Segnungsgottesdienste für Homosexuelle

„Gleichgeschlechtliche Liebe ist nicht böse“

Die evangelische Landeskirche führt Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare ein. 

Landkreis – Papst Franziskus ist gegen die Ehe für alle. Die evangelische Landeskirche hingegen will Homosexuelle mehr in die Kirche einbinden. Und führt Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare ein: Dafür hat die Landessynode mit 72 gegen 21 Stimmen gestimmt – für Martin Kern (34), Kommunalpolitiker der SPD, aus Buch sei das „grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung“. Er fällt ein hartes Urteil für die katholische Kirche und sagt: „Die evangelische Kirche ist einfach näher dran an den Menschen der heutigen Zeit.“

Bis vor etwa vier Jahren war Kern selbst katholisch und arbeitete als Lehrer an einer katholischen Schule. Aber dann heiratete er standesamtlich seinen Mann, schmiss seinen Job und trat aus der Kirche aus. Mittlerweile ist er konfessionslos, aber sympathisiere eher mit der evangelischen Kirche, da es dort kein Zölibat gebe und Frauen Bischöfe werden können. „Mit Papst Franziskus habe ich gedacht, dass sich die katholische Kirche für homosexuelle Paare öffnet, aber es ist doch eine sehr verkrustete Sache“, sagt er: „Das wird schon noch ein paar Jahrzehnte dauern – mindestens.“

Pfarrer Christoph Keller (47) von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Erding freut sich, dass er bald gleichgeschlechtliche Paare segnen darf, denn: „Es ist ein klares Signal dafür, dass die gleichgeschlechtliche Liebe nicht Verwerfliches, nichts Böses ist und den Segen Gottes verdient.“ Bisher bekamen homosexuelle Paare die Segnung nur im seelsorgerischen Rahmen – und nicht im Gottesdienst: „Ich bin froh, dass dieses Versteckspiel jetzt endlich vorbei ist und die Paare öffentlich feiern dürfen.“

Aber er spürt auch Gegenwind unter den Evangelen, sie sehen die Ehe, laut Bibel, als Verbindung zwischen Mann und Frau. Aber Keller fragt: „Kann man die Bibel so eindeutig verstehen?“ Für ihn sei wichtiger: „An sich ist es doch etwas Wertvolles, dass zwei Menschen zueinander Ja sagen und den Weg miteinander gehen.“ Außerdem gebe es die Trauung, nur für heterosexuelle Paare weiter: „Ich hoffe, dass alle in unserer Kirche damit leben können.“

Wären Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare auch in der katholischen Kirche denkbar? Der Isener Pfarrer Josef Kriechbaumer antwortet: „Zu diesem Thema habe ich mir noch überhaupt keine Gedanken gemacht und möchte deshalb auch nichts dazu sagen.“ Die katholische Kirche ist offenbar noch nicht soweit.

Anna Schwarz

Rubriklistenbild: © dpa / Ralf Hirschberger

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