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Geheimnisvolles Frauengesicht: Es soll Anna Beierl zeigen, die Bildhauer Westner 1923 dafür Modell saß.

Fehlbachbrücke 

Die schöne Anna als Steinrelief

Die Freisinger Brücke über den Fehlbach birgt Geheimnisse. So rätseln viele Bürger, wen das Frauengesicht auf dem Steinrelief darstellen soll.

ErdingWer ist die Frau, deren Halbrelief sich an der Nordseite der Freisinger Brücke abwärts des Fehlbachs befindet? Bisher war man davon ausgegangen, dass es sich um die Ehefrau des Glockengießermeisters Anton Josef Bachmair handelt, dessen Abbild sich auf der anderen Brückenseite befindet. Er lebte von 1851 bis 1925 in Erding und betrieb nicht weit entfernt am Herzoggraben 4 seine Glockengießerei.

Der Landwirt und Mühlenbesitzer Benedikt Beierl ist aber fest davon überzeugt: Bei dem Frauengesicht handelt es sich um das Gesicht seiner Großmutter Anna Beierl. Sie soll um 1923 dem Erdinger Bildhauer Max Westner bei der Fertigung des Brückengesichts Modell gestanden sein. „Das stimmt hundertprozentig“, sagt der 74-Jährige überzeugt und verweist auch auf die Ähnlichkeit von Fotos aus damaliger Zeit mit dem Relief. Dass seine Großmutter Modell stand, hat Beierl vor über zehn Jahren bei einem Stammtisch vom damaligen Chordirigenten Sebastian Hupfer erfahren.

Anna Beierl starb 1962 im Alter von 80 Jahren. Sie war die Tochter des Getreidehändlers Sebastian Hupfer sen. „Meine Großmutter war eine schöne Frau und Hupfer erzählte mir, dass sie deshalb für das Relief Modell stand“, erinnert sich der Althamer Landwirt Beierl. Unterstützt wird seine These von Sebastian Hupfer. Auch ihm habe sein Vater erzählt, dass seine Großtante Vorlage für den Steinkopf gewesen sei. Gewohnt habe sie zur Zeit, als die Brücke gebaut wurde, in einem Haus der Hupfers in der Nähe, nämlich Am Gries.

Wie berichtet, ist die Freisinger Brücke so marode, dass sie heuer noch abgerissen wird. Ein Neubau soll sie ersetzen. Die Brücke wurde 1923 errichtet, nachdem die Vorgängerbrücke durch das Hochwasser 1920 zerstört worden war.

Dass die Brücke den Zweiten Weltkrieg überstanden hat, ist Georg Pfab zu verdanken. Er hat als Werkmeister der Elektrizitätswerke Erding gearbeitet. Am 30. April 1945 zogen deutsche Truppen auf dem Rückzug durch Erding. Sie hatten Befehl, alle Brücken in der Stadt zu sprengen. Unter der Freisinger Brücke verliefen Stromkabel, die vom Kraftwerk Aufkirchen zum E-Werk Am Gries führten. Wäre die Brücke gesprengt worden, hätten die Bürger und Handwerksbetriebe in der Stadt keinen Strom mehr gehabt. Das verhinderte Pfab. Er blieb bei seiner Brücke stehen und verhandelte mit dem deutschen Offizier. So konnte er die Sprengung verhindern und die Freisinger Brücke blieb als einzige in Erding unversehrt.

Die zwei Steinreliefs sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben. Allerdings wird es wohl schwierig, die rund 40 Zentimeter großen Köpfe als Ganzes herauszuschneiden. Tiefe Spannungsrisse durchziehen nämlich den Stein. Daher ist geplant, vor Abriss der Brücke Silikonabdrücke der Gesichter gießen zu lassen. Interessiert an den Köpfen ist nicht nur Benedikt Beierl, sondern auch das Museum Erding.

Auch die neue Brücke über den Fehlbach wird ein Kunstwerk erhalten – an der Westseite des dann breiteren Bürgersteigs. Was genau dort hinkommt, steht noch nicht fest.

Peter Bauersachs

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