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Protest beim Minister (v. l): MdB Dr. Andreas Lenz, Sabine Berger, Agrarminister Christian Schmidt, Josef Berger, Alexander Obermeier und Zeno Kern.

Betäubungspflicht bei Ferkelkastration

Schweinebauern schlagen Alarm

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Erding – Ab 2019 müssen Ferkel vor der in der Mast üblichen Kastration vollständig betäubt werden. Die Schweinebauern im Landkreis sehen darin einen Angriff auf ihre Existenz. Die heutige Praxis sei ausreichend und habe sich bewährt. Der Protest führte Erdinger Landwirte nach Berlin.

Im Landkreis gibt es über 150 landwirtschaftliche Betriebe, in denen Schweine gehalten werden. Derzeit umfasst der Bestand nach einer Statistik des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Erding rund 70 000 Tiere, vor allem Ferkel bis 30 Kilogramm (über 20 000 Stück) und Mastschweine ab 50 Kilo (über 25 000 Stück).

Bis dato werden die Ferkel betäubungslos kastriert. Sabine Berger aus Pemberg bei Dorfen von der Ringgemeinschaft Bayern erklärt, „dass wir Landwirte bei dem nur wenige Sekunden dauernden Vorgang Schmerzmittel einsetzen“. Die Kastration ist ihren Worten zufolge erforderlich, „weil wir sonst mit einem sehr aggressiven Verhalten der Eber und Verletzungsgefahr rechnen müssen“.

Ein neues Gesetz verbietet diese Praxis ab 2019. Das betäubungslose Kastrieren wird verboten. Der Eingriff muss danach „zu 100 Prozent schmerzfrei sein“. Für die Schweinebauern ist das unrealistisch und deswegen eine so schlimme Hiobsbotschafte, dass einige nach Berlin fuhren, um im Beisein von Bundestagsabgeordnetem Andreas Lenz eine Protestnote an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (beide CSU) zu übergeben.

Für Berger und ihre Kollegen steht fest: „Viele Ferkelbauern werden diesen Einschnitt nicht überleben und müssen aufgeben.“ Das bedeute „gravierende Einschnitte für die heimische Fleischproduktion“, so Berger weiter. Eine Produktionsverlagerung ins Ausland mit langen Tiertransporten sei eine Folge, die niemand gutheißen könne.

Die derzeit kursierenden Alternativen zur Mast unkastrierter Eber werden von den Landwirten als „nicht praktikabel“ zurückgewiesen. Möglich ist eine Impfung, die verhindert, dass männliche Ferkel Sexualhormone und damit den typischen urinartigen Ebergeruch entwickeln. Zweite Variante: Kastration unter Betäubungsmitteln. Im ersten Fall, erklärt Berger, sei ungeklärt, ob alle Tiere auf die Impfung ansprechen, und es sei völlig ungewiss, ob es Nebenwirkungen gebe beziehungsweise der Konsument das Fleisch geimpfter Tiere akzeptiert. Die Narkose dürften nur Tierärzte verabreichen – für Berger und ihre Mitstreiter eine sehr teure Alternative.

Schmidt konnte nur bedingt Hoffnung machen. „Das Gesetz wird kommen“, machte er deutlich. Dennoch zeigte er Verständnis für die Anliegen der Landwirte. Daher sicherte er zu. Gelder zur Verfügung zu stellen, um Alternativen zur betäubungslosen Kastration zu erforschen. Lenz drängte darauf, vor allem für die kleineren Betriebe praktikable und finanzierbare Lösungen zu entwickeln.

Berger bezweifelt, dass das Gesetz vorrangig wegen des Tierschutzes kommt. „Meines Erachtens haben sich Organisationen durchgesetzt, die den Fleischkonsum senken wollen.“ Für sie ist klar: „Wir wollen nur das Beste für die Tiere. Mit dem neuen Gesetz können wir das nicht mehr garantieren.“

Hans Moritz

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