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Der Tatort: Auf der Wirtsbudenstraße unweit des Hacker-Zelts wurde der Pretzener von hinten attackiert und am Kopf verletzt. Sekunden vorher hatte der 49-Jährige noch an dem Mandelstand eingekauft.

Schmerzhafter Oktoberfest-Besuch

Ersthelfer auf Wiesn niedergeprügelt

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Menschen zu retten, ist Wolfgang Bambergs Berufung. Der 49-Jährige ist Vorsitzender der Feuerwehr Altenerding. Jetzt wurde er selbst Opfer. Ein Unbekannter schlug den Pretzener auf dem Oktoberfest nieder – nur weil er einem Betrunkenen schützen wollte.

Am Donnerstagmittag war Wolfgang Bamberg mit drei Spezln auf die Wiesn gefahren. Den spätsommerlichen Nachmitag genossen sie im Biergarten des Hackerzelts. Gegen 15.30 Uhr verabschiedete sich der aktive Feuerwehrmann, um sich die Beine zu vertreten. Unweit des Zelts kaufte er sich gebrannte Mandeln.

„Auf einmal sah ich, wie eine Gruppe von vier bis sechs Männern einen Betrunkenen mit sich schleppte. Ein paar Meter neben mir haben sie ihn dann abgelegt. Er war nicht mehr ansprechbar“, erinnert sich Bamberg. Ein Wachmann in der Nähe holte den Rettungsdienst.

Kaum waren die Sanitäter da, bildete sich um den Betrunkenen eine Menschentraube. „Die Helfer konnten sich gar nicht richtig um den Mann kümmern, so groß war der Trubel. Etliche Gaffer machten Fotos und Videos mit ihren Handys“, berichtet der Inhaber einer feinmechanischen Werkstätte.

Als Feuerwehrler kennt er solche Situationen – und blieb nicht untätig. „Ich bin hin und hab die Leute zum Weitergehen aufgefordert.“ Dabei blieb er nicht allein. „Da war plötzlich ein Mann neben mir, der die Schaulustigen ebenso vertreiben wollte.“ Zu diesem Zeitpunkt konnte Bamberg nicht ahnen, welches Schicksal sie wenige Minuten später einen sollte.

Wolfgang Bamberg wurde Opfer einer Straftat.

Der Pretzener kann sich noch erinnern, dass sich plötzlich eine Gruppe von sechs bis acht Lederhosenträgern näherte. „Sie haben eine osteuropäische Sprache gesprochen und sofort damit begonnen, den Einsatz massiv zu stören“, sagt der Vater zweier Söhne. Bis auf zwei Männer gingen die anderen weiter. „Aber sie waren offensichtlich auf Krawall aus. Erst haben sie bloß dumm dahergeredet. Auch bei einem Rempler habe ich mir noch nichts gedacht.“

Was dann passiert ist, kann Bamberg bis heute nicht ganz nachvollziehen. „Einer muss von hinten gesprungen sein“, mutmaßt er. „Ich habe von hinten einen Schlag gespürt, und schon lag ich benommen am Boden.“ Er geht davon aus, dass ihm einer der Männer die Faust gegen den Kopf gerammt hat.

Neben sich sah Bamberg plötzlich den zweiten Helfer liegen. Weitere Sanitäter kamen hinzu, beide Opfer kamen auf die Wiesnwache. Während Bamberg mit einer leichten Gehirnerschütterung davon kam, hatte es den anderen Helfer schlimmer erwischt. Es handelt sich um Manfred Gläser aus München. Während Bamberg am selben Abend mit der S-Bahn heimfuhr, wurde Gläser in ein Krankenhaus verlegt – er hatte seinen selbstlosen Einsatz mit einem Beinbruch bezahlt.

Bamberg begab sich am Freitag doch noch einmal in ärztliche Behandlung ins Erdinger Klinikum. „Mir war in der Früh schwindelig und übel. Zum Glück konnte ich mittags heim. Jetzt ruhe ich mich erst mal aus.“ Die Täter sind über alle Berge. „Eine Anzeige kann ich mir sparen. Die kriegt man nicht mehr zu fassen.“

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