Der Zunftbrunnen aus der Werkstatt des Erdinger Steinmetzmeisters und ehemaligen Bürgermeisters Karl-Heinz Bauernfeind nach einem Entwurf von Benno Hauber steht seit 1982 vor dem Markthaus Schachtl am Ende der Langen Zeile.
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Der Zunftbrunnen aus der Werkstatt des Erdinger Steinmetzmeisters und ehemaligen Bürgermeisters Karl-Heinz Bauernfeind nach einem Entwurf von Benno Hauber steht seit 1982 vor dem Markthaus Schachtl am Ende der Langen Zeile.

Erster Stadtspaziergang nach Lockdown

Sechs Erdinger Brunnen mit Geschichte

Erding – Mit der Sonne um die Wette strahlte Türmerin Doris Bauer bei ihrer ersten Stadtführung nach dem monatelangen Lockdown in Erding.

Mit gut 20 Teilnehmern besuchte sie am Fronleichnamstag auf dem „Brunnenweg“ markante Wasserstellen in der Erdinger Innenstadt in Anlehnung an den vom Arbeitskreis „Erding bewegt“ initiierten Rundweg. Den Brunnenspaziergang hatte Günther Pech vom Stadtmarketing vor vier Jahren vorgestellt.

„Exakt 200 Tage durften wir wegen Corona keine Stadtführungen mehr durchführen, erst seit dem 21. Mai sind diese wieder erlaubt“, berichtete Stadtführerin Bauer und erläuterte sogleich die Regeln: Bei einer Inzidenz von unter 50 gibt es keine Personenbeschränkung, auch ein Negativtest ist nicht nötig. Erleichterung bei den Teilnehmern, dass im Freien auch keine Maske erforderlich ist, allerdings sollten die Haushalte auf Abstand achten.

Versprach der Brunnenweg bei sommerlichen Temperaturen einige Abkühlung, so blieb diese am Taubenbrunnen im Heilig-Geist-Hof erst einmal aus, da der Brunnen noch nicht in Betrieb war. Die Wasserstelle hat der bedeutende Bildhauer Prof. Georg Brenninger aus Velden geschaffen, verwendet wurde ein Block aus Nagelfluh, auf dem sich vier bronzene Tauben tummeln. Diese symbolisieren die Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit. Aufgestellt wurde dieser Brunnen im Jahr 1980 bei der Neugestaltung des Heilig-Geist-Hofs, der seinen Namen von der gleichnamigen Stiftung aus dem 15. Jahrhundert hat. Hier befand sich das von Erdinger Bürgern gestiftete Spital für Arme und Kranke, aus dem vor 50 Jahren das Heilig-Geist-Seniorenheim am Stadtpark hervorging. Immer einen Besuch wert sei das kleine Heilig-Geist-Kircherl, das zur Zeit allerdings wegen der Baustelle nicht zugänglich ist, erläuterte die versierte Stadtführerin.

Munter plätschernd empfing der schräg gegenüberliegende Entenbrunnen an der Landshuter Straße die Besucher. Errichtet hat den steinernen Ziehbrunnen der Erdinger Steinmetz Karl Gottmann im Notjahr 1932, als mit mehr als sieben Millionen Arbeitslosen große Not im Land herrschte. Zur Arbeitsbeschaffung wurden verschiedene öffentliche Baumaßnahmen ins Leben gerufen, wie auch das Städtische Stadion am Schwimmbad oder eben der Entenbrunnen, der deshalb auch oft als Notbrunnen bezeichnet wird. Seinen tierischen Namen verdankt er dem Ausguss in Form eines Entenschnabels und dem Entenrelief auf der Rückseite.

Wie an einem erfrischenden Bergsee konnten die Besucher im malerisch dekorierten Kennedy-Biergarten dem Vortrag von Türmerin Bauer lauschen, die ihr fundiertes Wissen über die Erdinger Geschichte unterhaltsam zu vermitteln wusste. Idyllisch gelegen unter einer großen Linde, steht am Rätschenbach einer der ältesten Brunnen der Stadt. Schon auf dem ersten Stadtplan aus dem Jahr 1668 stand hier ein Schöpfbrunnen, wie die Stadtführerin berichtet. Der Granitwassertrog aus der Werkstatt des Pretzener Bildhauers Josef Moser hat keinen Namen, könnte aber ein Sauerkraut-Trog mit Zulaufrinne gewesen sein, spekuliert Bauer. Vermisst wurde von den Teilnehmern eine Beschriftung der örtlichen Kunstwerke.

Die Durststrecke bis zum nächsten Brunnen am Markthaus Schachtl führt vorbei an der Maurermeistergasse und der Pfendtnergasse, wo der Pfendtnerturm an die Zeit erinnert, als hier noch der damalige Gerichtsvollzieher residierte. Auch ein Blick in die Höhe lohnte sich, um die unterschiedlichen Giebelverzierungen zu bewundern.

Fast 30 Jahre hat es gedauert, bis sich die Stadträte auf den Standort eines Zunftbrunnens einigen konnten, seit 1982 steht der Brunnen aus Bayerwald-Granit nun vor dem Markthaus Schachtl. Entworfen hatte ihn der Erdinger Künstler Benno Hauber, die Umsetzung erfolgte in der Werkstatt des Steinmetzmeisters Karl-Heinz Bauernfeind, der später 18 Jahre lang Bürgermeister von Erding war. Eindrucksvoll zeigt die Brunnenumrandung die Zunftzeichen und Embleme des einstigen Erdinger Handwerks und Gewerbes.

Am schattigen Herzoggraben lädt der kleine Widnmann-Pavillon zu einem Halt ein. Eigentlich ein Wehrturm der früheren Stadtmauer, nutzte Freiherr von Widnmann ihn als Teepavillon. Bewohnt war das Gebäude bis 1970, heutzutage gehört es dem Landkreis Erding und beherbergt das Büro des Kreisheimatvereins.

Am Turmschieberbrunnen an der Münchner Brücke versuchen die Erdinger Turmschieber immer noch, den Erdinger Stadtturm näher an die Kirche zu schieben, wobei der Turm hier von den Wasserstrahlen symbolisiert wird. Der Entwurf stammt vom Erdinger Künstler Harry S.. Über den QR-Code neben dem Brunnen können Infos zu der Geschichte der Erdinger Turmschieber abgerufen werden.

Großes Interesse zog die neueste Erdinger Errungenschaft am Katharina-Fischer-Platz auf sich. Seit diesem Jahr hat hier ein Storchenpaar einen Nistplatz auf dem Mobilfunkmast auf dem Gasthaus zur Post bezogen. Dass sich auf dem Erdinger Schrannenplatz einst der zweitwichtigste Umschlagplatz für Getreide in ganz Oberbayern befand, zeigt der Ährenbrunnen auf dem roten Platz. Geschaffen hat ihn der Landshuter Bildhauer Karl Reidel im Jahr 1998. Er übernahm das Motiv der Getreideähren und Getreidesäcke kunstvoll in die Gestaltung. Heute ist der Brunnen ein beliebter Treffpunkt in der Innenstadt.

Wer den vollständigen „Brunnenspaziergang“ von „Erding bewegt“ in Eigenregie nachgehen möchte, kann sich den Flyer im Rathaus holen oder im Internet auf www.erding-tourist.de ausdrucken.

Weitere Infos über Stadtführungen mit Doris Bauer gibt es auf www.erding-tower-tours.de.

GERDA UND PETER GEBEL

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