Redaktionsleiter Hans Moritz

Schönes Wochenende

Die ganze Wahrheit über kriminelle Ausländer

  • schließen

Weniger Straftaten, mehr Zuwanderer - die Kriminalstatistik ist kein Argument für eine angebliche Überfremdung unserer Gesellschaft. Dennoch ist es richtig, den steigenden Anteil an tatverdächtigen Ausländern zu thematisieren, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Wochenendkommentar.

In Erding sind 2016 weniger Straftaten verübt worden als im Jahr zuvor - in einer Zeit, in der die Kriminalität fast überall steigt. Und: Die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen, darunter auch Flüchtlinge, hat im nördlichen Oberbayern mit 36,2 Prozent einen neuen Rekordstand erreicht. Um diese beiden Pole dreht sich die Kriminalstatistik, die diese Woche vorgestellt wurde. 

Die Zahlen taugen nicht als Argumentationshilfe für rechte Parteien, die uns weis machen wollen, der starke Zustrom von Flüchtlingen mache das Leben bei uns unsicher. Ja, es ist richtig: Gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung sind Ausländer und Zuwanderer überproportional häufig in der Kriminalstatistik vertreten. Das stimmt auch noch, selbst wenn man die Verstöße gegen das Ausländerrecht abzieht. Delikte in diesem Bereich können nur Menschen mit nicht-deutschem Pass begehen. 

Ansonsten empfiehlt es sich, die Statistik genau zu lesen und richtig zu interpretieren: Im Landkreis Erding, in dem sich voriges Jahr immer etwa 1000 Asylsuchende aufgehalten haben und in dem es immer mehr anerkannte Flüchtlinge mit Bleiberecht gibt, hat die Kriminalität eben nicht zugenommen. Wenn gerade Flüchtlinge kriminell werden, dann oft in den eigenen Kreisen, nämlich in den Unterkünften oder unter ihresgleichen. Menschen, die monatelang etwa in Containern leben und nichts zu tun haben, können schon einmal austicken. Das muss nichts mit der Nationalität zu tun haben. 

Nicht jeder von der Polizei ermittelte Tatverdächtige erweist sich später als Straftäter In der Statistik taucht er aber auf. Hinzu kommt: Zieht eine Gruppe Ausländer durch die Stadt, dürfte sie eher und öfter kontrolliert werden als etwa eine offensichtlich deutsche Familie mit Kindern beim Ausflug. 

Es ist gut, dass die Polizei mittlerweile eigene Statistiken für kriminelle Auswanderer und Flüchtlinge führt. Zum einen ist deren Zahl längst so groß geworden, dass sie eine gesellschaftliche Relevanz hat. Zum anderen sind solche Fakten in einer Zeit wichtig, in der das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen dramatisch abgenommen hat, und sich politische Randkräfte diese ernstzunehmende Entwicklung zunutze machen. Zu Hysterie besteht freilich kein Anlass.

 Zur ganzen Wahrheit gehört auch, Kriminalität von Zuwanderern beim Namen zu nennen. Deswegen gibt unsere Zeitung so oft wie möglich und bewusst die Nationalität (auch die deutsche!) an, selbst wenn dem Presserat als Selbstkontrollorgan das missfällt. Auch dort setzt ein Umdenken ein. In den ersten Monaten des großen Zustroms haben die Medien gar nicht über Straftaten von Flüchtlingen berichtet – weil die Polizei nichts rausgelassen hat, und wir die Stimmung nicht anheizen wollten. Danach wurde zu oft versucht, die Herkunft der Täter zu verschleiern. Dabei haben die Medien viel Vertrauen verloren. Zur ganzen Wahrheit gehört auch das Wissen, wer hinter einem Vergehen steht. Das hat nichts damit zu tun, Stimmung gegen Ausländer zu machen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Junge Ladendiebe mit CDs in der Unterhose
Sie hatten sich vermeintliche sichere Verstecke für ihr Diebesgut ausgedacht. Doch auch mit ihrer Unterhosen-Masche waren ein 14-Jähriger und sein elfjähriger Freund …
Junge Ladendiebe mit CDs in der Unterhose
Der neue Bierkönig kommt aus Eibach
„Die Masskrüge hoch“, schallte es am Donnerstagabend in der Dorfener Festhalle, denn auf der Bühne wurde der Bierkönig 2017 gesucht.
Der neue Bierkönig kommt aus Eibach
Ducke leitet jetzt vier Werkstätten
Die Behindertenhilfe der Barmherzigen Brüder wird sich neu strukturieren, um auf verändernde Situationen zu reagieren. Geschaffen wird eine Gesamtleitung für die vier …
Ducke leitet jetzt vier Werkstätten
Weitere Erdgasleitungen: Arbeiten starten im September
Die Erdgasbauarbeiten von Energienetze Bayern gehen in Buch am Buchrain im Spätsommer weiter. Die Straßen Schmiedberg und Pfarranger werden die nächsten Bereiche, die …
Weitere Erdgasleitungen: Arbeiten starten im September

Kommentare