In sicheren Händen sind diese Kröten. Antje Wenzel und Lizzy Enderlein (v. l.) von der BN-Ortsgruppe Erding halfen ihnen bei Langengeisling über die Straße. Die Ehrenamtlichen stellten dort Amphibienzäune auf.
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In sicheren Händen sind diese Kröten. Antje Wenzel und Lizzy Enderlein (v. l.) von der BN-Ortsgruppe Erding halfen ihnen bei Langengeisling über die Straße. Die Ehrenamtlichen stellten dort Amphibienzäune auf.

Auch im Landkreis Erding halten Zäune Kröten und Co. vom Überqueren der Straßen ab

Schutz auf gefährlichem Weg zum Laichplatz

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Erding - Die ersten Kröten und Frösche sind auf Wanderschaft. Damit sie sicher zu ihren Laichplätzen kommen, haben Naturschützer im Landkreis wieder Amphibienzäune aufgebaut.

Milde Temperaturen, Regen und kaum Bodenfrost lassen die ersten Kröten, Frösche und Molche auf Wanderschaft gehen. Deshalb haben Ehrenamtliche des Bund Naturschutz (BN) wieder Amphibienzäune an Straßen aufgebaut, beispielsweise in Langengeisling und Wörth.

„Frösche, Kröten und Molche sind vom Aussterben bedroht und daher schützenswert“, sagt Erdings BN-Ortsgruppensprecher Norbert Hufschmid-Steinmetz. In der Laichzeit überqueren die Tiere häufig Straßen, die ihren Weg zum Laichgewässer kreuzen, und werden dort überfahren. Um den gefährlichen Weg in Langengeisling zu vermeiden, haben die Naturfreunde entlang der Straße nach Tittenkofen wieder einige hundert Meter Schutzzäune errichtet.

Sie halten die Tiere, die aus den benachbarten Tümpeln kommen, vom Überqueren der Straße ab. Die Amphibien plumpsen in Fangeimer, die in regelmäßigen Abständen ebenerdig im Boden versenkt sind. Mehrmals täglich werden die Tiere eingesammelt und auf die andere Straßenseite gebracht. An die 2000 Tiere hat der BN Erding im vergangenen Jahr so gerettet.

Ab einer nächtlichen Temperatur von fünf Grad wandern die fortpflanzungsbereiten Tiere zu ihren Laichgewässern. Dort finden Balz, Paarung und Eiablage statt. „Grasfrosch und Erdkröte sind sehr früh im Jahr unterwegs. Teich- und Seefrosch marschieren etwas später los. Und dazu kommen noch andere Amphibienarten. Ganz genau lässt sich das aber nicht vorhersagen, denn auch Frost und Trockenheit können die Wanderung mehrmals unterbrechen“, erklärt Monika Wenger von der BN-Ortsgruppe Wörth. „Die Amphibienretter notieren die gefundenen Tierarten und deren Anzahl, und tragen die Lurche anschließend über die Straße. Dadurch können die Daten gut mit denen des Vorjahres verglichen werden“, erklärt Wenger.

Über die Jahre hinweg wird so deutlich: Die Tiere haben es regional schwer, stabile Populationen aufzubauen. „Frühere Allerweltsarten wie der Grasfrosch und sogar die Erdkröte werden immer weniger“, bedauert Hufschmid-Steinmetz. Deshalb sei jede Hilfe wichtig.

Der BN rettet in Bayern jährlich über eine halbe Million Amphibien vor dem Straßentod und appelliert an die Autofahrer, jetzt besonders rücksichtsvoll zu fahren. Auch Landwirte werden gebeten, auf Gülleausbringung und Wiesenpflege vor den Amphibienzäunen zu verzichten.

Ein optimaler Amphibienschutzzaun muss aus engmaschigem, blickdichtem Kunststoff-Gewebe bestehen. Folien eignen sich nur bedingt, da Jungtiere und Molche in der Lage sind, sich mit ihren Bauchseiten an luftdichte Oberflächen zu haften und an diesen hoch zu klettern. Da Amphibien generell gut klettern können und kleinste Löcher zum Durchschlüpfen nutzen, sind Gitterzäune absolut ungeeignet.

Doch nicht nur Straßen sind eine Gefahr. Unglücklicherweise falle die Hauptwanderzeit der Tiere bei stärkeren Regenereignissen auch mit der Gülleausbringung und Wiesenpflege der Landwirte zusammen, so der BN. Gülle könne noch Tage nach der Ausbringung die Gesundheit der Amphibien gefährden. Landwirte können sich an den BN wenden, um sich zeitnah über die Wanderbewegungen an den Übergängen zu informieren.

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