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So sieht Schneechaos im Landkreis Erding aus: Die Kinder, die gestern trotz Unterrichtsausfalls die Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg besuchten, gingen fröhlich zum Schlittenfahren hinter die Strogenhalle.

Auch am Montag ist kein Unterricht

Schneefrei an Schulen: Nicht alle finden‘s witzig

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Gähnende Leere herrschte am Freitag in den Klassenzimmern im Landkreis Erding. Auf eine Weisung des Schulamts hin war wegen der winterlichen Witterung überall schulfrei. Auch am Montag wird deswegen kein Unterricht stattfinden. Wer keine Betreuung für seine Kinder hat, kann sie dennoch an die Schule schicken. Dort gibt es in jedem Fall eine Betreuung.

Landkreis - „Ein bisschen lächerlich ist das schon“, meint Laura Zimmermann. Die Altenerdingerin hat vier Kinder, drei davon gehen zur Schule. „Natürlich war der tödliche Unfall in Aying tragisch. Aber dass bei uns der Unterricht ausfällt, verstehe ich nicht. Straßen und Wege waren doch frei.“ Zimmermann fragt sich: „Ist jetzt immerschulfrei, wenn ein bisschen Schnee fällt?“ Sie hat das Glück, dass sie mobil arbeiten kann – am Freitag und am Montag also von zu Hause aus bei ihren Kindern.

Auch viele andere Eltern reagierten säuerlich, zumal das Wetter gestern gut und die Straßen frei waren. Weder Schul- noch Landratsamt nannten auf Nachfrage unserer Zeitung konkrete Gründe für ihre Entscheidung. Sie verwiesen allgemein aufs Wetter, das sich am Montag allerdings verschlechtern soll.

An der Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg kamen gestern nach Angaben von Rektor Michael Braun 16 Mädchen und Buben. „Ein kleiner Teil hatte die Mitteilung nicht mitbekommen, die meisten aber waren da, weil die Eltern nicht freinehmen konnten“, berichtet Braun. Statt Mathe und Deutsch sei man zum Schlittenfahren gegangen.

Ein Kind klopfte an die Tür der Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger in Altenerding. „Die Eltern hatten es nicht mitbekommen“, sagt Konrektorin Bettina Ber. Zwei Kollegen hätten den Drittklässler in den Bus nach Hause gesetzt.

Stille herrschte auch in der Mädchenrealschule Heilig Blut in Erding. Sekretärin Karen Linner berichtet von einer Achtklässlerin, der trotzdem gekommen sei. „Sie engagiert sich in der Schülerbibliothek und hat die freie Zeit genutzt, Bücherspenden vom Weihnachtsbasar zu katalogisieren“, so Linner. Die Lehrer seien alle da gewesen – zu einer Konferenz.

An der Realschule Taufkirchen lief Schulleiter Josef Hanslmaier eine Schülerin in die Arme. „Sie wollte aber nicht zu uns, sondern sich mit einer Freundin treffen.“

Wolfgang Lanzinger, Mitarbeiter der Schulleitung des Gymnasiums Dorfen, berichtet von Anrufen dreier Mütter, ob sie ihren Nachwuchs schicken könnten. „Als die Kinder erfuhren, dass sie dann allein sein würden, haben sie sich entschieden, lieber zu Freunden zu gehen“, sagt Lanzinger. Er hatte nicht zuletzt wegen der Ganztagsklassen mit einigen Kindern gerechnet.

Flexibilität gefordert ist in diesen Tagen bei den Busunternehmen. Andreas Scharf musste am Freitag zehn Fahrer in den mindestens zweitägigen Zwangsurlaub schicken, denn weder die reinen Schulbusse noch die Verstärker wurden benötigt.

Auf reichlich Frischware sitzen geblieben ist das Kochhaus Oskar in Forstern, das ein gutes Dutzend Schulen in den Kreisen Erding und Ebersberg mit Essen beliefert. „Die Absage in Erding hat uns kalt erwischt“, gesteht Inhaber Johann Oskar. Denn das Catering für Freitag stand bereit. „Da bleibt einem nichts anderes übrig, als die frischen Produkte wegzuwerfen, die kann man auch nicht den Tafeln zur Verfügung stellen.“ Er hat aber Verständnis für die Entscheidung der Schulämter: „Die Sicherheit der Kinder hat Vorrang.“

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