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Bei schweren Schlaganfällen kommt der Spezialist künftig mit dem Hubschrauber zum Patienten ins Klinikum Erding. Das spart lebensrettende Zeit. Möglich wird das durch die neue Angiographie-Anlage. Die Gefäß-Röntgenuntersuchung stellten Claudia Kressierer (MTRA), Chefärztin Dr. Gerda Leinsinger, Werner Huber (Leitung Bau & Technik), Klinik-Chef Sándor Mohácsi, Oberarzt Grigory Kulikov und Landrat Martin Bayerstorfer (v. l.) vor.

Angiographie am Klinikum Erding 

Schlaganfall: Der Arzt fliegt zum Patienten

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Gefäßleiden mildern, Amputationen verhindern und auch schwere Schlaganfälle in Erding behandeln – die Radiologie am Klinikum hat sich große Ziele gesteckt. Erreichen will sie diese mit ihrer neuen, 800 000 Euro teuren Röntgenanlage für Blutgefäße.

Erding – Die Angiographie, also die Möglichkeit, Gefäße per Röntgen zu untersuchen und zu behandeln, gab es in Erding schon länger. Doch nun steht der Radiologie unter der Leitung von Chefärztin Dr. Gerda Leinsinger und Oberarzt Grigory Kulikov eine neue, knapp 800 000 Euro teure Anlage zur Verfügung. „Damit können wir die Instrumente mit höchster Präzision millimetergenau und schmerzfrei in den Blutgefäßen bewegen“, erklärt Leinsinger. So könnten Adern patientenschonend geweitet, Verschlüsse geöffnet und Stents eingeführt werden.

„Damit werden wir sicher einige Amputationen von Gliedmaßen verhindern“, freut sich Leinsinger. Oberarzt Kulikov ergänzt, „dass wir mit dem neuen Gerät auch Patienten behandeln können, für die ein Eingriff zu riskant wäre“. Beide fügen aber hinzu, „dass es keinerlei Konkurrenz zur Gefäßchirurgie hier im Haus gibt. Es ist gut, wenn wir Operateure in der Nähe haben“.

Die neue Anlage, für die laut Werner Huber, Leiter der Bauabteilung des Klinikums, eigens die Räume neu zugeschnitten wurden, verfügt über einen großen Bildschirm und Software-Module, so dass 3D-Anwendungen möglich sind. So werden Untersuchungszeit und Strahlenbelastung reduziert. Auch der Patientenkomfort sei höher.

Insgesamt erhöht sich das Behandlungsspektrum – darunter der Kampf gegen Tumore –, so dass Erdinger Patienten nicht mehr in andere Häuser fahren müssen. Vor allem aber bildet die neue Angiographie die Basis für die Behandlung lebensbedrohlich Kranker, die bisher in Münchner Spezialkliniken geflogen werden mussten.

„Es ist uns ab sofort möglich, akute Verschlüsse von Gehirnarterien bei einem Schlaganfall selbst wieder zu öffnen“, so Leinsinger. Erding nimmt seit 2013 an Tempis teil, Schlaganfall-Versorgung per Telemedizin. Neu dabei ist Erding beim Projekt Flying Interventionalists. Es handelt sich um die Umkehr der Rettungswege. Bei schweren Schlaganfällen kommt künftig ein spezialisierter interventioneller Neuroradiologe entweder aus dem Klinikum rechts der Isar oder Harlaching per Rettungshubschrauber nach Erding. Das spart Zeit – bei diesen Erkrankungen kann das lebensrettend sein. Am Klinikum rechnet man mit etwa 15 Einsätzen dieser Art pro Jahr.

Landrat und Verwaltungsratschef Martin Bayerstorfer spricht bei der neuen Röntgenanlage von einem „weiteren technischen Highlight“. Die Investition habe man sich lange überlebt. „Aber wir haben zustimmt, weil es die medizinischen Möglichkeiten für die Bürger erheblich verbessert.“ So sei man auch für Patienten aus der Umgebung attraktiv. Vorstand Sándor Mohácsi sagte, das Vorgängergerät sei bereits 17 Jahre alt gewesen. Nun sei man auf dem neuesten Stand.

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