kostenfreiheit der Beratungsleistungen war der Psychologin besonders wichtig. Einige Klienten könnten das gar nicht glauben. AWO-Kreisvorsitzender Fritz Steinberger bestätigte das aus eigener Erfahrung: „Ich stelle immer wieder fest, dass das unbekannt ist, insbesondere bei Migranten.“ Diese Information müsse besser an Familien verteilt werden, zum Beispiel über die Schulen.

2015 hat die Beratungsstelle 681 Familien betreut. Eine Gefährdung des Kindeswohls lag aus fachlicher Sicht nur bei 17 Fällen vor, also knapp zwei Prozent. 335 Familien, also die Hälfte, waren aktuell oder früher von Trennung und Scheidung betroffen. Das heißt, die Kinder leben bei Alleinerziehenden oder in „Patchwork-Konstellationen“, wie es die Psychologin ausdrückte. Bei knapp einem Viertel habe mindestens ein Elternteil Migrationshintergrund, berichtete Wolf. „In elf Prozent der Familien wird zuhause nicht Deutsch gesprochen.“

Zu den Leistungen der Erziehungsberatungsstelle gehört die Sprechstunde für Schreibabys. 2015 haben nach dem Jahresbericht 20 Familien dieses Angebot wahrgenommen. Je nach Bedarf hatten sie einen bis acht Termine. Diese Erziehungsberatung für Eltern von Kindern im Alter von bis zu drei Jahren sei „sehr wichtig für die Gewaltprävention“, erklärte Wolf.

Ein niederschwelliges Angebot unterbreiten 13 Familienpaten (zehn davon weiblich). Die Ehrenamtlichen unterstützen Eltern, die sich überfordert fühlen. Auf diese Aufgabe werden die Paten in einer sechstägigen Schulung vorbereitet und kontinuierlich begleitet.

Man habe seit Jahren die Wartezeiten gut im Griff. „Über zwei Drittel der Klienten haben innerhalb von zwei Wochen den ersten Termin bekommen“, berichtete Wolf.

Häufigste Beratungsgründe:

1. Familiäre Konflikte (32 %), 2. Entwicklungsauffälligkeiten/seelische Probleme (21 %), 3. Schulische und berufliche Probleme (16 %), 4. Eingeschränkte Erziehungskompetenz (14 %).

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